Bauernmalerei : Sommerfarben auf alten Kannen

Gudrun Gruner aus Groß Schwiesow hat sich der Bauernmalerei verschrieben

svz.de von
24. Juli 2014, 06:00 Uhr

Eine künstlerische Ader hatte Gudrun Gruner (59) aus Groß Schwiesow schon immer, sie malte in Öl oder nahm Acrylfarben, seit vier Jahren aber widmet sie sich der Bauernmalerei. „Der Sommer hat so kräftige Farben. Sie prägen die Bauernmalerei“, drückt Gudrun Gruner ihre Faszination aus. Vor dem Haus in Groß Schwiesow stehen bemalte Milchkannen, im Vorgarten liegen bunte Steine. Auch im Haus hat sie einen kleinen Raum eingerichtet. Wer kommt, darf sich in Ruhe umsehen.

Mit drei Milchkannen und 30 bemalten Holzbrettern habe alles angefangen. Ihre Tochter habe sie ermuntert damit auf den Sommermarkt des Kunsthandwerks in Güstrow zu gehen. Die Kunsthandwerker seien schon ein eigenes Völkchen, sagt Gudrun Gruner. Sie habe erst ihre Erfahrungen sammeln müssen, aber auch manchen Rat bekommen und viele Geschichten insbesondere zu den Milchkannen gehört. Immer wieder werde sie nach dem Wie gefragt und erzählt gern über die Bauernmalerei, verrät aber nicht jeden Trick. Viele Bücher hat sie inzwischen verschlungen. „Die Bauernmalerei war im 18. Jahrhundert im süddeutschen Raum und auch in Österreich sehr verbreitet“, berichtet die 59-Jährige. Bis in den Norden sei diese Tradition kaum vorgedrungen. Die Menschen, so erzählt sie, hätten damals ihr Zuhause verschönern wollen und deshalb Truhen und Schränke, auch Türen mit Blumen und Früchten bemalt. Dabei gebe es feste Regeln. „Ich möchte aber schon eine eigene Handschrift entwickeln“, sagt Gudrun Gruner.

Begonnen hat es für sie schon in der Kindheit mit der Arbeitsgemeinschaft „Junge Künstler“. Später habe sie Malzirkel bei Barbara Ebert und Jürgen Mania in Güstrow besucht. Und als die Kinderkrippe in Groß Schwiesow schloss und Gudrun Gruner ohne Arbeit war, absolvierte sie noch einmal eine Ausbildung zur Grafikdesign-Assistentin. Hinzu kamen viele vom Arbeitsamt geförderte Maßnahmen, die es ihr erlaubten ihre künstlerische Ader auszuleben. „Für manche war die Arbeitslosigkeit eine Katastrophe, für mich eine Chance“, sagt sie heute.

Schwierig sei es inzwischen geworden alte Kannen zu besorgen. Einen kleinen Vorrat habe sie noch. Mitunter geht sie auch Tauschgeschäfte ein: bemalte gegen unbemalte Kanne. Auf Märkten würden insbesondere die kleineren Kannen und bemalte Steine als Mitbringsel nachgefragt werden. Manches stehe aber auch im „Verkaufsraum“, von dem sich Gudrun Gruner nie trennen möchte. Eine auf schwarzem Grund bemalte Kanne – völlig unüblich in der Bauernmalerei – gehört dazu, ebenso eine schwarze Holzkiste, in der allerlei Schätze einen Platz finden könnten.


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