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Förderzentrum in Güstrow etabliert : Stärken in Vordergrund stellen

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Gut fortgeschritten ist in Güstrow der Inklusionsgedanke. Weit vor EU-Forderungen hat sich ein sonderpädagogisches Förderzentrum mit dem Förderschwerpunkt "Lernen" etabliert.

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erstellt am 26.Dez.2012 | 08:02 Uhr

güstrow | Aufmerksam verfolgt Ada Rösel, Leiterin der Schule mit dem Förderschwerpunkt "Lernen" an der Ahornpromenade, die zahlreichen Diskussionen zum Thema "Inklusion". Im Kern besagt das in der UN-Behindertenrechtskonvention propagierte Leitbild, dass sich nicht die Menschen mit Behinderungen anpassen müssen, um Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu erlangen, sondern die Gesellschaft muss die Voraussetzungen dafür schaffen. Bei der Bildung, zurzeit am heftigsten diskutiert, geht es unter anderem um die Frage, wie Kinder mit und ohne Lernschwierigkeiten gemeinsam an Regelschulen lernen können.

"Wir sind in dieser Frage weiter als manche glauben, weil wir uns nicht erst 2009, als Deutschland die Konvention ratifizierte, auf den Weg gemacht haben", sagt die Schulleiterin und legt Zahlen und Fakten vor. So sei seit Mitte der 1990er-Jahre in der Stadt ein Kooperatives Sonderpädagogisches Förderzentrum (KSFZ) inzwischen anerkannt und etabliert. Eine Verwirklichung des Inklusionsgedankens sieht Ada Rösel auch in der Bildung von zeitlichen sonderpädagogischen Angeboten an den Regelschulen. So gibt es Sprachheilklassen an der Grundschule am Hasenwald, Diagnose-Förder-Klasssen an den Grundschulen "Am Inselsee", "Fritz Reuter" und in Laage sowie VE-Klassen für verhaltens- und entwicklungsgestörte Kinder an der Grundschule "Am Inselsee".

Ab der 3. Klasse können Schüler, die sich im Vergleich zu Gleichaltrigen im Lernen auffällig zeigen, in die Förderschule mit dem Förderschwerpunkt "Lernen" aufgenommen werden. Voraussetzung ist ein sonderpädagogisches Gutachten. Zurzeit lernen zirka 165 Schüler bis zur 9. Klasse an der Förderschule. In einem weiteren freiwilligen Jahr können sie die Berufsreife erlangen. Die Förderschule, die seit Februar 2011 im ehemaligen Gymnasium am Distelberg ansässig ist, ging aus den ehemaligen Förderschulen "Comenius" und "Pestalozzi" hervor. An beiden Einrichtungen zusammen, erinnert Ada Rösel, lernten etwa 400 Schüler. Ziel sei es schon immer gewesen, möglichst viele Schüler in den Regelschulen zu unterrichten. So betreuen Sonderpädagogen der Förderschule derzeit etwa 300 Schüler mit Auffälligkeiten im Lernen, der Sprache, dem Verhalten und der Motorik an allen Regelschulen des ehemaligen Landkreises Güstrow. Das sei sicher ein Anfang, aber wenn Inklusion erreicht werden soll, müssten Voraussetzungen dafür an den Regelschulen geschaffen werden, sagt Ada Rösel. "Und es bedeutet auch, dass es immer die Möglichkeit zu einer Separation geben muss", fügt die Schulleiterin hinzu. So könnten beispielsweise an einer Schule Klassen für Hochbegabte oder für leistungsstarke Schüler im mathematisch-technischen Bereich oder eben auch für Schüler mit diagnostiziertem Förderbedarf temporär gebildet werden. Wichtig sei, dass sich Begrifflichkeiten ändern. So gelten Jugendliche, die nach neun Klassen die Förderschule regulär verlassen, noch immer als "Schulabbrecher". Auch die Bezeichnung Förderschule wirke stigmatisierend, weiß die Schulleiterin.

"Man muss jeden Schüler individuell einschätzen. Wichtig dabei ist, dass wir nicht die Defizite in den Vordergrund stellen, sondern Zugang zu jedem Schüler über seine Stärken finden. Damit wäre ein großer Schritt zu Inklusion getan", sagt Ada Rösel.

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