Borwinbrunnen Güstrow : Sicherheitskonzept gefordert

Der Borwinbrunnen unmittelbar nach der verheerenden Silvesternacht. Teil der Wasserschale des historischen Brunnens wurden mit Pyrotechnik weggesprengt.
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Der Borwinbrunnen unmittelbar nach der verheerenden Silvesternacht. Teil der Wasserschale des historischen Brunnens wurden mit Pyrotechnik weggesprengt.

Nach Sprengattacke auf Borwinbrunnen: Linken-Landtagsabgeordnete und Güstrower Stadtvertreterin startet Bürgerbegehren.

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03. Januar 2018, 20:45 Uhr

Nach der teilweisen Zerstörung des Güstrower Borwinbrunnens durch Pyrotechnik in der Silvesternacht (SVZ berichtete) erhebt die Linken-Landtagsabgeordnete und Güstrower Stadtvertreterin Karen Larisch schwere Vorwürfe gegen die Stadt. „In den letzten Jahren wurden immer in der Silvesternacht Geschäfte, Begegnungsstätten und Privateigentum zerstört. Trotz vieler Beschwerden und Hilferufe passierte nichts“, sagt die Güstrowerin. Sie fordert ein umfassendes Sicherheitskonzept für die Güstrower Innenstadt zum Jahreswechsel. Dazu hat sie jetzt ein Bürgerbegehren gestartet. Unterdessen sieht die Güstrower Polizei auf SVZ-Nachfrage den Borwinbrunnen nicht als einen Schwerpunkt von Ausschreitungen in den Silvesternächten.

4000 Unterschriften werden benötigt
 

1000 Unterschriften hatte Karen Larisch bis Mittwochabend bereits zusammen. „Um als Anwohner und Bürger einen Antrag an die Stadt stellen zu können, benötigen wir 4000 Unterschriften“, sagt sie. Die Güstrowerin will noch die Händler vom Pferdemarkt mit ins Boot holen und die Unterschriftenlisten ab nächster Woche auch in den Geschäften auslegen. „Ich kenne sehr viele, die einfach nur noch die Schnauze voll haben. Wir wollen einfach ein schönes, familiäres Silvester in der Innenstadt feiern. Mit allen gemeinsam, die darauf Lust haben“, sagt sie.

Bereits im Jahr 2003 hatte der Borwinbrunnen durch einen Brand in der Silvesternacht erhebliche Schäden davongetragen. „Damals hatten wir im Präventionsrat der Stadt die Jugendlichen mit ins Boot geholt. Der Brunnen wurde kontrolliert und bestreift. Dann hörte es wieder auf“, hat Karin Larisch, die am Pferdemarkt in Nähe des Brunnens wohnt und selbst betroffen ist, festgestellt. Auch in der vergangenen Silvesternacht alarmierte sie die Polizei, als die Feierlichkeiten drohten auszuarten, wie sie sagt. „Seit fünf Jahren wird es zum Jahreswechsel immer schlimmer rund um den Brunnen. Jedes Jahr treffen sich hier Jugendliche. Dazu wird öffentlich in den sozialen Netzwerken aufgerufen“, sagt sie. „Die Leute beschießen sich gegenseitig mit Feuerwerkskörpern, Eingangstüren von Geschäften werden gesprengt und Briefkästen. Die Anwohner, die Geschäftsinhaber, die Geschädigten trauen sich nicht, noch irgendetwas zu sagen oder zu unternehmen. Jahrelang wurde abgewunken, beschönigt, belächelt und zugesehen. Wer eine Anzeige macht, muss damit rechnen sofort selbst mit Feuerwerk attackiert zu werden“, berichtet Karen Larisch von ihren Erfahrungen. Sie will deshalb auch, dass sich der Präventionsrat von Stadt, Polizei und Stadtvertretern künftig öfter als nur zweimal im Jahr trifft.

In dem von ihr angestrebten Bürgerbegehren fordert sie deshalb, dass zukünftig nur noch an ausgewiesenen, kontrollierten Plätzen in der Güstrower Innenstadt privates Feuerwerk gezündet werden darf. Auch solle im Vorfeld kontrolliert werden, wie viel Feuerwerk und Alkohol an Minderjährige verkauft wird. „Zudem müssen wir jungen Leute wieder ausreichend Freiräume und Plätze zur Verfügung stellen, wo sie eine Party feiern können“, fordert Karen Larisch.

Die Güstrower Polizei habe dagegen in den vergangenen Silvesternächten nur geringfügige Sachbeschädigungen bei den Feierlichkeiten rund um den Borwinbrunnen feststellen können, informiert Polizeihauptkommissarin Kristin Hartfil. „Da Frau Larisch in unmittelbarer Nähe des Borwinbrunnens wohnt, hat sie vielleicht noch eine andere Wahrnehmung“, sagt sie. „Wir können nicht bestätigen, dass sich Jugendliche in sozialen Netzwerken an Silvester verabreden, um dort Straftaten zu begehen“, so die Polizeisprecherin. Zum Jahreswechsel 2015/16 sei eine Rakete in die Post geschossen wurden, wodurch es zu einem kleineren Brand gekommen sei. Zum Jahreswechsel 2016/17 sei es lediglich zur Beschädigung von zwei Briefkästen durch Feuerwerkskörper gekommen. „Hier war Frau Larisch selbst betroffen“, führt Kristin Hartfil aus und unterstreicht, dass die Polizei in der Silvesternacht die gesamte Güstrower Innenstadt bestreife.


Silvester künftig unter „Polizeihaube“?

Auch Bürgermeister Arne Schuldt sieht den Borwinbrunnen nicht als Schwerpunkt von Ausschreitungen in den Silvesternächten. „Die einzelnen Punkte des jetzt angestrebten Bürgerbegehrens sollten wir uns trotzdem angucken und sie diskutieren“, sagt er. „Das wird auch auf der nächsten Sitzung des Präventionsrates ein Thema sein“, ist er überzeugt. Allerdings: „Eine Silvesterfeier unter einer Polizeihaube macht auch keinen Spaß.“

Als Verdächtiger für die Tat in der vergangenen Silvesternacht wurde ein 30 Jahre alter Güstrower ermittelt, der laut Polizei schon ein Geständnis abgelegt haben soll. Durchsuchungen in der Wohnung des bereits polizeibekannten Mannes und in einer von ihm genutzten Garage hätten mehrere Beweismittel erbracht. Hinzu seien mehrere Hinweise von Zeugen gekommen. Der 30-Jährige soll die Wasserschale des historischen Brunnen am Neujahrsmorgen gegen 1 Uhr mit Pyrotechnik in Teilen abgesprengt haben. Der Schaden wird von der Stadt auf mehr als 100 000 Euro geschätzt.

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