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Sandsturm A19 in MV : „So etwas vergisst man nie im Leben“

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svz.de von
erstellt am 06.Apr.2012 | 06:01 Uhr

Der Güstrower Steffen Geufke gehört zu denjenigen, die am 8. April vor einem Jahr bei der Massenkarambolage durch einen Sandsturm auf der A 19 dem Tod in die „Augen schauten“, aber ihm entkam. Wenn er am Ostersonntag das Datum auf dem Kalender sehen wird, wird das Inferno jedoch wieder vor seinen Augen auftauchen. „Ja, die Erinnerung an das furchtbarste Erlebnis meines Lebens kommt da hoch. Aber auch schon in den Tagen zuvor haben mich viele darauf angesprochen. Auch, weil ich zu denjenigen gehörte, die in den Medien befragt wurden, in Zeitungen, im Fernsehen“, erzählte der 41-Jährige SVZ. Das Erlebnis war damals für ihn aber auch so einschneidend, dass er nach dem Unfall spontan gesagt hatte, dass der 8. April für ihn künftig immer wie ein zweiter Geburtstag sein wird.

Steffen Geufke erinnert sich an den Moment als ob es gestern war. Er kam an dem Tag wie immer um die Mittagszeit von seiner Arbeit als Berufsschullehrer in Rostock. Steffen Geufke wurde als einer der letzten in den Massenzusammenstoß verwickelt. „Als ob eine Wand herunterfällt und man urplötzlich nichts mehr sieht“, beschreibt er heute noch den Moment. Wie alles aber ganz genau geschah, ob er auffuhr oder auf einen Wagen geschoben wurde, weiß er bis heute nicht. Aber er ist sich 100-prozentig sicher, dass er „riesengroßes Glück“ hatte. Froh ist er, dass er unverletzt blieb und auch noch helfen konnte.

Das Ereignis versuchte Steffen Geufke zu verarbeiten, in dem er viel darüber sprach. „Die erste Autofahrt nach dem Unfall war mit einem Taxi. Eine Woche bin ich gar kein Auto gefahren. Das erste mal bin ich aber ganz bewusst auf der Autobahn und an dieser Stelle vorbei gefahren“ berichtet er. An den Unfall wird er übrigens täglich erinnert, weil er nach wie vor nach Rostock zur Arbeit fährt.

Auch Philipp Eberle kommt einmal in der Woche an der Stelle vorbei, an der der schlimmste Verkehrsunfall in der Geschichte Mecklenburg-Vorpommerns geschah. Der 24-jährige Hohen-Sprenzer, der damals im Natur- und Umweltpark Güstrow arbeitete, weiß noch genau, was alles passierte: „Ich kam mit meinem Kollegen Bernd Meier aus der Nähe von Stralsund. Wir transportierten 1,50 Meter lange Störe für den Aqua-Tunnel. Die schwammen in einem Kübel mit zwei Tonnen Wasser. Unser Auto schob sich unter ein anderes, das dadurch auf dem Dach unseres Autos lag. Neben uns brannte ein Gefahrgut-Lkw.“ Philipp Eberle blieb unverletzt, sein Kollegen, der das Auto fuhr, stand unter Schock. Dann half Eberle, wo er nur konnte. Aber auch die Fische wurden gerettet, mit Hilfe seines ehemaligen Fischereimeisters, Werner Loch aus Hohen Sprenz, der über Schleichwege zur Unfallstelle kam.

Philipp Eberle hat heute noch Alpträume und wacht immer schweißgebadet auf. „So etwas vergisst man nie, wenn das totale Chaos von einer auf die andere Sekunde ausbricht und nichts mehr so ist wie es war“, sagt er.

Bei der Massenkarambolage kamen acht Menschen, darunter zwei aus dem damaligen Landkreis Güstrow, ums Leben. 131 Menschen wurden verletzt.

 

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