Geschichte mitgeschrieben : Seit 25 Jahren SPD-Ortsverband

Rolf Strecker (l.) und Hartmut Reimann blättern in Erinnerungen an die Entwicklung des SPD-Ortsverbandes.
Rolf Strecker (l.) und Hartmut Reimann blättern in Erinnerungen an die Entwicklung des SPD-Ortsverbandes.

Partei begeht morgen „Geburtstagsfeier“ am Gründungsort im Haus der Kirche Güstrow / Geschicke der Stadt mitbestimmt

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29. November 2014, 06:00 Uhr

Gewissermaßen am Geburtsort wird am morgigen Sonntag das 25-jährige Bestehen des SPD-Ortsverbandes Güstrow gefeiert. Ist es doch am 30. November auf den Tag genau ein Vierteljahrhundert her, dass im Haus der Kirche Güstrow das Gründungsprotokoll unterschrieben wurde. Am selben Ort findet nun morgen von 10 bis 14 Uhr die „Geburtstagsfeier“ der Partei statt, die schon auf eine lange Geschichte auch in Güstrow zurück blickt und die nach der Wende 1989 in der Stadt ihre Wiedergeburt erlebte.

„Weißt du noch…?“ – So viele Erinnerungen kommen hoch, als Prof. Reinhard Strecker und Hartmut Reimann die Geschichte des SPD-Ortsverbandes Güstrow im Gespräch Revue passieren lassen. Beide gehören zu den SPD-Mitgliedern der ersten Stunde in Güstrow, wenn sie auch keine unmittelbaren Gründungsmitglieder waren, sondern kurz danach in die Partei eintraten. Unterzeichnet worden war das Gründungsprotokoll seinerzeit vom damaligen 1. Sprecher und späteren 1. Vorsitzenden des SPD-Ortsverbandes Güstrow, Eberhard Beyer, sowie von Dr. Emil Pfiffner und Jürgen Schmidt.

„Es gab damals 17 Gründungsmitglieder“, sagt Rolf Strecker (76), der bis 2012 viele Jahre Vorsitzender der SPD-Fraktion im Stadtparlament war. „Einige von den Gründungsmitgliedern leben nicht mehr, andere haben die Partei verlassen“, erzählt er.

„Nach der Gründung hieß sie noch SDP, denn es war ja am Anfang noch die ,Sozialdemokratische Partei in der DDR’“, erinnert Hartmut Reimann (63), heutiger Vorsitzender der SPD-Fraktion in der Stadtvertretung von Güstrow. Doch erfolgte schon am 13. Dezember 1989 die Umbenennung in SPD. „Alles ging ja damals in sehr rasantem Tempo vor sich“, blickt Reimann zurück.

In der Euphorie der Wendezeit habe die Partei damals einen enormen Zustrom gehabt, so dass sich ihre Mitgliederzahl in kürzester Zeit schnell erhöhte. Was die Partei in Güstrow dazu verführte, sich in zwei Ortsgruppen aufzusplitten: eine in Mitte/ West mit rund 30 Mitgliedern und dem Vorsitzenden Horst Mauck und eine in Nord/Süd mit rund 40 Mitgliedern unter dem Vorsitz von Hartmut Reimann. „Wir merkten aber schnell, dass das nicht lief und ein Fehler war. Denn der Zustrom blieb nicht so hoch wie am Anfang und wurde schwächer.“ Deshalb wurde dieser Fehler schon Ende 1990 korrigiert und die Partei wurde wieder zu einem Ortsverband zusammengeführt. „Es wurde ja damals viel improvisiert“, wirft Strecker einen Blick auf die damalige Umbruchzeit.

Ein Höhepunkt für die Partei und die ganze Stadt war es am 12. Februar 1990, als Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) der Einladung des SPD-Ortsverbandes folgte und Güstrow einen Besuch abstattete. Nach den ersten freien Kommunalwahlen im Mai 1990 zog auch die SPD in die Güstrower Stadtvertretung ein. Von den insgesamt 50 Stadtvertretern waren 16 von der SPD. „Dann ging die Fraktionsarbeit los in der Stadtvertretung und im Kreistag“, so Rolf Strecker. Es wurde viel inhaltlich gestritten, erinnert er sich. „So waren die Kindergärten damals alle plötzlich in städtischer Hand und mussten finanziert werden. Aber wie? Denn damals gab es noch keine Zuschüsse von Kreis und Land“. Und es wurden die Stadtwerke und die Wohnungsgesellschaft gegründet, die Töchter der Stadt wurden. „Das waren ganz wichtige politische Entscheidungen, damit die Stadt den Zugriff auf Wohnungen und das Wasser behält“, so Strecker. In den Entscheidungen darüber innerhalb der Stadtvertretung seien sich die SPD-Mitglieder ziemlich einig gewesen, weiß er noch heute. Immer gekämpft habe die SPD mit dem damaligen SPD-Bürgermeister Hans-Erich Höpner auch für den Bau der Güstrower Oase. Um nach dem damaligen Baustopp den Weiterbau zu erreichen, habe die Partei eine große Bürgerinitiative ins Leben gerufen, sagt Strecker. Doch habe es damals große Querelen bis hin zu Korruptionsvorwürfen innerhalb der Partei gegeben, erinnert er. „Da kam es zur Spaltung der SPD-Fraktion. Das war eine schlimme Zeit“, so Strecker.

Heute hat der SPD-Ortsverband 60 Mitglieder. Sieben von ihnen lenken in der 29-köpfigen Stadtvertretung die Geschicke der Stadt mit. „Wir setzen uns dafür ein, dass der Stadthaushalt auf einer vernünftigen wirtschaftlichen Grundlage steht und dass bei der Haushaltskonsolidierung nicht alle freiwilligen Leistungen auf der Strecke bleiben“, so der Fraktionsvorsitzende Reimann.

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