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Güstrower Anzeiger

18. November 2017 | 19:04 Uhr

Güstrow : Stadt kauft markantes Eckhaus

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Gleviner Straße 1: Schier unendliche Geschichte nimmt jähe Wendung – die Stadt sucht nun Interessenten oder saniert selbst.

svz.de von
erstellt am 30.Dez.2015 | 07:00 Uhr

Hoffnung auf eine Sanierung des gewaltigen Eckhauses am Güstrower Markt gab es in den vergangenen Jahren immer mal. Stets folgte die Ernüchterung. Nichts geschah. Jetzt hat die Stadt das Haus Gleviner Straße 1 gekauft. „Wir hatten ein letztes Angebot unterbreitet, auf das sich der Eigentümer eingelassen hat“, berichtet Bürgermeister Arne Schuldt. Die Stadt wird jetzt einen Interessenten suchen, gelingt dies nicht, selbst sanieren und dann einen Käufer suchen.

Die Stadt sehe sich in der Verantwortung. „Wir haben ein Sanierungsgebiet, weil wir die Dinge in der Altstadt neu ordnen wollen. Das müssen wir als Stadt organisieren“, betont Güstrows Bürgermeister. Wenn es gar nicht anders ginge, würde das auch bedeuten zu kaufen, zu sanieren und dann zu veräußern. Schuldt zieht den Vergleich zu den Häusern Am Berge 10 bis 12 und Gleviner Straße 23 bis 25. Auch hier hatte die Stadt das Heft des Handels in die Hand genommen und Investoren gefunden. Das erhofft Schuldt auch im Falle der Gleviner Straße 1. Anders als in den genannten Beispielen liegt für das Haus, in dem vor rund 300 Jahren einst August der Starke, Kurfürst von Sachsen und König von Polen, logierte, als 1712 während des Nordischen Krieges Verhandlungen u.a. mit Zar Peter I. in Güstrow stattfanden, liegt eine Planung für die Gleviner Straße 1 vor. „Wir haben die Planung mit gekauft und darauf geachtet, dass auch die Baugenehmigung noch ihre Gültigkeit hat“, informiert Schuldt. Laut dieser Planung sind auf einer Fläche von rund 600 Quadratmetern Wohnungen und im Erdgeschoss eine gewerbliche Nutzung vorgesehen. Eine Baugenehmigung liegt seit Mai 2012 vor, außerdem sind seither Städtebaufördermittel von immerhin 577 000 Euro zugesagt.

Wilde Plakatierung schnell beenden

Die Verhandlungen mit dem Eigentümer, der das stattliche Gebäude Anfang der 1990er-Jahre erworben hatte, schleppten sich über viele Jahre hin. Ein Sanierungsgebot (Verpflichtung zur Sanierung) stand im Raum. Zuletzt hatte der Neumünsteraner im Herbst vergangenen Jahres einen Verkauf angekündigt, danach auch Verhandlungen geführt (SVZ berichtete), diese aber zu keinen Ende gebracht. Im Sommer beauftragte die Stadtvertretung den Bürgermeister einen letzten Versuch zu starten. Mit Erfolg.

„Es ist ein stolzes Bürgerhaus, das aus verschiedenen Richtungen die Blicke auf sich zieht, ein Backsteinhaus, das in Güstrow mit seinen klassizistischen Fassaden auffällt“, umreißt Bürgermeister Schult die Bedeutung des Hauses. Das massive Giebelhaus aus der Renaissance dürfte um 1600 erbaut worden sein. Ein aufwendig gestaltetes Giebeldreieck prägt die Fassade. Neben der bauhistorischen Bedeutung steht die Gleviner Straße 1 durch den Besuch von August dem Starken auch für ein Stück Stadtgeschichte.

Zunächst, so Schuldt, werde man schauen inwieweit Dach und Fenster in Ordnung sind und gegebenenfalls sichern. „Dann werden wir uns mit der illegalen Plakatierung beschäftigen“, kündigt der Bürgermeister weiter an. Dann müsse mit der Stadtvertretung die weitere Verfahrensweise geklärt werden. Denkbar sei es an die Förderobergrenze zu gehen und dann auszuschreiben. Aufgrund der städtebaulichen Bedeutung des Gebäudes hält Schuldt eine Höchstförderung für angebracht.

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