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Hundehaufen : Staatlicher Druck löst Problem nicht

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Hundekot auf Güstrows Wegen und Grünanlagen: Interview mit Ordnungsamtsleiter Detlef Moll

svz.de von
erstellt am 15.Dez.2015 | 13:58 Uhr

Tägliches Ärgernis in der Güstrower Innenstadt: Haufen von Hundekot, verschmierte Gehwege. Ein Selbsttest der SVZ-Lokalredaktion registrierte an einem einzigen Tag mehr als 50 Hundehaufen – allein im Altstadtkern, und nur auf den Gehwegen. Außen vor blieben die Straßen und – mit Verdacht auf sehr hohe Dunkelziffer – Grünanlagen (siehe SVZ vom 8. Dezember). Dabei werden für Ordnungswidrigkeiten wie das Hinterlassen von Hundehaufen Geldbußen bis zu 5000 Euro angedroht. Warum gibt es dennoch dieses Ärgernis? SVZ-Redakteur Eckhard Rosentreter sprach mit Detlef Moll, Leiter des Ordnungsamtes der Barlachstadt.

Herr Moll, wie beurteilen Sie die beschriebene Situation?

Moll: Mit Einführung des KOSD (Kommunaler Ordnungs- und Sicherheitsdienst/Red.) hat sie sich verbessert, ohne gut zu werden. Und dann ist die Situation gleich schlecht geblieben. Ich sehe die Kritik aber weniger bei der Stadt angebracht, sondern bei den Hundebesitzern. Wobei das auch nur eine Minderheit ist, die die Verschmutzungen verschuldet.

Wie wird eigentlich kontrolliert, ob Hundebesitzer und Vierbeiner beim Gassigehen die Umgangsregeln einhalten?

Das ist äußerst schwer. Man muss den Hund direkt bei seinem Geschäft erwischen, so dass man einen Haufen zuordnen kann. Im KOSD haben wir aktuell sechs Mitarbeiter. Mit diesen rund 1500 Hunde, die in Güstrow gemeldet sind, zu kontrollieren, ist unmöglich. Und es wäre auch nicht finanzierbar. So bekommen wir meistens nur die Hinterlassenschaft zu sehen.

Wenn Verstöße festgestellt werden, wie werden die geahndet?

Laut unserem Bußgeldkatalog sind für einen Hundehaufen 20 Euro fällig. Die Hundeverordnung droht aber auch Bußgelder bis zu 5000 Euro an.

Wie viele Verstöße oder Bürgerbeschwerden gab es in diesem Jahr? Wie viele Hundebesitzer wurden zur Verantwortung gezogen?

Das ist das Problem: Wegen Hundekot gar keiner! Und genau zwei Verstöße gab es, weil der Leinenzwang in der Altstadt bzw. in den Grünstreifen ringsum missachtet wurde. Das ist natürlich unbefriedigend. Gut kontrollieren lässt sich lediglich die Einhaltung des Leinenzwangs. Das allein hilft schon, die Verschmutzungen durch Hundekot zu verringern.

Gibt es denn keine Anzeigen von Bürgern?

Nur wenige anonyme Hinweise, vielleicht waren das zwei oder drei in diesem Jahr. Konkrete Anzeigen: keine. Leider sehen die Leute weg, wenn jemand seinen Vierbeiner in die Grünanlagen oder auf den Weg kacken lässt. Das Ergebnis liegt dann vor der Tür des Hausbesitzers.

Wofür wird eigentlich die Hundesteuer verwendet? Häufig hört man das Argument ,dafür kann ich das doch liegen lassen’… Werden davon z.B. die Wege von Hundekot gesäubert?

Das ist ein Trugschluss. Die Hundesteuer ist eine reine Luxussteuer, also für etwas, was nicht zum Lebensaufwand gehört. Solche Steuern gehen in den allgemeinen Haushalt der Stadt ein.

Nun gibt es Klagen von Hundebesitzern, die Tüten in den von der Stadt aufgestellten Spendern wären zu dünn und manchmal zu klein…

Das kann keine Ausrede sein. Deshalb sollen ja Hundebesitzer selber geeignete Tüten mitnehmen, wenn sie mit dem Tier Gassi gehen. Das ist so in der Hundeverordnung unserer Stadt festgelegt. Die sollte jeder Hundebesitzer kennen – und sich danach richten.

Was gehört für Hundebesitzer noch zu regelkonformem Verhalten?

Ganz klar: Hundekot außerhalb des eigenen umzäunten Grundstücks ist sofort zu beseitigen. Auf Kinderspielplätze, Liegewiesen und in Badeanstalten dürfen Hunde gar nicht mitgenommen werden. Ansonsten gibt es täglich von 6 bis 19 Uhr Leinenzwang im gesamten Innenstadtkern, in den angrenzenden Grüngürteln wie Am Mühlenplatz, Gleviner Platz, Rosengarten und in den Wallanlagen sowie am Inselseestrand. Leinenzwang heißt: maximal 2 Meter.

Was wollen Sie tun, um dem Problem besser beizukommen?

Wir kontrollieren schon mit der Polizei zusammen, das funktioniert, wie gesagt beim Leinenzwang, ganz gut. Mit staatlichem Druck ist dem Problem aber nicht beizukommen. Das Problem mit den Haufen ist immer die Zuordnung. Am Ende wäre – laut Straßenreinigungssatzung – der Hausbesitzer, vor dessen Tür der Haufen liegt, der Gefragte. Wollen Sie den bestrafen? Das wäre nur ein Abwälzen der Verantwortung. Ich kann nur an die Hundebesitzer appellieren, dass sie ihr Tier auch außerhalb der eigenen Wohnung sauber halten.

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