Flüchtlinge in MV : Sich auf Augenhöhe begegnen

Wenn Schulleiterin Irmtraud Herrmann aus dem Fenster blickt und die spielenden Kinder mit unterschiedlichen Nationalitäten sieht, macht sie das stolz.
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Wenn Schulleiterin Irmtraud Herrmann aus dem Fenster blickt und die spielenden Kinder mit unterschiedlichen Nationalitäten sieht, macht sie das stolz.

Rund 80 Schüler mit 15 unterschiedlichen Nationalitäten integriert die Schule am Inselsee in Güstrow in den Unterricht.

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25. September 2015, 21:00 Uhr

Wenn Schulleiterin Irmtraud Herrmann aus dem Fenster ihres Büros blickt und die spielenden Kinder auf dem Hof sieht, dann macht sie das auch ein wenig stolz, denn die Schule am Inselsee ist die einzige Schule in Güstrow, die Flüchlingskinder in speziellen Kursen auf den Unterricht vorbereitet. „Das Wichtigste ist natürlich zunächst einmal der Spracherwerb“, sagt die Pädagogin, die bereits seit 1984 im Schuldienst ist.

Viele Nationalitäten unter einem Dach

Gegenwärtig werden rund 80 Flüchtlingskinder mit insgesamt 15 unterschiedlichen Nationalitäten an der Schule am Inselsee unterrichtet. Bereits im Schuljahr 2014/15 seien die ersten Kinder von Asylbewerbern an ihre Schule gekommen, erinnert sich die Schulleiterin. „Zunächst waren es nur wenige, doch die Zahl stieg schnell an“, sagt Irmtraud Herrmann. Die Jungen und Mädchen werden zunächst in sogenannten Integrationskursen unterrichtet – diese dienen dem Spracherwerb. Erst wenn die Kinder entsprechende Sprachtests erfolgreich absolviert haben, werden sie in die normalen Schulklassen integriert. Die Deutschförderung laufe dann parallel weiter, so die Pädagogin.

„Die Jungen und Mädchen machen dann noch einmal einen ordentlichen Sprung – am besten lernen sie eben doch voneinander“, beobachtet Irmtraud Herrmann immer wieder. Die Kinder ohne einen Deutschkurs in den normalen Unterricht zu integrieren sei hingegen unmöglich. Die Verständnisbarriere sei einfach zu groß, so Herrmann weiter. „Für die Integrationskurse gibt es Sonderzuweisungen vom Schulamt – es ist also ein zusätzliches Angebot mit zusätzlichen Lehrkräften. Eine Stelle schaffen wir aktuell neu“, sagt die Lehrerin. Die Kapazitäten der Schule am Inselsee sind mit 80 Flüchtlingskindern nun jedoch ausgeschöpft. So hofft Irmtraud Herrmann, dass es bald weitere Integrationsklassen in der Region geben wird.

Nennenswerte Probleme – Fehlanzeige

Für die Lehrkräfte heißt die Integration auch eingespielte pädagogische Konzepte über den Haufen zu werfen und neue Wege zu gehen. In ihrer eigen Deutschklasse unterrichtet Irmtraud Herrmann gerade ebenfalls zwei Neuntklässler mit Migrationshintergrund, die sie gerne zum Abschluss führen will. „Es ist eine große Herausforderung, aber die Schüler sind ehrgeizig und wollen den Abschluss schaffen“, sagt sie.

Wichtig sei bei ihrer Arbeit insbesondere, das man sich auf Augenhöhe begegne und sich die Schüler willkommen fühlen, dann komme der Rest von ganz allein. Vielleicht habe es auch aus diesem Grund bislang keine nennenswerten Probleme unter den Schülern gegeben. „Natürlich gibt es Streitigkeiten – die gibt es immer zwischen Kindern und Jugendlichen“, sagt Herrmann und fügt hinzu: „Wir versuchen dann zu schlichten, auch gemeinsam mit den Eltern.“ Ohnehin sei der Kontakt zu den Familien wichtig, denn auch sie sorgen sich um ihre Kinder und wollen sie in guten Händen wissen, weiß Irmtraud Herrmann.

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