zur Navigation springen

Erster Weltkrieg : Sonnabend, 1. August 1914: Mobilmachungsbefehl

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Der Erste Weltkrieg und Güstrow. SVZ-Serie zur 100. Wiederkehr des Kriegsbeginns von Edwin Kuna / Teil 2: Die Mobilmachung

Heute vor 100 Jahren, am Sonnabend, den 1. August 1914, ließ der Deutsche Kaiser um 17.15 Uhr die allgemeine Mobilmachung des deutschen Heeres und der Flotte anordnen. Im Nachhinein wurde vermutet, dass bis zu diesem Tag der Krieg noch hätte verhindert werden können. Doch ein deutsches Ultimatum an Russland wurde von Zar Nikolaus II. nicht mehr beantwortet. Der hielt die Generalmobilmachung Russlands aufrecht, darauf erklärte Deutschland dem Zarenreich den Krieg.

Auf allen Telegrafenstationen ging gegen 18.30 Uhr der Mobilmachungsbefehl aus Berlin ein, mit dem Text: „Mobilmachung befohlen, erster Mobilmachungstag der 2. August. Dieser Befehl ist sofort ortsüblich bekannt zu machen. Reichs-Postamt.“ An diesem Sonnabend waren die Lange Straße, die Domstraße, der Marktplatz in Güstrow wie schon die Tage zuvor von aufgeregten Passanten gefüllt. Überall standen Männer und Frauen in Gruppen beieinander, heftig diskutierend. Den ganzen Tag warteten alle auf die letzte Entscheidung, wird es Krieg geben oder nicht, wird die Mobilmachung ausgerufen. Menschenansammlungen bildeten sich vor dem Rathaus, dem Postamt und vor der Zeitungsredaktion. Denn die schnellsten Informationen kamen durch Telegrafie, Telefon und Zeitungen. So warteten die Leute begierig auf die aktuellsten Depeschen. Redakteure saßen an den neuesten Drahtmeldungen, um sie in Worte zu fassen. In diesen heißen Tagen mussten die Anschläge für die Öffentlichkeit bis 22 Uhr im Schaufenster des Geschäftshauses der Zeitung bekannt gemacht werden.

Die Nachricht von der Mobilmachung erreichte Güstrow noch vor 19 Uhr. Jetzt gab es kein Halten mehr. Die städtische Kapelle konzertierte auf dem Marktplatz, patriotische Lieder ertönten. Der Erste Staatsanwalt Krüger hielt vom Balkon des Rathauses eine Ansprache. Eine Gruppe von Menschen marschierte zum Kriegerdenkmal auf der Wallanlage. Der Höhepunkt des Wochenendes in der Stadt, die Verbandstagung der mecklenburgischen Gewerbevereine, endete vorzeitig mit dem Abbruch der Hauptversammlung am Sonntag.

Schon bald hieß es für die ersten Güstrower Einberufenen Abschied nehmen von Frau und Kindern, von Eltern und Freunden. Sie hatten sich schnellstens einzufinden bei den Garnisonen in Rostock, Schwerin oder Wismar. Auch der Straßenverkehr war unerträglich dicht, auf den Durchgangsstraßen Richtung Schwerin, Wismar oder Rostock fuhr ein Automobil nach dem anderen. Solch lauten und dichten Verkehr hatten die etwa 18 000 Einwohner der Stadt selten erlebt. Die hastig eilenden und meist stillen Menschen, ob Urlauber, Geschäftsreisende oder Händler, hatten nur ein Ziel: schnellstens nach Hause. Einige Männer mit Gestellungsbefehl in der Tasche wurden von den Angehörigen zu den Garnisonen begleitet.

Das Kaiserreich hatte einige Erleichterungen für freiwillige Kriegsteilnehmer per Gesetz vorbereitet, um schnell in den Krieg zu kommen. Z.B. stand reiferen Gymnasiasten das Notabitur (Abschluss 11. Klasse) zu, damit sie mit 17 Jahren als Freiwillige nach kurzer militärischer Ausbildung an die Front konnten. Ende August erwarben so am Realgymnasium der Wariner Paul Bäcker, Kurt Borchardt aus Pritzwalk, Paul Sonnenkalb und Willi Maul (beide Güstrow) sowie Paul Riekehof aus Qualitz auf diese Weise vorzeitig das Abitur. Von den Primanern der Stadt und den aus Güstrow stammenden Studenten meldeten sich bis Mitte August 50 Freiwillige zur Front. Männer aller Stände und Schichten gingen in die Schlachten.

Nach einer Woche Krieg ließ mit Paul Schröder der erste Güstrower in der 9. Kompanie des 3. Bataillons des Rostocker Füsilier-Regiments Nr. 90 während der Kämpfe in Belgien sein Leben.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen