zur Navigation springen

Mauerfall : So erreichte die politische Wende Güstrow

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Heidemarie Beyer erinnert sich an Besonderheiten: Organisatoren ließen sich Demo genehmigen / Zug führte von der Straße in die Kirche

Sie kam spät, nicht zu spät, die Demonstration der Güstrower für Veränderungen in dem Land, das vor genau 25 Jahren noch scheinbar alternativlos DDR hieß. Doch auf zwei Besonderheiten verweist heute Heidemarie Beyer (65), die vor 25 Jahren die noch gewagte Veranstaltung mit organisierte. Die damalige Güstrowerin erinnert sich: „Wir waren Anfang Oktober in der Schweriner Paulskirche zu einer Informationsveranstaltung des Neuen Forums. Die Organisatoren waren von der Menschenmenge überwältigt und baten: Wer Räume hat, solle sie anbieten. Ich erinnerte meinen Mann, dass das Haus der Kirche in Güstrow, in dem wir tätig waren, doch schon in der Nazizeit ein Anlaufpunkt für Hilfesuchende gewesen ist…“ So kam es zu dem Termin 27. Oktober – das sei der nächste freie in dem Haus im Grünen Winkel gewesen. Bald aber kamen die Güstrower Organisatoren um Eberhard Beyer zu der Einsicht, dass es dort wohl zu eng werden würde, und der Dom kam ins Spiel.

„Um der Staatsmacht keinen Vorwand zum Eingreifen zu geben, haben wir dann bei der Polizei offiziell eine Demonstration angemeldet“, berichtet Heidemarie Beyer. Eine genehmigte Demonstration gegen die SED-Diktatur in Güstrow! „So fuhr ein Polizeimotorrad vor dem Menschenzug vorneweg, und der Mann konnte sich erstmals als ,Volkspolizist’ fühlen“, meint Heidemarie Beyer rückblickend.

Dies war die zweite Güstrower Besonderheit: Kreuz und quer durch die Stadt gingen die Massen, und erst zum Abschluss suchten sie das Gotteshaus auf. In den meisten Städten der Republik war es umgekehrt, führte der Zug aus den Kirchen heraus auf die Straßen.

Heidemarie Beyer: „Am Abend davor – mein Mann war mit Jochen Gauck befreundet – fuhren wir zur Demo in Rostock, um zu sehen, wie das dort abläuft. Als mein Mann sah, dass die dort sogar eine Beschallung hatten, rief er: ,Jungs, euch schickt der Himmel!’“ Denn ein technisches Mittel, um die Predigt und die Wortbeiträge auf den Domplatz zu bringen, habe es in Güstrow nicht gegeben. Spontan wurde die Anlage für den 27. Oktober gechartert, und so haben die vielen Menschen auch auf dem Platz am Dom alles hören können.


zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen