zur Navigation springen

Erinnerung an den Güstrower Maler Karl Christian Klasen : Stationen eines kurzen Lebens

vom

Die Stadt Güstrow zeigte bereits 1991 eine große Ausstellung über Karl Christian Klasen im Schloss. Sie erinnerte damit an den fast vergessenen Güs trower Maler, Grafiker und Zeichner.

svz.de von
erstellt am 18.Nov.2011 | 07:18 Uhr

Güstrow | Die Stadt Güstrow zeigte bereits 1991 eine große Ausstellung über Karl Christian Klasen im Schloss. Sie erinnerte damit an den fast vergessenen Güs trower Maler, Grafiker und Zeichner. Damals ehrte sie ihn aus Anlass seines 80. Geburtstages. 2006 zum 95. Geburtstag wurde von den Mitarbeitern des Museums eine sehr gute Auswahl von Bildern Klasens zu einer hervorragend gestalteten Ausstellung zusammengetragen und vorgestellt. Der Maler und Grafiker rückte da dem Publikum ins Gedächtnis und ist es bis jetzt.

Besondere Verpflichtung gegenüber dem Menschen und dem Werk Klasens fühlt die Insel Poel und die dort beheimatete Klasen-Gesellschaft, die ganz aktiv in der Erbepflege tätig war und ist. Hier seien besonders Klaus Lehmbecker, Dietmar Brauer sowie Hasso Reschenberg erwähnt. Das alte Schulhaus in Kirchdorf ist durch die Gemeinde und Spenden in eine beachtliche Museumsanlage gewandelt worden, so dass der 100. Geburtstag Klasens hier besonderes gewürdigt wird. Eine umfangreiche thematisch ausgerichtete Ausstellung wird gezeigt.

In Güstrow als Geburtsort Karl Christian Klasens macht eine sehr schöne Kabinettausstellung im Stadtmuseum ab heute erneut auf den Künstler aufmerksam. Sie stellt u.a. noch nie gezeigte Arbeiten vor, Motive aus dem Raum Güs trow, aus Bützow und von der Insel Poel.

Das Werk Karl Christian Klasens, der sich vorwiegend autodidaktisch ausbildete, kann man zu großen Teilen der "Mecklenburgischen Landschaftsmalerei" zuordnen, die inzwischen in der Kunstgeschichte zu einem Begriff geworden ist. Es ist in erster Linie die Wiedergabe der heimatlichen Umgebung und der hier lebenden Menschen mit zuweilen genrehaften Zügen.

Die "Mecklenburgische Landschaftsmalerei" ist eine stark vom regionalen Kolorit beeinflusste Kunst. Die Anfänge liegen schon im ausgehenden 18. Jahrhundert. Sie erlebte im 19. Jahrhundert, in der Romantik, und am Anfang des 20. Jahrhunderts eine regelrechte Blüte, die bis in die heutige Zeit hineinwirkt, immer etwas still im Vergleich zur Klassischen Moderne, genannt seien hier die Künstlerkolonien Schwaan und Ahrenshoop.

Diese Malerei hat zuweilen eine beachtliche Qualität, sie ist von tiefer Naturverbundenheit und einem Sinn für Realität gekennzeichnet. Ein bestimmendes Kunstzentrum (wie z.B. in Leipzig die "Leipziger Schule" in München den "Blauen Reiter" oder in Dresden die "Brücke") gab es nicht, aber Akademien und Kunstschulen wie Düsseldorf, Weimar und Berlin pflegten eine Kunst nach dem Vorbild Kopenhagens mit naturalistischen, idealisierenden und z.T. sentimentalen Zügen bis hin zur Melancholie. Zahlreiche Mecklenburger studierten an diesen Schulen. Auch Karl Christian Klasen, der, zunächst auf sein Talent vertrauend, als Autodidakt begann, besuchte, wenn auch nur wenige Semester, die Kunstschulen in Düsseldorf und Berlin. Er hatte sich in dieser Anfangsphase seiner Künstlerlaufbahn (verwiesen sei hier auf seine Selbstdarstellung in der Ausstellung) an etlichen regionalen Ausstellungen beteiligt. Man wurde auf das Talent aufmerksam.

Ein Stipendium, welches ihm zugesprochen wurde, ermöglichte diese Studien. Die ersten Jahre waren schon schwierig, wenn man sein Leben von der Kunst bestreiten muss. Der Besuch der Kunstschulen in Berlin und Düsseldorf blieb nicht ohne Auswirkungen, wurde dort doch auf handwerkliche Fähigkeiten bis zur Perfektion orientiert.

Das Kennenlernen der Moderne, die wir heute die Klassische Moderne nennen, oder gar die Auseinandersetzung mit ihr fand nicht statt. Ob er von Emil Nolde oder Feininger wusste, deren Landschaftsdarstellungen den Betrachter immer wieder beeindrucken, ist nicht bekannt. Seine Landschaften zeigen dies nicht. Die genrehaften Szenen liegen, außer in wenigen Bildern, ganz im Traditionellen.

Karl Christian Klasens Malerei schafft dennoch die Distanz zur rein vedutenhaften Wiedergabe einer topografischen Situation. Die atmosphärischen Momente, das Spiel des Lichts, die Naturstimmungen bis hin zu Vorstellungen und Zeichen, die an Bewegungen menschlicher Körper denken lassen (Bilder von Weidenbäumen) sind bemerkens- und liebenswert.

Nur kurze Zeit war ihm vergönnt, künstlerisch zu arbeiten. In eine Zeit hineingeboren, die alles andere als menschenfreundlich war, begann seine künstlerische Arbeit etwa 1929/30 und sollte schon in den letzten Kriegswirren 1945 als Soldat in Königsberg enden. Er wurde schwer verwundet und erlag am 21. Februar 1945 den Verletzungen. Sein Grab fand er auf dem Domfriedhof in Königsberg.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen