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Besuch bei den Kleinen : Sieben Häuser und 21 Einwohner: Neu Krassow

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

SVZ-Serie „Min lütt Dörp“ suchte Sonnabend das Dörfchen zwischen Lalendorf und Teterow auf / Willibert Thyben lebt seit 1935 in Neu Krassow, Elfriede Klein seit 1938

Sieben Häuser und 21 Einwohner. Das ist Neu Krassow in der Gemeinde Lalendorf. Das klingt nach Abgeschiedenheit. Stimmt aber nicht ganz, denn durch das Dörfchen führt die teilweise neue Kreisstraße Lalendorf-Teterow mit Schülerbussstopp sowie mobilem Bäcker- und Lebensmittelauto. Und der Frisör kommt auch, wenn man ihn bestellt. Trotzdem ist aber Ruhe garantiert. „Deshalb sind wir im September 2012 hierher gezogen, den Stress haben wir im Beruf“, sagt Torsten Kleuen (33). Er und seine Frau Birgit (28) gründen gerade eine größere Firma, die SLD GmbH. Die Abkürzung steht für Service, Logistik, Dienstleistungen. Deutschlandweit ist sie unterwegs, um z.B. in Großlagern von Einkaufsmärkten Material zu entsorgen oder zu sortieren. Köln, Hamburg und Hannover waren Stationen der Kleuens.


Familie Kleuen gehört zur jungen Generation


Aber jetzt wollen sie in Neu Krassow bleiben. Torsten Kleuen: „Das ist jetzt unser Leben. Außerdem kommen wir vom Dorf, ich aus Plaaz und meine Frau aus Neu Quitzenow bei Gnoien. Wir sind nach und nach dabei, das Haus umzubauen. Dabei sind wir heimisch geworden, denn in Neu Krassow kennt man nach einem Jahr jeden. Außerdem gibt es hier noch Zusammenhalt.“

Das ist wohl so, denn Robert Dobbertin bestätigt es wenige Minuten später bei unserem Besuch am Sonnabend. Wir treffen den 29-Jährigen beim Füttern von zwei Pferden – Haflinger-Stute Fanny, 20 Jahre alt, und Warmblut Tochter Lady, 15. Beide stehen auf der Koppel der Kleuens. Robert Dobbertin erzählt: „Wir pflegen die Koppel und dürfen dafür unsere Pferde weiden lassen. Das ist so besprochen und funktioniert in guter Nachbarschaft. Außerdem helfe ich den Kleuens beim Umbau ihres Hauses.“ Robert Dobbertin lebt seit 2005 in Neu Krassow. Gebürtig in Langhagen, lernte er in Hamburg, ist noch bis Oktober bei der Bundeswehr und lässt sich jetzt über ein Förderprogramm zum Vermessungstechniker ausbilden. Den Ausgleich zum „lütt Dörp“ findet der junge Mann als Bus-Reisebegleiter von jungen Leuten zu riesigen Techno-Partys, vor allem in Holland.


Robert Dobbertin wohnt mit im Haus der Oma


Oder er fährt nach Hamburg, wo er Freunde hat, oder Berlin. Aber er kehrt immer wieder gern in die dörfliche Idylle zurück, denn in Neu Krassow will er sich sein Zuhause schaffen. „Ich wohne ja bei meiner Oma und ich werde ihr Erbe weiter führen. Das ist besprochen“, erzählt er am Küchentisch. An dem sitzt gerade Oma Elfriede Klein. Sie nickt und putzt den Rosenkohl für das Mittagessen weiter. Die 84-Jährige kam mit ihren Eltern 1938 aus Bad Segeberg nach Neu Krassow. „Dort hatten wir nur alles gepachtet und gemietet. Mein Vater wollte aber unbedingt nach Mecklenburg-Vorpommern und etwas Eigenes haben“, erinnert sie sich. Für sie hieß das, in der elterlichen Wirtschaft mit anzupacken und sie später allein weiter zu führen. „Das war ein hartes Stück Arbeit von früh bis spät. Aber so war das damals“, erzählt sie. Bitter war für sie der Eintritt in die LPG. Nach der Wende nutzte sie die Gelegenheit das Haus aus dem 19. Jahrhundert zu modernisieren. Mit Enkel Robert hat sie die beste Hilfe dabei, eine Etage über ihrer Wohnung.


Aus dem Westen in Neu Krassow gesiedelt


Elfriede Klein gehört mit ihren 84 Jahren zu den ältesten Neu-Krassowern. Aber Willibert Thyben ist noch ein Jahr älter. Er wohnt seit 1986 mit Ilse Hahn (79) in der Nummer 5. Auch die Thybens kamen – wie sehr viele damals in dieser Gegend – in der Siedlungszeit der 1930er-Jahre, als viele Gutsbesitzer ihr Geld verprasst und verspekuliert hatten, nach Mecklenburg-Vorpommern. „Ich bin in Osnabrück geboren. Wir hatten gepachtetes Land. Das wurde uns von einem Margarinefabrikanten vor der Nase weggekauft. Deshalb zogen meine Eltern 1935 nach Neu Krassow.“

Wie die Kleins hatten auch die Thybens 15 Hektar und lebten als Einzelbauern bis zur Zwangskollektivierung glücklich und zufrieden. „Wir sind erst 1966 in die LPG als es gar nicht mehr anders ging. Ich bin Traktor gefahren und habe an der Tankstelle gearbeitet. 1990 bin ich den Vorruhestand gegangen“, erzählt der rüstige Rentner. Die Wirtschaft der Eltern musste Willibert Thyben schon in den frühen 50er-Jahren übernehmen, weil sein Vater starb. Aber das ist lange her. Jetzt genießen die beiden verwitweten Senioren den Ruhestand. Ilse Hahn: „Wir haben unsere Beschäftigung. Haus und Hof wollen in Ordnung gehalten werden. Wir haben zwölf Hühner und einen Hahn.“ Wenn es das Wetter zulässt, sieht man beide oft mit dem Fahrrad fahren. Wenn jetzt Schnee kommen sollte, gehen sie zu Fuß – zum Krassower Wald oder Richtung Schmooksberg. Beide vermissen in dem Örtchen nichts. „Weil wir überall hinkommen, denn wir fahren beide noch Auto“, erzählt Ilse Hahn. Viermal im Monat gehen sie zum Rentnertreff, abwechselnd in Niegleve, Roggow oder Wattmannshagen. „Wir kennen uns ja alle, sind meist sogar zur Schule gegangen, sagt Ilse Hahn.


Die alte Schule bauen sich die Kleuens aus


Apropos Schule: Das Haus neben Willibert Thyben und Ilse Hahn war die Schule. „Da bin ich 1935 ein Jahr zur Schule gegangen“, so Willibert Thyben. In dem Haus wohnen jetzt die Kleuens. Der Kreis der kleinen Dorfgemeinschft in Neu Krassow schließt sich bei unserem Besuch. Torsten Kleuen hat sogar noch die Bauzeichnung von 1947 als das einst zusammengehörende Haus getrennt wurde. Für die Kleuens gut, denn sie wollen sich da jetzt ja ihr neues Heim herrichten.

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erstellt am 13.Jan.2014 | 06:00 Uhr

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