Theater auf dem Land : Sechs Frauen „stürmen“ Lelkendorf

Absolventen eines Berliner Schauspielinstituts proben und spielen die Komödie „Der Sturm“ in ehemaliger KfL-Halle

svz.de von
02. September 2015, 06:00 Uhr

Ein Sturm ist für Lelkendorf vorhergesagt. Nicht von Meteorologen, wohl aber von Theaterleuten. Ehemalige Absolventen des Michael-Tschechow-Instituts Berlin proben derzeit in der einstigen KfL-Halle – zu DDR-Zeiten Kreisbetrieb für Landtechnik – in Lelkendorf an William Shakespeares Komödie „Der Sturm“. Die Premiere steht am Sonnabend im Kalender, weitere Aufführungen schließen sich an.

Die Theaterleute sind nicht das erste Mal in der im Nordosten gelegenen Gemeinde. Seit 2008 stellen sie regelmäßig Inszenierungen vor, im vergangenen Jahr beispielsweise einen modernen „Nathan“. Mechthild von Levetzow, Vorsitzende des Kulturfördervereins Lelkendorf, und Beatrice Scharmann, Dozentin und Regisseurin an dem Berliner Institut, lernten sich eher zufällig kennen, seither aber entwickelte sich eine intensive Zusammenarbeit. Jahr für Jahr wird in Fördertöpfen gesucht, um die Theatertage in einer mit Theater nicht gerade gesegneten Region ins Programm des Fördervereins nehmen zu können. „Manchmal weiß ich bis in den September nicht, woher wir das Geld nehmen sollen“, sagt von Levetzow, deren persönliches Sponsoring in der Gewährleistung von freier Logi für die Mitwirkenden in den zwei Wochen besteht.

Warum gerade Shakespeare? „Sicher hat der 400. Todestag des Dramatikers, der im nächsten Jahr ansteht, eine Rolle gespielt, aber andererseits hat es mich gereizt, dieses Stück voller Magie, Vielfalt, skurriler Situationen und Abenteuer auf die Bühne zu bringen“, sagt Regisseurin Scharmann. Sie hat in ihrer Inszenierung einige markante Zeichen gesetzt. So wirken nur Schauspielerinnen mit. Sechs Frauen teilen sich 15 Rollen. Prospero, eine Art Hauptrolle, ist mit der irischen Schauspielerin Caitríona Ní Threasaigh besetzt. „Damit haben die Zuschauer die wahrhaft einmalige Chance, Shakespeare in drei Sprachen zu begegnen: in Deutsch, Englisch und Irisch“, sagt sie, beseitigt aber zugleich Befürchtungen, dass die Verständlichkeit der Aufführung leiden könnte. „Es helfen Handzettel, um etwaige Lücken zu überbrücken“, beruhigt die Regisseurin.

Zielpublikum sind Schulen aus der Umgebung, aber auch Menschen, die ein außergewöhnliches und in der Region nicht vermutetes Kunsterlebnis suchen. „Unser Förderverein würde gern deutlich machen, dass die Theatertage eine Chance für ein unvergessliches Theatererlebnis sind“, wirbt Mechthild von Levetzow.  


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