Landswirtschaft : Stalu genehmigt Hähnchenmastanlagen

Hähnchen können künftig bei Wardow gemästet werden. Der Bau entsprechender Stallanlagen ist genhmigt.
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Hähnchen können künftig bei Wardow gemästet werden. Der Bau entsprechender Stallanlagen ist genhmigt.

Bei Wardow können zwei Anlagen mit zusammen knapp 80 000 Tierplätzen gebaut werden

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22. Januar 2016, 05:35 Uhr

Zwei Hähnchenmastanlagen mit jeweils 39 900 Tierplätzen können zwischen Wardow und Kobrow gebaut werden. Das Staatliche Amt für Landwirtschaft und Umwelt (Stalu) hat in dieser Woche die Genehmigung erteilt, bestätigte Leiter Jean Weiß gestern auf SVZ-Nachfrage. Rund dreieinhalb Jahre sind seit der Antragstellung vergangen. „Theoretisch könnten wir morgen anfangen“, betonte gestern Christian Heine, Vorstandsvorsitzender der Agrarproduktivgenossenschaft (APG) Wardow.

Ob man wirklich bauen wird, sei eine ganz andere Sache, so Heine. „Als wir mit dem Vorhaben starteten, war man sich in Mecklenburg-Vorpommern noch einig, dass es mehr Tiere und mehr Arbeitsplätze in der Landwirtschaft geben sollte“, erinnert Heine und fügt hinzu: „Der Zeitgeist hat sich gewandelt.“ Heine spricht von einer „diffusen Stimmung gegen die Agrarindustrie“. Dabei seinen Anlagen mit 39 900 Tierplätzen keine riesigen Ställe. Er sei zuletzt davon ausgegangen „bis zum jüngsten Tag auf eine Genehmigung warten“ zu müssen und ist sich auch jetzt noch nicht sicher, ob für die Investition alles geebnet ist. „Wir gehen davon aus, dass irgendwer Widerspruch gegen die Genehmigung einlegen wird“, so Heine. Am Ende müsse eventuell ein Gericht entscheiden. Auch das sei Zeitgeist, meint der APG-Vorstandsvorsitzende.

Bevor eine Entscheidung für den Bau der Hähnchenmastanlagen gefällt wird, seu erst einmal die Baugenehmigung genau anzusehen, müsse man wissen, mit welchen Auflagen diese gegebenenfalls verbunden ist. Dann sei ein möglicher Widerspruch abzuwarten. Dann müsse mit den Anteilseignern der beiden Gesellschaften – die Wardow Broiler GmbH und die Kobrow Broiler GmbH – gesprochen werden. Danach werde entschieden. „Ich sehe es gelassen und fahre jetzt erst einmal in den Urlaub“, sagte Heine gestern.

Vor rund vier Jahren war das Vorhaben in Wardow und Umgebung auf heftigen Protest gestoßen. Eine BUND-Ortsgruppe Wardow und die Bürgerinitiative „Für ein lebenswertes Wardow“ hatten sich gegründet und ihren Bedenken gegen eine industrielle Hähnchenmast zum Ausdruck gebracht: Lärm, Gestank, Verkehrsbelastung und Angst vor gefährlichen Keimen. „Es ist vier Jahre her und hat sich irgendwie verlaufen“, sagt Harald Hagen. Viele hätten sich über die Jahre aus der Bürgerinitiative zurückgezogen. „Wenn es jetzt so kommt, müssen wir damit leben“, meint der Wardower, der sich engagiert gegen Mastanlagen eingesetzt hatte.

Erfolglos war auch ein Vorstoß des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) geblieben, beide Anlagen als ein Vorhaben zu betrachten. Der Vorwurf damals: Die Aufsplittung in zwei Anlagen sei nur erfolgt, um eine förmliche Beteiligung der Öffentlichkeit im Genehmigungsverfahren zu vermeiden. Nach monatelanger Prüfung hatte das Stalu festgestellt, dass es sich „rein rechtlich betrachtet um zwei Anlagen handelt“ (SVZ berichtete). 

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