Fundstück bei Parum : Seltsamer Fund auf Baustelle

Experten können sicherlich die Fragmenten dieser Inschrift deuten.  Fotos: andreas scheibe (2)
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Experten können sicherlich die Fragmenten dieser Inschrift deuten. Fotos: andreas scheibe (2)

Vermutlich Fragment einer jüdischen Grabplatte am neuen Fischaufstieg bei Parum aufgetaucht / Stalu: „Wie vom Donner gerührt!“

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27. Juni 2015, 06:00 Uhr

Von einem ganz seltenen Fund berichtet unser Leser Andreas Scheibe. Der Klein Schwiesower ist nicht nur leidenschaftlicher Hobbyfotograf. Er ist auch immer an der Heimatgeschichte interessiert. So arbeitet er seit 15 Jahren kontinuierlich an einer Chronik über den Bützow-Güstrow-Kanal. Da schaut er natürlich in den letzten Monaten auch immer wieder mal auf die Baustelle an der Straße zwischen Parum und Lüssow, wo unweit der Zugbrücke der Übergang vom Kanal in die alte Nebel völlig neu gestaltet wird.

Beim Herumstöbern und Fotografieren an der neu entstehenden Fischaufstiegstreppe wurde er auf einen großen, auf der Oberseite abgeflachten Stein aufmerksam. Den „Findling“ im wahrsten Sinne des Wortes näher betrachtet, offenbart sich eine Inschrift. Die Buchstaben nicht lesbar – offenbar eine hebräische Schrift. Deuten kann Andreas Scheibe den Fund nicht wirklich.

Unser Leser kann nur Mutmaßungen anstellen: „Es sieht aus wie ein Stück von einer Grabplatte.“ Da nach Aussagen von Bauleuten die großen Steine, die das Material für den Fischaufstieg bilden, aus dem Kieswerk Charlottenthal geliefert werden, könnte man die Vermutung anstellen, dass die mutmaßliche Grabplatte vielleicht aus dem Umfeld der Krakower Synagoge stammt. Einigermaßen ratlos ist jetzt Herr Scheibe, was mit dem besonderen Fundstück geschehen soll.

Im Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Umweltschutz Rostock (Stalu) zeigte man sich gestern bei der SVZ-Nachfrage von der Entdeckung völlig überrascht. Das Stalu ist Bauherr des Fischtreppenneubaus, zu dem eine komplett neue Straßenüberführung über den Nebel-Ansatz gehört. Abteilungsleiterin Naturschutz, Wasser und Boden Dörte Kolbow: „So etwas haben wir noch nicht gehabt. Wir sind ja wie vom Donner gerührt!“ 300 große Steine habe das Bauunternehmen zur Verriegelung in das Objekt eingebracht. Der mit der flachen Oberfläche war zwar schon aufgefallen, er war jedoch völlig lehmverschmiert, so dass keinerlei Inschrift zu erkennen war. „Wir wissen gar nicht, wer den jetzt so sauber gemacht hat“, rätselte Dörte Kolbow.

Das Stalu habe sich gestern noch unverzüglich mit der Jüdischen Gemeinde in Rostock in Verbindung gesetzt. Gemeinsam mit der Stadt Güstrow wolle man nun versuchen aufzuklären, welchen Weg der Stein genommen hat, bevor er auf die Baustelle kam. Hier sei er inzwischen weggeräumt und gesichert. Möglicherweise wird er später ja einen endgültigen Platz auf dem jüdischen Friedhof in der Barlachstadt finden, kann sich die Stalu-Mitarbeiterin vorstellen.

Der Baufortschritt übrigens liege im Zeitplan, bis Ende September wolle man fertig sein.

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