„Arche Katelbogen“ : Sie geben den Süchtigen Halt

Auf dem 15 000 Quadratmeter großen Grundstück gibt es für Glenn Kobarg (r.) und Probewohner Gerd viel zu tun.   Fotos: Katja Müller
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Auf dem 15 000 Quadratmeter großen Grundstück gibt es für Glenn Kobarg (r.) und Probewohner Gerd viel zu tun. Fotos: Katja Müller

In der „Arche Katelbogen “ haben die Australier Debi und Glenn Kobarg einen Platz für Drogenjunkies und Alkoholabhängige geschaffen

svz.de von
08. Juli 2014, 06:00 Uhr

Vor 21 Jahren haben Debi und Glenn Kobarg ihrer Heimat Australien den Rücken gekehrt, und seit Anfang des Jahres haben die beiden auch eine großes Stück ihres Privatlebens aufgegeben. Sie haben ihren Wohnort Schwerin gegen ein Leben auf dem Land – in Katelbogen – eingetauscht. Alles klingt nach ländlicher Idylle. Doch ganz im Gegenteil: Debi und Glenn Kobarg haben ihre neuen vier Wände zu einem offenen Haus für Suchende gemacht. Suchende, die Unterstützung brauchen. Eine Arche. „Wir bieten hier vier Plätze für Seekers, auf deutsch Suchende. Und damit sind Menschen gemeint, die ein Alkohol- oder Drogenproblem haben. Suchtkranke, die den Weg ins Leben zurückgehen möchten“, erklärt Glenn Kobarg das Arche-Projekt.

Beide sind Mitglieder des Vereins Arche Katelbogen. „Schon in Australien haben wir in so einer Einrichtung gearbeitet. Dann später auch in der Arche in der Christengemeinde Arche Schwerin. Ich bin eigentlich Pastor und Tischler. Debi ist Krankenschwester. Doch nun haben wir eine neue Aufgabe“, sagt er und schmunzelt. Für die beiden sei es kein Problem, mit fremden Menschen unter einem Dach zu leben, keinen Fernseher zu besitzen und quasi einen 24 Stunden Job zu erfüllen. „Wir haben uns gesagt, nun sind unsere fünf Kinder groß und es ist Zeit, ein großes Haus zu kaufen“, erklärt Debi Kobarg. „Schon Luther sagte: Hier stehe ich, ich kann nicht anders. Man muss schon ein starker Mensch sein, um diesen nach Halt suchenden Menschen zu helfen. Denn neben viel Verständnis gehört auch Strenge dazu“, sagt Glenn Kobarg. Die Quote spricht für sich. „Es sind stets um die 76 Prozent, die den Ausstieg aus der Sucht mit dieser Methode schaffen“, sagt Kobarg.

Und so gibt es neben einer straffen Hausordnung auch ein striktes Alkohol- und Rauchverbot im Haus und auch auf dem gesamten Grundstück. „Wir müssen keinen Alkohol trinken und wenn wir private Gäste haben, dann müssen auch die auf Zigaretten, Bier und ähnliches verzichten“, sagt Glenn während er die einzelnen Zimmer des Hauses durchschreitet. Hohe Räume, wenige Wände und an der einen oder anderen Ecke auch noch ein bisschen Baustelle. Doch es wird, ist er fest überzeugt. Schließlich haben die beiden erst ein halbes Jahr Zeit und Kraft in alles investiert. Doch derzeit gibt es sogar Hilfe. Gerd aus Schwerin ist zur Zeit Probebewohner in der „Arche“ in Katelbogen. „Ich habe schon eine steile Säuferkarriere hinter mir. Mehrmals habe ich versucht, davon loszukommen. Immer wieder bin ich gescheitert. Ich habe die beiden in Schwerin kennengelernt. Nun schauen wir mal“, sagt Gerd und widmet sich wieder den Dachblechen.

„Der Glaube hilft uns bei dieser Aufgabe, doch er muss auch zum Anfassen bleiben. Die Suchenden sollen wieder eigenständig werden. Sie kommen auch erst nach dem Entzug in die Arche“, erklärt der Hausherr. Und wer nach einem Jahr geht, der hat es in der Regel auch geschafft, sagt er. Doch ohne Glauben sei das alles nicht möglich. „Bittet, und euch wird gegeben“, sagt Debi Kobarg. Und derzeit bittet sie um Spenden: Wäsche, Möbel – Dinge des täglichen Bedarfs.


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