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Abschied von Pastor Ortmann : „Sich Räume schaffen und diese gestalten“

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Pastor Matthias Ortmann kam vor 18 Jahren nach Güstrow und geht nun in den Ruhestand.

von
erstellt am 22.Jul.2016 | 21:00 Uhr

Auf Grußworte möchte Matthias Ortmann (63) bei seinem Abschiedsgottesdienst morgen ab 14 Uhr in der Güstrower Pfarrkirche verzichten. „Ich habe allen gesagt: schreibt mir Briefe, die nehme ich dann mit nach Norwegen“, erzählt der Pastor der Pfarrgemeinde, der vor 18 Jahren nach Güstrow gekommen war. „Güstrow war eine wesentliche Zeit unseres Lebens“, sagt Ortmann. Hier wollen er und seine Frau bleiben. Hier fühle er sich geerdet.

Matthias Ortmann war Elektriker, arbeitete als Betriebshandwerker auf einer LPG, als er entschied Pastor werden zu wollen. Ohne Abitur in der Tasche legte er eine Sonderreifeprüfung ab und konnte in Rostock Theologie studieren. Sein Ziel dabei sei immer die Arbeit an der Basis gewesen. Die teilt sich in drei Abschnitte. Geschickt wurde er nach dem Studium1983 ins DDR-Musterdorf Mestlin. Ausgesucht habe er sich dann die Stelle als Krankenhauspastor im Stift Bethlehem in Ludwigslust. In Güstrow hätten sich die Dinge gefügt. Er wollten wieder in einer Kirchengemeinde arbeiten. Die Pfarrgemeinde bot eine halbe Stelle als Pastor, das Krankenhaus eine halbe Stelle als Seelsorger. „Das passte“, sagt Ortmann. Drei Tage Kirchengemeinde, drei Tage Krankenhausseelsorger und ein Tag frei – so habe er es sich gedacht. Funktioniert habe es aber nicht, weil er für die Kirchengemeinde mehr Zeit brauchte.


Zwei Wunder: zwei Kirchen saniert


Wenn der 63-Jährige heute zurückblickt, sieht er es als eine Art „Ernte“. Als erstes war das Pfarrhaus am Markt umgestaltet worden. Bald schon ging es um die Sanierung der Pfarrkirche. Dabei waren Ortmann die Menschen immer wichtiger als die Dinge. Aber was notwendig war, musste getan werden. Als die Stadt nach vielen Gesprächen ihre Unterstützung zusagte, habe er einen „Stein in die Hand bekommen“. Und viele Menschen hätten sich eingebracht. „Ich war das nie allein“, betont Ortmann, der die Sanierung der Pfarrkirche als erstes Wunder (die Stadt trug 90 Prozent der Kosten) sieht. Das zweite sei die Sanierung der Heilig-Geist-Kirche, die das Norddeutsche Krippenmuseum beherbergt. Immerhin sei Bürgermeister Arne Schuldt Vorsitzender der Ringguth-Stiftung und seine Sekretärin gleichzeitig Stiftungssekretärin. „Es lässt mich staunen, was alles geworden und gewesen ist“, formuliert der 63-Jährige. Und immer habe er in der Pfarrkirchengemeinde Menschen um sich gehabt, die mittaten, auch bei der Übernahme des Friedhofes. Den Kirchenkreis Güstrow als Träger gab es nach der Bildung der Nordkirche nicht mehr, also sprang die Pfarrgemeinde ein. „Der Haushalt des Friedhofes ist dreimal so groß wie der der Gemeinde“, macht Ortman die Dimension der Entscheidung deutlich. Aber der so gewonnene Einfluss auf die Begräbniskultur sei es ihm wert gewesen.

„Sich Räume schaffen und diese gestalten“, war Ortmann immer wichtig. Jetzt schafft er Räume für sich und die Familie. Die Fähre ist für den 24. August gebucht, die Hütte auf einem Bauernhof auf halbem Weg zwischen Oslo und Trondheim gemietet. „Meine Frau und ich haben immer 100 Prozent gearbeitet. Jetzt wollen wir sehen, was noch im Leben ist außer Arbeit“, erklärt Ortman. Schon immer habe es ihn mit der Familie nach Norden gezogen – wandern, Vögel beobachten, campen. Und: Norwegisch will er lernen.


Auch künftig in Güstrow einmischen


Auch für die Zeit danach – zurück in Güstrow – gibt es Ideen und Pläne. Man werde sich einbringen, einmischen, verspricht Ortmann und nimmt dabei die Pfarrkirchengemeinde aus. Allerdings werde er auch hier helfen, wenn er gefragt wird. Denn auch nach seiner Entpflichtung am Sonntag, wird er seinen Talar behalten, weiterhin Gottesdienste und Taufen feiern können, erzählt Matthias Ortmann, der sich am Sonntag auf die ganze Familie (sechs Kinder und zehn Enkelkinder), Pastoren aus der Nachbarschaft (deshalb 14 Uhr), Freunde und Wegbegleiter freut.

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