SVZ-Wochenend-Interview : Sehnsucht nach Moskau

Doreen Blask ist nicht nur beruflich, sondern auch privat sozial engagiert.
Doreen Blask ist nicht nur beruflich, sondern auch privat sozial engagiert.

20 Fragen an Doreen Blask / Die 38-Jährige leitet seit sieben Jahren die Öffentlichkeitsarbeit der Diakonie Güstrow

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01. August 2015, 06:00 Uhr

30 soziale Einrichtungen und mehr als 800 Mitarbeiter – das ist die Diakonie Güstrow. In diesem Jahr feiert die Wohlfahrtsorganisation zudem ihr 25-jähriges Bestehen. Seit sieben Jahren managt Doreen Blask die Öffentlichkeitsarbeit der Diakonie Güstrow. Geboren 1977 in Rostock, studierte sie Slawistik und Anglistik/Amerikanistik an der Universität Rostock. Während des Studiums hatte sie zudem die Möglichkeit, ein Jahr lang an der Lomonossow-Universität in Moskau russische Sprach- und Literaturwissenschaften zu studieren. „Diese Zeit hat mich sehr geprägt. Russland liegt mir sehr am Herzen“, sagt Doreen Blask. Nach dem Studium arbeitete sie als Redakteurin bei der Moskauer Deutschen Zeitung und lehrte Deutsch an einer Moskauer Schule. Später absolvierte sie noch ein Redaktionsvolontariat beim Heinrich Bauer Verlag in Hamburg, bis sie schließlich die Öffentlichkeitsarbeit der Güstrower Diakonie übernahm.

Wo ist Ihr Lieblingsplatz?
Die Patriarchenteiche in Moskau. Dort beginnt der berühmte Roman „Der Meister und Margarita“ von Michail Bulgakow. Es ist ein Viertel mit kleinen Gässchen, Hinterhöfen und Jugendstilhäusern. Eine der schönsten Ecken Moskaus.
Was würden Sie als Bürgermeister in Ihrem Wohnort sofort ändern?
Da fällt mit so einiges ein: Viel zu viele Kinder erleben tagtäglich, was es heißt, benachteiligt zu sein. Kostenfreie Mittagsversorgung in Kitas und Schulen sowie gebührenfreie Betreuungsangebote für alle Kinder wären doch schon mal ein guter Anfang. Auch würde ich mich für ganz besondere Unterstützungsangebote für Alleinerziehende einsetzen. Ich spreche da aus eigener Erfahrung und kenne die Sorgen und Ängste, die man hat, wenn man ein Kind allein erziehen muss.
Wo kann man Sie am ehesten treffen?
In meinem Büro in der Geschäftsstelle bei der Diakonie Güstrow.
Womit haben Sie Ihr erstes Geld verdient?
Als Studentin habe ich Nachhilfe beim Studienkreis gegeben.
Wofür haben Sie es ausgegeben?
Für Literatur und CDs.
Was würden Sie gerne können?
Manchmal möchte ich gern die Gedanken anderer Menschen lesen können.
Was stört Sie an anderen?
Arroganz und Überheblichkeit sind nie gut.
Worüber haben Sie zuletzt herzlich gelacht?
Vor kurzem war ich auf dem Konzert von Nena im Schweriner Schlossgarten. Bei der Zugabe wurden wir plötzlich von einem Gewitter überrascht. Ich war klatschnass, habe aber herzlich gelacht.
Was haben Sie zuletzt Unvernünftiges getan?
Bei meinem letzten Russland-Aufenthalt im Mai wurde ich von Freunden zu einer Geburtstagsparty in das Hotel Europa in St. Petersburg eingeladen. Leider hatte ich kein passendes Outfit dabei und es gilt in Russland als sehr unhöflich, wenn man sich zu besonderen Anlässen nicht festlich kleidet. Also bin ich schnurstracks in das berühmte Kaufhaus GUM am Roten Platz gegangen und habe mir dort ein wirklich teures Kleid gekauft. Bezahlt habe ich in bar. Ein paar Tage später bemerkte ich dann, dass ich mit meiner EC-Karte kein Geld abholen konnte, weil die für Russland nicht freigeschaltet war. Die Rubel, die ich noch im Portemonnaie hatte, haben gerade noch für das Taxi zum Flughafen gereicht. Essen und Trinken gab es dann erst wieder in Berlin.
Wer ist Ihr persönlicher Held?
Mein verstorbener Sohn Marvin.
Welches Buch lesen Sie gerade?
„Lebenslauf“ – die Autobiografie von Alice Schwarzer. Ich bin ein großer Fan von ihr. Es ist Alice Schwarzer, die immer wieder Mut zur Kontroverse einbringt, wo andere lieber wegschauen.
Welche Fernsehsendung verpassen Sie nie?
Sonntags um 20.15 Uhr ist bei mir Tatort-Zeit. Ansonsten sehe ich kaum fern.
Wo trifft man Sie eher: bei einer Karnevalsfeier oder bei einem Fußballspiel?
Weder noch. Dann eher bei einem Stadtbummel.
Wen würden Sie gerne mal treffen?
Antje Vollmer. Sie ist eine der wenigen, die sich heute noch offen zur pazifistischen Idee bekennt. Waffen haben noch niemals auch nur ein Problem gelöst, sondern immer nur Leid und Not über die Menschen gebracht. Vor allem teile ich Antje Vollmers Statements zum Krieg in der Ukraine. Sie ist eine Stimme der Vernunft.
Wenn Sie selbst kochen: was kommt dann bei Ihnen auf den Tisch, griechische, italienische, chinesische oder deutsche Gerichte?
Deutsche Hausmannskost. Ich esse gern deftig, lege aber auch gern mal einen Veggie Day ein.
Mit welchem Lied verbinden Sie Ihre schönste Erinnerung?
Es gibt so viele Lieder, die bei mir schöne Erinnerungen hervorrufen. Da fällt es mir schwer, mich festzulegen.
An welches Geschenk erinnern Sie sich noch gerne und von wem haben Sie es bekommen?
Alle selbst gemalten Bilder und Basteleien von meinem Sohn hüte ich wie einen Schatz.
Welchen Traum möchten Sie sich noch erfüllen?
Mein Traum ist es, einmal mit der Transsibirischen Eisenbahn von Moskau nach Wladiwostok zu reisen.
Wie gestalten Sie ihre Freizeit als Rentner?
Ich werde mich den schönen Dingen des Lebens widmen – der Kunst und Kultur. Vielleicht schreibe ich auch ein Buch.
Wem sollten wir diese Fragen ebenfalls stellen und warum?
Pastor i.R. Folker Hachtmann. Ich schätze vor allem sein Engagement bei der Aufarbeitung der jüdischen Geschichte in Güstrow.













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