Borwinbrunnen Güstrow zerstört : Silvester unter Polizeihaube?

Stadtgründer „Borwin“ braucht nach der Böllerattacke Stützen.
Stadtgründer „Borwin“ braucht nach der Böllerattacke Stützen.

Nach Beschädigung des Borwinbrunnens in Güstrow: Leserkritik an Vorstoß von Karen Larisch für ein Bürgerbegehren

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09. Januar 2018, 21:00 Uhr

Der durch Silvesterböller schwer beschädigte Borwinbrunnen beschäftigt Güstrower und Besucher der Barlachstadt gleichermaßen. Immer wieder bleiben Passanten fassungslos vor dem Bauzaun stehen, der das Denkmal sichert, und betrachten den Schaden aus der Silvesternacht. Inzwischen hat die Stadt ein Stützgerüst am Brunnen errichten lassen, um die verbliebene Hälfte der Wasserschale zu halten und zugleich die Standsicherheit des Gesamtdenkmals zu gewährleisten.

Die Stadt hat unterdessen auch eine Spendenaktion ins Leben gerufen. Ziel ist eine möglichst rasche Wiederherstellung des Monumentes. Denn längst gibt es Befürchtungen, ob der der Tat Beschuldigte, auch wenn er gestanden hat, überhaupt in der Lage sein werde, den Schaden zu begleichen.

Und Leser schreiben an die SVZ. Dabei wird nicht an Kritik gespart, wie etwa Karen Larisch das Problem angehen will. Die Linken-Landtagsabgeordnete, die selbst in der Innenstadt wohnt und öfter Ziel von offensichtlich politisch motivierten Übergriffen geworden ist, hat ein Bürgerbegehren initiiert. Ein Kernpunkt eines von ihr angedachten Sicherheitskonzeptes ist u.a. die Einrichtung von geschützten Zonen, in denen das Abbrennen von Pyrotechnik verboten wird (SVZ berichtete).

Erich Spaller schreibt dazu: „Die Forderung nach einem Bürgerbegehren zu einem sogenannten Sicherheitskonzept ist weiter nichts als Angst- und Panikmache und bringt unsere Stadt nur um ihren guten Ruf. Allein der Satz „…In den letzten Jahren wurden immer in der Silvesternacht Geschäfte, Begegnungsstätten und Privateigentum zerstört…“, ist reiner Populismus… Wenn Frau Larisch vor Kurzem noch vor unserem Gerichtsgebäude als Verteidigerin einer angeklagten Band demonstriert hat und nun mit dieser Unterschriftensammlung weiter für Unruhe sorgen will, kann das doch nicht im Auftrag ihrer Wähler sein…“

Gemeinnützige Arbeit um Schaden abzuarbeiten

Aus Sicht des Güstrowers sei es ist doch „sehr weit hergeholt, wenn künftig in unserer kleinen Stadt unter Polizeiaufsicht“ an vorgegebenen Plätzen das neue Jahr begrüßt werden soll. Erich Spaller schreibt weiter: „Wir brauchen keine Kölner oder Berliner Verhältnisse. Es wird heraufbeschworen, dass die Bürger unserer Stadt in Angst und Schrecken leben, dass sie Angst haben eine Anzeige zu erstatten, weil sie sonst sofort dafür bestraft werden usw. Stattdessen sollte Frau Larisch fordern, dass solche kriminellen Elemente, die bewusst Kulturgüter unserer Stadt zerstören und Menschenleben gefährden, durch die Justiz streng bestraft werden. Es ist wichtig dafür Sorge zu tragen, dass solche Leute, die sogar Hurra schreien, wenn die Trümmer fallen, erst gar nicht zum Zuge kommen.“ Vielmehr seien die Stadt und entsprechende Organe angehalten, eine nachdrückliche Auswertung der Vorkommnisse vorzunehmen und entsprechende Schlussfolgerungen zu ziehen. Unser Leser fordert weiter: „Wir wollen weiter ruhig und besonnen ins neue Jahr feiern können.“

Auch Hans-Georg Kleinschmidt distanziert sich von Karen Larischs Vorschlägen. „Solche öffentlichen Diskussionen tragen nur zur Profilierung Einzelner bei und schaden dem Ansehen unserer Stadt“, schreibt der Vorsitzende des Kulturausschusses der Stadtvertretung. Dies hätten die Bereitschaft unzähliger Bürger, Behörden, Unternehmen und Vereine nicht verdient, so Kleinschmidt. Und weiter: „Nun sollen nach so einem Vergehen eines dummen, verantwortungslosen Einzelkämpfers die Möglichkeiten zum Feiern der Güstrower Bürger und Gäste in der Silvesternacht in Zonen eingeteilt werden? Nein! Die Güstrower haben es verdient, die Silvesternacht uneingeschränkt, fröhlich feiernd mit der Familie und Freunden, egal an welchem Ort in unserer Stadt zu begehen.“

Kleinschmidt gibt auch zu bedenken: „Verbote ziehen Leute an, die Spaß daran finden, solche Vorgaben auszuhebeln. Muss sich der Güstrower den wenigen Störern unterordnen?“ Die Innenstadt sollte vielmehr erlebbarer gestaltet werden. Eine schmucklose Zeile von Schaufenstern, fehlende Festtagsdekoration, unangemessener Leerstand von Wohnungen und Gewerbe sowie fehlendes anspruchsvolles Stadtmobiliar – solche Umstände gelte es zu ändern. Und: „Dem Schadensverursacher sollte mit aller Konsequenz die Rechnung durch die dafür zuständigen Einrichtungen und Behörden aufgemacht werden.“ Das Argument, da ist ja sowieso nichts zu holen, zählt für Hans-Georg Kleinschmidt nicht. „Es wäre auch über eine Form von gemeinnütziger Arbeit in unserer Stadt nachzudenken. Auf Grund des Alters des Täters verbleibt diesem noch viel Zeit, jeden einzelnen Euro abzuarbeiten.“

Widerspruch auch zur Spendenaktion

Zur angeregten Spendenaktion für den schnellen Wiederaufbau des Brunnens hat Burkhard Wulf eine ganz andere Meinung. Unser Leser schreibt: „Mir platzt fast der Kragen… Wir spenden gerne für unser Güstrow, zum Beispiel für Kirchenglocken, obwohl wir keine gläubigen Christen sind. Aber für diesen geständigen Verbrecher keinen Cent! Der Staat sollte ihm Gelegenheit geben, diesen Schaden abzuarbeiten!“

Die Beschädigungen am Brunnen aus der Silvesternacht sind erheblich. Es wurde fast die Hälfte der oberen Wasserschale zerstört. Nach ersten Schätzungen werden Reparaturkosten in Höhe von ca. 100 000 erwartet. Als Verdächtiger für die Tat wurde ein 30 Jahre alter Güstrower ermittelt.

Hilfsaktion

Für die Überweisung von Spenden hat die Stadt Güstrow ein Konto eingerichtet:
Kreditinstitut: Ostseesparkasse Rostock
IBAN: DE 16130500000605777772
BIC: NOLADE21ROS
Verwendungszweck angeben: Spende Borwinbrunnen
Auf Wunsch werden Spendenquittungen ausgestellt, informiert die Stadtverwaltung Güstrow.
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