Energieversorger : Stadtwerke expandieren – mit Maß

edgar föniger

Kommunales Güstrower Unternehmen in 200 Stromnetzen deutschlandweit aktiv / Schrittweise Modernisierung und Komplettierung

svz.de von
10. Dezember 2013, 08:00 Uhr

Peu à Peu bauen die Güstrower Stadtwerke ihre Basis aus. Nach Bezug des neuen Verwaltungsgebäudes vor einem Jahr und der Installation eines neuen Reinwasserbehälters raucht am „Energieversorgungsstandort West“ am nahen Heizwerk 1 bereits der Schornstein. Für 1,8 Millionen Euro entsteht hier, am Sandberg, ein neues Blockheizkraftwerk (BHKW). Nach den großen Kraftwerken in der Süd- und der Nordstadt setzt das hundertprozentig kommunale Unternehmen auf „energetische Quartiersanierung“, wie das Geschäftsführer Edgar Föniger bezeichnet. Gemeint ist ein Konglomerat von kleineren Energieerzeugern an lokal begrenzten Standorten, wo es sich anbietet. Betrieben wird so schon seit längerer Zeit ein Mini-Blockheizkraftwerk in der Wossidloschule. Bioerdgas ist hier der Energiespender. Weitere Standorte kleiner Kraftwerke sind das Mühlentorviertel und seit kurzem der historische Schlauchturm in der Baustraße.


Perspektive für Wohngebiet am Bärstämmweg


Das Kraftwerk am Sandberg zählt auch dazu. Primär wird hier Wärme erzeugt und als „Abfall“ auch Strom, was den Wirkungsgrad erhöht und zudem einen Beitrag zum Umweltschutz darstellt. Versorgt wird von diesem Standort am äußersten westlichen Stadtrand das Wohngebiet rund um den Bärstämmweg. Dabei hätten sich auch schon zahlreiche Eigenheimbesitzer an das Fernwärmenetz angeschlossen, sagt Föniger, „und ganz freiwillig“. Lange hat es gedauert, bis die Entscheidung für den Standort endgültig fiel, so lange, bis klar war: Dieses Güstrower Wohngebiet hat eine Perspektive. Jahrelanges Monitoring im Rahmen des Integrierten Stadt-entwicklungskonzeptes (ISEK), also Beobachtung, wie sich Wegzug und Zuzug der Menschen am Bärstämmweg gestalten, zahlte sich aus: Die Skepsis, die noch Anfang des Jahrtausends herrschte, wich Optimismus. Ein offener Punkt ist noch die Zukunft der beiden Schulgebäude in der Hamburger Straße. Steht die ehemalige Berufsschule schon länger unbewirtschaftet leer, so soll im kommenden Schuljahr auch die Grundschule am Hasenwald in die Hafenstraße umziehen. Vermutlich ist dann auch die dortige Sporthalle nicht mehr zu halten – womit ein weiterer Energieabnehmer verloren ginge. „Wegen dieser unklaren Lage gestalten wir das Kraftwerk ausbaufähig“, erklärt Föniger.

Seit Anfang Oktober ist die neue Kesselanlage bereits in Betrieb und hat die zuvor mobile Station ersetzt. Föniger: „Die Winterversorgung mit Wärme ist somit gewährleistet.“ Über den Winter werde am Einbau der Stromerzeugungsanlage gearbeitet. Ziel sei es, dass Mitte des kommenden Jahres das BHKW am Sandberg vollständig in Betrieb ist.

Unterdessen planen die Stadtwerke für das kommende Jahr bereits die nächsten Investitionen. Das derzeit günstige Zinsniveau soll genutzt werden, um die Module zur Kraft-Wärme-Kopplung im BHKW Nord zu modernisieren. Eine Kreditaufnahme in Höhe von 2 Millionen Euro hat dazu jüngst die Stadtvertretung ihrer „Tochter“ genehmigt.

Die nicht unerheblichen Belastungen sollen jedoch nicht zu Lasten der Abnehmer gehen. Zwar kämen die Güstrower Stadtwerke, wie wohl die meisten Energieversorger in Deutschland, um Preissteigerungen beim Strom nicht umhin, meint Föniger. Mit den Ursachen dafür hätten aber alle Versorger zu kämpfen. Als Stichwort genügt oft schon die EEG-Umlage, die auf 18,4 Prozent der Kosten steigt. 6,24 statt 5,23 Cent pro Kilowattstunde hat der Verbraucher allein hierfür künftig zu berappen. Erstmals, erklärt der Stadtwerke-Geschäftsführer, stiegen somit 2014 die vielfältigen staatlichen Abgabenanteile auf über 50 Prozent der Stromkosten. Föniger: „Das ist von den Stadtwerken nicht zu beeinflussen.“ Dennoch soll die EEG-Steigerung nur teilweise auf die Kunden umgelegt werden, verspricht Föniger. Besonders schlage außerdem zu Buche, dass in Nordostdeutschland die Netzentgelte die höchsten in Deutschland wären. Die machten immerhin rund 20 Prozent der Stromkosten aus. „Leidtragende“, so Föniger, „sind die Schwachen, aber ebenso die Wirtschaft.“ Nicht antasten wolle er deshalb die Grundversorgungstarife, die rund 6000 Güstrower Haushalte bezögen. Anders die Sondertarife, aber auch bei diesen würden die gestiegenen Kosten „nicht in voller Höhe umgelegt“ werden.

Besonders froh sind die Stadtwerker denn auch, dass sich ihr „Stromissimo“-Produkt zu einer Marke entwickele. Speziell für dieses Produkt, seit knapp zwei Jahren am Markt, gab jüngst „Finanztest“ den Güstrower Stadtwerkern prima Noten. Getestet wurden Anbieter in Essen, Leipzig und Frankfurt/Main – die Güstrower Stadtwerke waren dabei. „Wir haben uns das schon als Marke schützen lassen“, berichtet Föniger stolz. Als logischer Schritt werde dieses Online-Produkt jetzt auch „offline“ angeboten.


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In rund 200 Stromnetzen sind die Güstrower Stadtwerke deutschlandweit aktiv, ihr Gas bieten sie in 50 Versorgungsgebieten an. Mehr als die Hälfte ihrer Produktion „strömt“ zu Abnehmern außerhalb der Barlachstadt. Föniger spricht von „Expandieren und dabei Maß halten“ und sagt: „Das ist für uns existenzsichernd.“ Im Gegenzug wären immerhin auch 80 Anbieter in Güstrow „unterwegs“, die freilich die Infrastruktur der Stadtwerke für den Vertrieb ihres Stromes und ihres Gases nutzen. Edgar Föniger: „Auch wenn wir ein relativ kleines Unternehmen sind, stellen wir uns dem Wettbewerb und gehen selbst in die Offensive.“

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