Leser-Aktion ältester Führerschein : So sieht ein echter „Lappen“ aus

Günther Mey zeigt das Dokument seines Vaters.  Fotos: Eckhard Rosentreter (3)
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Günther Mey zeigt das Dokument seines Vaters. Fotos: Eckhard Rosentreter (3)

Nicht mehr in Nutzung, aber wer kennt den noch: Günther Mey zeigt uns einen Führerschein aus dem Jahr 1929.

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31. August 2016, 12:00 Uhr

Einen echten „Lappen“ brachte uns Günther Mey in die Redaktion. Von 1929 stammt das Dokument, das er uns zeigen wollte, wenngleich es natürlich nicht mehr benutzt wird. Doch sein Vater, Ernst-Otto Mey, habe das Dokument stets in Ehren gehalten – und das Original demonstriert anschaulich, warum es unter Kraftfahrern seit Urzeiten als „Lappen“ bezeichnet wird. Wahrlich wie ein kleiner Lappen sieht es aus und fühlt es sich an.

Sechs Tage nachdem sein Vater in Chemnitz die Fahrprüfung bestand, wurde das Dokument ausgestellt, am 22. Juni 1929. Zugleich erinnert dessen Überschrift daran, dass seine Bezeichnung „Führerschein“ mit einem gewissen „Führer“ nun so gar nichts gemein hatte oder hat: 1929 – da (ver)führte noch niemand in Deutschland Menschen, sondern bestenfalls ein Kraftfahrzeug. Ernst-Otto Mey sei Bauer in Tannenberg bei Annaberg gewesen, und er habe mit einem motorisierten Dreirad die Milch in die Stadt gefahren, berichtet sein Sohn. Dafür benötigte er die Ermächtigung zum Führen eines Kraftrades mit Verbrennungsmotor, wie es damals amtsdeutsch hieß. Der graue Lappen weist indes diverse Verlängerungen und Erweiterungen auf, unter anderem durch Stempel der Sowjetischen Militäradministration, also der Besatzungsmacht nach Kriegsende in der Ostzone. Zum Schluss war ein Trabant Kombi seines Vaters Eigen, erinnert sich Günther Mey, der selbst inzwischen im Güstrower Diakonie-Heim in der Schnoienstraße wohnt. „Bis 1985, da war er 83 Jahre alt, ist er mit diesem Lappen gefahren. Dann haben wir Kinder und Enkel ihm nach einiger Diskussion das Ding weggenommen, nachdem er wiederholt einige Verkehrszeichen übersehen hatte“, erzählt unser Leser von dem Tag, an dem das Dokument in seine sichere Verwahrung kam.

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