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Frauenschutzhaus Güstrow : Sicherer Ort für misshandelte Frauen

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

42 Frauen und 36 Kinder suchten 2013 Zuflucht im Frauenschutzhaus Güstrow / MC Güstrow übergab gestern Spende

Eine Spende von 800 Euro überreichte der MC Güstrow gestern an Karin Wien, Leiterin des Frauenschutzhauses Güstrow. „Das Geld stammt aus einer Versteigerung der EM-Westen, die wir mit Hilfe der Ospa für den Finallauf zur Europameisterschaft der U 21 in Güstrow angeschafft hatten“, erklärte Thomas Koch, der 2. Vorsitzende des Güstrower Speedwayklubs. Ideen zur Verwendung des Geldes fielen Karin Wien nicht schwer. „Wir möchten in den Februarferien mit den Kindern und Frauen ins ‚Kinderland’ fahren. Das hat schon Tradition, geht aber nur, wenn wir genügend Mittel zur Verfügung haben“, sagte sie.


Zwischen September und Dezember voll belegt


Vergangenes Jahr suchten 42 Frauen und 36 Kinder Zuflucht im Frauenschutzhaus. „Zwischen September und Dezember waren wir sogar voll belegt, hatten nicht einen Platz übrig“, erinnert sich die Leiterin. Angenehm sei gewesen, dass die Frauen gut miteinander ausgekommen seien, so dass es eine harmonische Vorweihnachtszeit gegeben habe. Im Durchschnitt seien die Frauen im vergangenen Jahr 34 Tage im Frauenschutzhaus geblieben. „Aber da reicht das Spektrum von einer Woche Aufenthalt bis zu mehreren Monaten“, weiß Karin Wien, die das Haus seit seiner Eröffnung 1992 leitet. Ihr zur Seite stehen zwei Mitarbeiterinnen, was heißt, dass jede Kollegin aller drei Wochen mit sieben Tagen Bereitschaftsdienst an der Reihe ist.

Wenn die Sozialarbeiterin auf die vergangenen 22 Jahre zurückblickt, stellt sie fest, dass das Spektrum der Hilfsmöglichkeiten wesentlich erweitert und bedarfsgerechter entwickelt wurde. Eine Zäsur in diesem Prozess stellte das Jahr 2001 dar, als das Sicherheits- und Ordnungsgesetz für Mecklenburg-Vorpommern geändert und häusliche Gewalt als Straftatbestand aufgenommen wurde. Parallel dazu entstanden im Land fünf Interventionsstellen bei häuslicher Gewalt und Stalking. Dort werden auf der Grundlage von Polizeiberichten alle Fälle von häuslicher Gewalt dokumentiert. „Außerdem setzen sich die Mitarbeiterinnen mit den Opfern in Verbindung, bieten Beratung und Hilfe an. Sind Kinder betroffen, sitzt das Jugendamt mit am Tisch“, erläutert Karin Wien.

Der Kontakt von von häuslicher Gewalt betroffenen Frauen mit dem Frauenschutzhaus Güstrow kommt auf unterschiedliche Weise zustande. „Manche stehen vor der Tür, andere rufen uns an, oft informieren uns Nachbarn, Ärzte oder Mitarbeiter aus dem Jobcenter, so dass wir uns mit den Betroffenen in Verbindung setzen. Zunehmend ist auch, dass uns die Polizei informiert oder die Frauen direkt zu uns bringen“, schildert die Leiterin. Im Haus bekommen die Frauen eine kleine Wohnung zugewiesen. In Gesprächen wird begonnen, das Erlebte zu verarbeiten. Ansonsten aber sind die ersten Tage mit Behördengängen angefüllt, geht es zum Einwohnermeldeamt und zum Jobcenter. Geklärt werden müssen Hartz-IV-Ansprüche, Unterhaltsvorschuss, eventuell Wohngeld. Sind schulpflichtige Kinder betroffen, geht es um den weiteren Schulbesuch. „Erst allmählich realisieren die Frauen ihre neue Lebenssituation und beginnen, eigene Ziele und Vorstellungen zu entwickeln“, sagt Karin Wien. Beratung und Kontakt bieten sie und ihre Mitarbeiterinnen auch noch an, wenn die Frauen das Güstrower Schutzhaus verlassen haben.

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