Nach Kehlkopfoperation : Sprechen lernen über Speiseröhre

Helga Derer und Reinhard Ebeling schauen sich Fotos vom letzten Intensiv-Stimmseminar in Salem an.
Helga Derer und Reinhard Ebeling schauen sich Fotos vom letzten Intensiv-Stimmseminar in Salem an.

SVZ-Serie „Vereine in der Region“: Landesverband der Kehlkopfoperierten Mecklenburg-Vorpommern zählt etwa 100 Mitglieder

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08. Januar 2018, 12:00 Uhr

Im Dezember 1995 erhielt die Güstrowerin Helga Derer die niederschmetternde Diagnose: Kehlkopfkrebs. „Ich wurde meine Heiserkeit nicht los, sie kam immer wieder“, erinnert sich die heute 63-Jährige. Der Tumor war bereits so weit fortgeschritten, dass nur eine totale Kehlkopfentfernung als letzte, lebensrettende Maßnahme helfen konnte. Im Frühjahr 1996 erfolgte die Operation, die einschneidende Veränderungen im Leben von Helga Derer mit sich bringen sollte. Das waren der Verlust der Stimme, die Atmung über eine künstlich am Hals angelegte Öffnung, die stark eingeschränkte Nasenfunktion und eine neu zu erlernende Art des Schluckens.

„Ich war verzweifelt, wollte mich abschotten und hatte besonders unter dem Stimmverlust zu leiden“, berichtet Helga Derer. Nach Operation und Bestrahlungen begann sie auf der Reha mit ersten Sprechübungen. Eineinhalb Jahre dauerte es, bis sie mit der Hilfe einer Logopädin das Sprechen über die Speiseröhre erlernt hatte. „Vielleicht hätte ich das alles nicht durchgehalten, wenn ich nicht die Hilfe der Familie und des Landesverbandes gehabt hätte“, denkt sie. Denn die Tochter war es, die die Mutter an die Hand nahm und den Kontakt zum Landesverband der Kehlkopfoperierten herstellte. „,Wir hören uns das einfach mal an’, hat sie gesagt. Allein hätte ich diesen Schritt nie unternommen. Ich dachte, dass dort das einzige Thema die Krankheit ist“, erzählt Helga Derer.

Ihr Lebenspartner, Reinhard Ebeling, seit knapp drei Jahren Vorsitzender der als eingetragener Verein arbeitenden landesweit organisierten Selbsthilfegruppe, bestätigt die Vorurteile. „Natürlich geht es uns um eine gezielte Aufklärung der Betroffenen und deren Angehörigen, um die Bewältigung der Operation, um die Sprachanbahnung und um die Wiedereingliederung in den Alltag“, sagt er. Dazu organisiert der Verband unter anderem einwöchige Seminare mit Fachvorträgen, dem Vorstellen neuer Forschungsergebnisse und neuer Hilfsmittel. Auch die jährliche Weiterbildung und Schulung der derzeit zwölf Patientenbetreuer liegt in den Händen des Vereins. „Wir sind aber auch eine fröhliche Gemeinschaft, die viel Spaß hat und die dabei wieder neuen Lebensmut gewinnt“, beteuert der 69-Jährige. Regelmäßig treffen sich die zirka 100 Mitglieder des Landesverbandes, unternehmen Ausflüge oder kommen zu Bowling- oder Grillnachmittagen zusammen.

Gegründet wurde der Landesverband der Kehlkopfoperierten im Oktober 1990. Er gliedert sich in drei in Rostock, Schwerin und Neubrandenburg ansässige Bezirksvereine. Die Gruppe in Güstrow, von Helga Derer geleitet und zum Rostocker Verein gehörend, ist im Aufbau. „Wir treffen uns einmal im Monat in der Neptun-Schwimmhalle zum Schwimmen mit einem Wassertherapie-Gerät“, sagt Helga Derer, die im Verein auch als Patientenbetreuerin tätig ist und ihre eigenen Erfahrungen einbringen kann.

Als sich die Ehrenamtsstiftung des Landes in Güstrow ansiedelte, nahm Reinhard Ebeling sofort Kontakt auf. „Die Stiftung hat schnell und unbürokratisch die Kosten für den Druck eines neuen Flyers übernommen“, lobt er. Aber auch so holt sich der Vorsitzende regelmäßig Rat und Tipps für die Führung des Vereins. „Uns liegt daran, noch mehr Betroffene zu erreichen und Sponsoren für unsere Arbeit zu gewinnen“, benennt Reinhard Ebeling zwei Wünsche.

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