Offene Hortarbeit : Selbstständigkeit will gelernt sein

Die  Schülerinnen Marie Voll (10), Amely Töpper (8) und Cheyenne Fritzsch (9) haben sich schnell an die neue Situation im Hort gewöhnt.
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Die Schülerinnen Marie Voll (10), Amely Töpper (8) und Cheyenne Fritzsch (9) haben sich schnell an die neue Situation im Hort gewöhnt.

Neues System der „Offenen Hortarbeit“ lässt Kindern und Jugendlichen viele Freiheiten / Klecks fragte im Hort der Inselseeschule nach

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07. März 2014, 06:00 Uhr

„Ich entscheide selbst, wann ich meine Hausaufgaben mache!“ Eine neue Aussage, die zurzeit im Hort der Güstrower Inselseeschule zu hören ist. „Offene Hortarbeit“ heißt das neue Programm, welches nach den Winterferien startete und nun seit drei Wochen in vollem Gange ist. Ganz neu in Güstrow ist dieses System aber nicht, denn bereits der Fritz-Reuter-Hort und der Hort der Hasenwaldschule setzen sich mit dieser etwas anderen Form von Betreuung schon länger auseinander.

Eingeführt wurde die offene Hortarbeit durch das Bildungsministerium MV und auch im Kinderförderungsgesetz ist diese Art der Hortarbeit festgehalten. Vor dieser Änderung war eine Erzieherin für jeweils eine Klasse zuständig. Die gemeinsame Hausaufgabenzeit und weitere Aktivitäten gestalteten sich immer in diesen internen Gruppen. Die offene Arbeit lässt den Kindern die völlige Selbstbestimmung. Langsam angefangen wird mit der 2. Klasse. Ab der 3. Klasse ist jedes Kind selbst verantwortlich für seinen Nachmittag.

Klecks sprach darüber mit Barbara Hollinger, Leiterin vom Hort am Inselsee. „Für die offene Hortarbeit haben wir ein halbes Jahr vorher angefangen, alles zu organisieren. Denn offene Arbeit heißt, dass Kinder ihren Nachmittag frei gestalten können. Dazu mussten wir Klassenräume in Funktionsräume umgestalten. Jetzt haben wir einen Theaterraum, eine Traumstation und viele weitere Räume zur Freizeitnutzung“, sagt sie. Doch nicht nur Freizeit soll selbstständig gewählt werden. Die Zeit, in der die Hausaufgaben gemacht werden, wird von den Schülern auch selbst bestimmt. „Das hilft, um sich einen Tagesablauf zu organisieren und selbstständig zu entscheiden, wann man etwas machen möchte.“

Doch die Selbstständigkeit will gelernt sein: „Natürlich ist das immer mit anfänglichen Schwierigkeiten verbunden, gerade für die Kleinen, aber genau das ist unser Ziel: Dass sie aus Fehlern lernen und dadurch beim nächsten Mal besser organisiert sind“, sagt Barbara Hollinger.

Doch wie finden die Schüler das neue Hortsystem? Die drei Schülerinnen Marie Voll (10) aus der 4. Klasse sowie Amely Töpper (8) und Cheyenne Fritzsch (9) aus der 3. Klasse haben sich schnell an die neue Situation im Hort gewöhnt. „Früher mussten wir uns immer in unserer Gruppe beschäftigen. Jetzt ist es viel besser, da wir uns aussuchen können, wann wir nach draußen gehen wollen und mit wem“, erzählt Amely. Marie meint: „Ich finde schade, dass ich nächstes Jahr nicht mehr in den Hort gehen kann. Ich wäre gerne noch ein Jahr hier. Gerade, weil es erst ab diesem Halbjahr angefangen hat.“ Einen Nachteil sieht Marie aber dennoch: „Es ist schade, dass ich meine Erzieherin nicht so oft sehe, wie früher. Jeder ist woanders und meine Erzieherin ist jetzt für alle Kinder da.“

In der Tat macht das Hortteam für alle vier Wochen einen Plan, wer welchen Bereich zur Aufsicht übernimmt. So sei für eine gute Betreuung gesorgt und jeder Schüler hätte eine Ansprechperson. „Wir sind noch in der Probephase und wollen austesten, was funktioniert und was nicht. Natürlich ist es ein langer Lernprozess, doch bis jetzt ist es schon gut angelaufen“, sagt Hortleiterin Barbara Hollinger.

Und auch Cheyenne bekräftigt: „Die Hortarbeit ist jetzt besser. Wir können auch mit anderen Klassen die ganze Zeit zusammen sein. Deswegen können Amely und ich jetzt auch immer mit Marie spielen. Dann treffen wir uns meistens in der Traumstation“.

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