Reimershagen : Schweinemast-Gegner machen mobil

Auch nach der fast zweistündigen Beratung wurden Unterlagen studiert und Diskussionen geführt. Christian Menzel
Auch nach der fast zweistündigen Beratung wurden Unterlagen studiert und Diskussionen geführt. Christian Menzel

Seit Monaten sorgt der Plan eines Landwirts, zwischen Suckwitz und Oldenstorf eine Schweinemastanlage zu errichten, für Aufruhr. Eine Bürgerinitiative ruft nun dazu auf, Einspruch einzulegen.

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22. November 2012, 07:20 Uhr

Kirch Kogel | Eine optimistische Stimmung herrschte am Mittwochabend, als sich Einwohner der Gemeinde Reimershagen auf Einladung der Bürgerinitiative "Gegen Schweinemast in Suckwitz" im Kornspeicher Kirch Kogel trafen, um über die Antragsunterlagen zum Raumordnungsverfahren (ROV) zu beraten. Druckfrisch war nämlich die Meldung, dass der Betrieb der Hähnchenmastanlage in Kuppentin bei Plau am See nach einer Klage des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) eingestellt werden musste (SVZ berichtete). Zu diesem Erfolg für die Mastanlagen-Gegner konnte BUND-Geschäftsführerin Corinna Cwielag auch die Gratulation von Charlotte Reuter-König entgegen nehmen. "Ich war schon ganz unten und habe gezweifelt, dass wir die Schweinemastanlage bei uns verhindern können. Aber das Gerichtsurteil zu Kuppentin hat mir wieder Mut gemacht", sagte die gebürtige Suckwitzerin.

Hoffnung für Suckwitz nach erfolgreicher Klage in Kuppentin

Seit Monaten sorgt der Plan des Landwirts Thomas Schulz, zwischen Suckwitz und Oldenstorf eine Schweinemastanlage mit knapp 8000 Plätzen zu errichten, für Aufruhr. Nun liegen seit dem 19. November und bis 17. Dezember die Unterlagen für das ROV im Amt Krakow am See und im Amt für Raumordnung und Landesplanung Rostock aus. Bis 4. Januar besteht die Möglichkeit, Einwendungen gegen das Vorhaben vorzubringen. Darauf verweist die Bürgerinitiative. Ihr ging es in Kirch Kogel vor allem darum, dass sich möglichst viele Einwohner gegen das Vorhaben aussprechen.

Ein Raumordnungsverfahren soll die Konfliktpunkte, die zwischen einer landwirtschaftlichen und einer touristischen Nutzung in einer Region bestehen, aufzeigen und gegeneinander abwägen. Dieses Ziel sieht Ralf Koch, stellvertretender Leiter des angrenzenden Naturparks Nossentiner/Schwinzer Heide, klar verfehlt. "Diese Region ist eines der Tore zu unserem Naturpark. Wir betrachten das Gebiet Reimershagen/Lohmen als einen Schwerpunkt raum für den Tourismus", führte er aus. Das Gutachten, in dem vier Alternativvorschläge für den Standort der Anlage geprüft und verworfen werden, kommt dagegen zu dem Schluss: Die Landschaft sei stark geprägt durch Landwirtschaft, nicht durch Tourismus. Alle Grenzwerte würden weit unterschritten, so dass durch die Schweinemastanlage keine nachteiligen Auswirkungen zu erwarten seien. Für Empörung sorgte die Feststellung, dass die Bevölkerung auf dem Land an Gerüche, die sich aus landwirtschaftlicher Tätigkeit ergeben, ohnehin gewöhnt sei.

Auch für Corinna Cwielag steht fest: "Die Behauptungen können so nicht stehen bleiben. Das Ergebnis des Gutachtens ist untragbar." So monierte sie, dass der Untersuchungsradius mit 1100 Metern zu knapp bemessen sei. Bei der Bewertung der Gästebetten sei auf alte Statistiken zurückgegriffen worden. Angezweifelt wurden Zahlen aus dem Gutachten, wie beispielsweise die jährlich anfallende Güllemenge von 11 500 Kubikmetern. "Wir sollten alle Berechnungen überprüfen", forderte Hartmut Raiser von der Bürgerinitiative. "Ich habe den Eindruck, dass Parameter so ausgewählt wurden, dass sie zum gewünschten Ergebnis führen." Heleen Vermij, stellvertretende Bürgermeisterin von Reimershagen, nahm in die Gemeindevertretung mit, dass Argumente für das Versagen des gemeindlichen Einvernehmens gefunden werden müssten. Ein Weg sei, so Corinna Cwielag, für das Gebiet einen Flächennutzungsplan aufzustellen.

Anregung: Jeder Bürger sollte drei Einwände schreiben

Spontan gingen viele Hände nach oben, als Cwielag fragte, wer Einwände im ROV vorbringen würde. "Jeder Bürger sollte sich vornehmen, drei Einwände zu schreiben", regte eine Bürgerin an. Am 19. Dezember wollen sich die Gegner der Schweinemastanlage wieder treffen. Nicht nur Charlotte Reuter-König hofft, dass sich die Bürger am Ende des noch langen Wegs dazu gratulieren können, die Anlage verhindert zu haben. Im Anschluss an die Sitzung gründete sich eine BUND-Ortsgruppe für die Region.

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