Stadt stellt sich hinter Asylbewerber

<strong>Arne Schuldt</strong>,Güstrow
Arne Schuldt,Güstrow

svz.de von
14. März 2013, 06:28 Uhr

Güstrow | Das geplante Asylbewerberheim in Dettmannsdorf soll am 23. März Ziel einer NPD-Demonstration sein. "Kein Asylantenheim in Dettmannsdorf und anderswo" lautet die Parole der Rechtsextremen, mit der sie die Dettmannsdorfer für sich einnehmen wollen. Nach einer neuerlichen anonymen Flugblattaktion und im Internet kursierenden Antihaltungen gegen das Heim im Waldweg sieht Güstrows Bürgermeister Arne Schuldt den Präventionsrat der Stadt gefragt. "Ich habe selbst jahrelang in Dettmannsdorf gewohnt. Mir ist nicht klar, dass das, was da kursiert, die Meinung der Dettmannsdorfer sein soll. Die haben ja nicht mal den Mut, sich mit Namen zu bekennen." Schließlich nicht Dettmannsdorfer, sondern die NPD hätte die Demonstration angemeldet, die allerdings noch nicht genehmigt sei. Schuldt: "Die Dettmannsdorfer müssen aufpassen, dass sie nicht von bestimmten Gruppierungen missbraucht werden." Der Bürgermeister stellt auch die demokratischen Spielregeln klar: Wir leben in einer Demokratie, da gebe es ein Demonstrationsrecht. "Im Zweifel sagen Gerichte, was man darf und was nicht."

Der Bürgermeister stellt sich und die Barlachstadt hinter das Asylbewerberheim und die Menschen, die dort erwartet werden. "Es ist politisch gewollt, und es ist angemessen, Menschen zu helfen. Güstrow als große Kreisstadt ist da in der Pflicht. Wir werden das mit unseren 30 000 Einwohnern doch wohl bewältigen!" Schuldt verteidigt auch den Standort im Waldweg - das sei eine geeignete Stelle. Die Stadt trage dem Rechnung, erst für gestern Abend hat Schuldt dem Hauptausschuss einen Beschlussvorlage angetragen, demnach werde eigens der Flächennutzungsplan für das Asylbewerberheim angepasst.

Und Schuldt verweist auf gute Erfahrungen im Umfeld von Asylbewerberheimen. "Seit Anfang der 1990er-Jahre hat es Probleme nicht mehr gegeben."

So sieht es aus Sascha Zimmermann, FDP-Stadtvertreter und Mitglied des Präventionsrates. Er verweist zudem auf die sehr geringe Ausländerquote im Landkreis sowie im ganzen Land. Zimmermann rechnet fest mit einer Reaktion auf die angekündigte NPD-Demonstration in Güstrow. "Es ist zwar noch keine Gegendemonstration angemeldet, aber es wird eine geben", ist sich Zimmermann sicher. Er erwartet auch kurzfristig Reaktionen aus der Landespolitik. "Es wären auch Mahnwachen denkbar, um den Rechtsextremen entgegenzutreten", merkt er an. Die Politik müsse reagieren.

Das Aktionsbündnis "Vorpommern: weltoffen, demokratisch, bunt", das sich in der Praxis bereits gegen zahlreiche rechtsextreme Demonstrationen gestellt hat, hat der Stadt Güstrow seine Hilfe angeboten. "Unser Bündnis steht mit Rat und Tat zur Verfügung", sagte gestern Tina Rath vom Aktionsbündnis auf SVZ-Nachfrage. Sie hat bereits im Präventionsrat vorgesprochen. "Es wird einen Gegenprotest geben", ist auch sie überzeugt. Dazu seien allerdings noch Abstimmungen erforderlich.

In Güstrow hatte sich bereits kurz nach den Flugblättern gegen das Asylbewerberheim ein Bürgerbündnis gebildet, um die Asylbewerber in der Barlachstadt willkommen zu heißen. Cathinka Eick von der "Partnerinitiative für mehr Toleranz und Weltoffenheit", wie die Initiatoren das offene Bündnis tauften, sagte bei der Gründung: "Mit der bisher vorrangig schlechten Stimmung bin ich nicht einverstanden. Ich möchte nicht, dass der Name Güstrow für Fremdenfeindlichkeit steht."

Mitte April sollen laut Informationen des Landkreises Rostock die ersten Asylbewerber in die neu geschaffene Gemeinschaftsunterkunft in Dettmannsdorf einziehen. Hier ist Platz für 124 Frauen, Männer und Kinder. Im Altkreis Güstrow gibt es aktuell kein Asylbewerberheim. Bisher sind die Flüchtlinge vor allem im Altkreis Bad Doberan untergebracht.

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