Prozessbeginn : Schwerer Betrug: junges Pärchen angeklagt

Prozessbeginn vor Landgericht Rostock / Fährte führte von Hamburg, Mallorca, Lalendorf, Sizilien über die Schweiz zurück nach Güstrow

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16. Juli 2014, 06:00 Uhr

Die 3. Große Strafkammer des Landgerichtes Rostock eröffnete gestern ein Strafverfahren wegen schweren Betruges gegen die Rostockerin Carmelina H. (22) und den Güstrower Carsten W. (26). Sie werden beschuldigt, insgesamt 143 Personen aus der ganzen Bundesrepublik betrogen zu haben, indem sie über eine Internetplattform Handys und elektronische Haushaltsgeräte zum Kauf anboten, die Gelder dafür kassierten, aber nichts lieferten. Der Staatsanwalt geht von einem Schaden von rund 30 000 Euro aus.

Das Pärchen lernte sich 2011 in Bad Doberan kennen. In der dortigen Clara-Zetkin-Straße betrieb Carsten W. ein Tattoo-Institut. Carmelina H. wünschte sich eine Tätowierung, konnte den hohen Preis dafür aber nicht aufbringen. Der junge Mann kam ihr entgegen und nahm nur 120 Euro. Die Arbeiten dauerten etwas länger und so kamen sich die beiden näher. Carmelina H. löste ihr Ausbildungsverhältnis als Verkäuferin in Rostock und zog nach Bad Doberan.

Ab dann führten beide ein Zigeunerleben, das sie zunächst nach Hamburg führte. Da sie kein Geld mehr hatten, besuchte Carsten W. regelmäßig Internet-Cafés. „Er hatte Zugang zu meinem Konto“, erzählte Carmelina H. gestern vor Gericht. „Es kamen immer hohe Beträge an von Leuten, die ich nicht kannte.“ Das Geld habe sie mit abgeholt, gestand sie. Ihr Freund hätte sie beruhigt, dass ihr nichts passieren würde.

Im November 2012 landeten sie auf Mallorca. „Da bekommen wir Arbeit und Geld“, hätte der Angeklagte gemeint. Da sich nichts dergleichen ereignete, besuchte Carsten W. wieder Internet-Cafés und verkaufte von dort aus die nicht vorhandenen Handys und elektronischen Geräte. „Wir lebten auf Mallorca nur vom Betrug und auch vom Geld, das Carstens Vater uns hinterher sandte“, so Carmelina H. Er organisierte auch den Heimflug und eine Wohnung in Lalendorf. Aber auch da hätten sie es nicht lange ausgehalten, denn sie wussten, dass schon ein Haftbefehl unterwegs war.

Nun kam die Rostockerin auf die Idee, ihrem leiblichen Vater auf Sizilien einen Besuch abzustatten. Von dort ging es zurück nach Mallorca. Das Betrügen hätten sie hier fortgesetzt, nur mit dem Unterschied, dass die Gelder nicht mehr auf Carmelina Hs. Konto flossen, sondern auf das Konto von Jochen W., dem Vater des Angeklagten, der es dann schickte, berichtete die Angeklagte. Als auf der Ferieninsel die Luft zu dünn wurde, seien sie in die Schweiz geflüchtet. Wieder griff der Vater ein und besorgte ihnen eine Wohnung in Güstrow. Carsten W. stellte sich hier der Polizei. Auch Carmelina H. wurde festgenommen. „Ich wollte raus aus dem Teufelskreis und nichts mehr mit Carsten zu tun haben“, sagte die Angeklagte.

Nachdem der Vorsitzende Richter darauf aufmerksam gemacht hatte, dass er viele der 143 betrogenen Bürger als Zeugen geladen habe, die aus allen Bundesländern anreisen würden und viele in Hotels untergebracht werden müssten, was die Angeklagten bei Verurteilung zu bezahlen hätten, gab Carmelina H. auch zu, dass sie nicht nur das Geld von ihrem Konto abgeholt, sondern die besorgten Kunden auch immer wieder vertröstet habe. Der Prozess wird am 24. Juli fortgesetzt.

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