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Brandkatastrophe von Charlottenthal : Schwierige Ermittlungen in Brandruine

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Nach dem Großfeuer im Schloss Charlottenthal forscht die Polizei jetzt nach der Brandursache.

svz.de von
erstellt am 14.Apr.2016 | 20:45 Uhr

Über Charlottenthal liegt Brandgeruch. Noch immer qualmt es aus der Ruine des Schlosses. Unter den eingestürzten Decken glimmen weiter Glutnester, an die nur schwer ranzukommen ist. Für das in der Nacht zu Montag dieser Woche durch ein Großfeuer zerstörte Wahrzeichen des Dorfes besteht noch immer Einsturzgefahr. Dennoch bewegen sich Männer mit Schutzhelmen im Inneren der Ruine. Schweres Gerät kommt zum Einsatz. Ein Bagger reißt ein weiteres Loch in die linke Rückwand des Schlosses. Hier vermuten die Ermittler der Kriminalpolizei Güstrow die Ausbruchsstelle des verheerenden Brandes. Drei Tage nach der Katastrophe von Charlottenthal begann die Polizei gestern mit der Untersuchung der Ruine. Die Brandursache ist noch unklar. Ergebnisse gab es gestern noch nicht. Naturgemäß ermittelt die Polizei auch wegen schwerer Brandstiftung – auch vor dem Hintergrund einer jetzt bekannt gewordenen Insolvenz der Schlossbesitzer.


„Fakt der Insolvenz steht im Raum“


Während die Brandortuntersuchung läuft, steht der Charlottenthaler Jörg Oppitz neben der Schlossruine. Er ist ein Freund von EneidaLindholm-Wolgien und Günther Wolgien, den Schlossbesitzern und -bewohnern, die hier seit 2005 ihr brasilianisches Restaurant betrieben und jetzt alles verloren haben. Oppitz weist einen Zusammenhang zwischen dieser Insolvenz und dem Brand vehement zurück. Und auch Polizeihauptkommissar Gert Frahm von der Polizeiinspektion Güstrow sagt auf SVZ-Nachfrage: „Der Fakt der Insolvenz steht im Raum. Das führt aber nicht zu einer Vorverurteilung.“

Nach SVZ-Informationen haben unbezahlte Krankenkassenbeiträge das Insolvenzverfahren in Gang gebracht. Die sollen mittlerweile aber beglichen sein. „Zudem sind das Schloss und das Restaurant nicht in der Insolvenzmasse. Das Restaurant ist sehr gut gelaufen“, sagt Oppitz. Das bestätigt auch eine Meldung des Amtsgerichts Rostock über das Insolvenzverfahren, die SVZ vorliegt: „Der Insolvenzverwalter hat der Schuldnerin (Eneida Lindholm-Wolgien, Anm. d. Red.) gegenüber erklärt, dass Vermögen aus der selbstständigen Tätigkeit der Schuldnerin handelnd unter Schloss Charlottenthal/Steakhaus Brasil im Schloss Charlottenthal nicht zur Insolvenzmasse gehört und Ansprüche aus dieser Tätigkeit im Insolvenzverfahren nicht geltend gemacht werden können.“ Als Gläubiger tritt das Finanzamt Güstrow auf, da offensichtlich noch Steuerschulden zu begleichen sind.


„Schloss war ihr Lebenstraum“


Oppitz und auch Dirk Grosche, Nachbar der Wolgiens in Charlottenthal, unterstellen dem Ehepaar keine bösen Absichten. „Sie haben ihr ganzes Geld aus dem täglichen Geschäft immer in das Schloss und das Restaurant gesteckt. Dieses Schloss war ihr Lebenstraum“, sagt Dirk Grosche, der als Feuerwehrmann in der Brandnacht die Alarmkette in Gang setzte. Einen finanziellen Rückschlag habe es zudem Anfang des Jahres für die Wolgiens gegeben. Die Wasserhauptleitung, die direkt hinter dem Schloss verläuft, platzte. Der Keller wurde überflutet. Aufgrund der eisigen Temperaturen fror die Heizung ein. Die Heizungsanlage ging kaputt. Doch damit nicht genug: Vergangenes Jahr wurden die Wolgiens Opfer eines Überfalls. Die Täter überfielen das Ehepaar im Schlaf und fesselten es. Ein Trauma, unter dem besonders Eneida Lindholm-Wolgien immer noch leide, so Oppitz. Wolgiens selber stehen immer noch unter Schock und standen gestern für ein Gespräch in Bezug auf die Insolvenz nicht zur Verfügung.

Eneida Lindholm-Wolgien und Günther Wolgien haben die Brandruine zudem immer noch nicht gesehen. Noch während des Brandes waren sie zunächst ins Krankenhaus gebracht und dann bei Bekannten in Rostock untergebracht worden. Seitdem waren sie nicht mehr in Charlottenthal. „Wir haben es bisher vermieden, ihnen das hier zu zeigen“, sagt Jörg Oppitz und deutet auf das total zerstörte Schloss. „Eneida heult nur noch und Günther will am liebsten schon die Kelle in die Hand nehmen und das Schloss wieder aufbauen“, erzählt der Freund der Familie.


Keine schnellen Ergebnisse erwartet


Unterdessen arbeiten die drei Ermittler der Kripo Güstrow weiter in der Brandruine – eine schwere und gefährliche Arbeit. Schnelle Ergebnisse erwarten sie nach eigenen Aussagen nicht. Bei dem immensen Ausmaß des Schadens werde es „einige Tage dauern“, heißt es. Aus der Ruine retten sie noch einige Habseligkeiten der Wolgiens. Mit Fotos aus der Brandnacht versuchen sie zudem die Ausbreitung des Feuers nachzuvollziehen. Ihre Ermittlungstätigkeit konzentriert sich auf die hintere linke Seite des Schlosses. Hier, im 1. Obergeschoss, soll der Brand ausgebrochen sein. Das bestätigte schon Krakows Wehrführer Remo Schmecht gegenüber unserer Zeitung in der Brandnacht. Dass die Polizei auch in Richtung Brandstiftung ermittelt, wurde gestern bei einem Hundeeinsatz deutlich. Der Hund sollte eventuelle Brandbeschleuniger aufspüren.

 

 

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