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Von Güstrow nach England : „Schwebender“ bald in London

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Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Das British Museum zeigt das Kunstwerk vom 16. Oktober bis 26. Januar in der Ausstellung „Deutschland im Jahr 25 nach der Wende“

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erstellt am 23.Mai.2014 | 06:00 Uhr

Mecklenburg-Vorpommern und besonders Güstrow werden in den Blickpunkt der Kunstwelt rücken, wenn Ernst Barlachs „Schwebender“ aus dem Güstrower Dom vom 16. Oktober bis 26. Januar im British Museum London zu sehen sein wird. Damit wird eines der wichtigsten Werke des weltbekannten Bildhauers, der von 1910 bis zu seinem Tod 1938 in Güstrow lebte und arbeitete, in einem der berühmtesten Museen der Welt gezeigt. Das Thema der Ausstellung lautet „Deutschland im Jahr 25 nach der Wende“.

„Im Herbst gab es eine Anfrage des British Museums an unsere Stiftung, ob der ,Schwebende’ ausgeliehen werden kann“, erinnert sich Dr. Volker Probst, Geschäftsführer der Barlachtiftung. Der setzte sich mit der Domgemeinde in Verbindung, denn der „Schwebende“ hat im Dom seinen ursprünglichen Ort, so wie es Barlach wollte. Das sei für Direktor Neil McGregor der Grund gewesen, so Probst, unbedingt den Schwebenden aus Güstrow mit dem Antlitz von Käthe Kollwitz für seine Ausstellung nach London holen zu wollen – von seinem authentischen Ort. Deshalb sollte es nicht der Sicherungsguss aus Köln und auch nicht dessen Nachguss von 1987 sein, der auf Schloss Gottorf in Schleswig-Holstein hängt.

Zur Erinnerung: Im Dom wurde der Schwebende 1927 aufgehängt. Am 23. August 1937 entfernten die Nazis ihn als entartete Kunst und ließen ihn einschmelzen. Seit dem 8. März 1953 hängt ein dritter Nachguss an seinem Platz im Dom (siehe Hintergrund).

Genau diese Geschichte des „Schwebenden“ führte aber auch zu kritischen Meinungen. Das bestätigen sowohl Probst als auch Dom-Pastor Christian Höser. Letztlich entscheiden sich Stiftung und Kirchgemeinde aber mehrheitlich, den „Schwebenden“ an die Themse zu geben. „Das wird das Feuilleton weltweit rezipieren, da bin ich mir sicher, und Barlach und Güstrow in den Blickpunkt rücken. Solche Chance wie diese gibt es nur einmal in 30 Jahren“, hebt der Barlach-Experte Volker Probst hervor. Gleichzeitig betont Probst, dass diese Leihgabe die „absolute Ausnahme“ darstellt, denn der „Schwebende“ gehöre nach Güstrow in den Dom. Und hier werde seit Jahren am 23. August an die Abnahme des „Schwebenden“ durch die Nazis erinnert, erklärt der Kenner weiter.

Christoph Höser bestätigt, dass bei diesem Hintergrund und der Geschichte auch bei ihm im ersten Moment der Schreck regierte und ihn der Gedanke beherrschte: „Das können wir nicht machen.“ Die Mehrheit der Domgemeindeglieder überzeugte aber vor allem, dass die Ausstellung auch die Versöhnung thematisiere. Etwas, was Kirche generell wolle und umsetze. An diesem Ausstellungsort in London sei das daher eine Möglichkeit, dass sich Besucher mit der deutschen Geschichte auseinandersetzen können, sagt Höser.

Für Probst passt die Ausstellung mit dem „Schwebenden“ in London auch zu den aktuellen Herausforderungen und Themen sowie zum 100. Jahrestag des Beginns des Ersten Weltkrieges. Sei doch der ,Schwebende’ ein Ehrenmal zu diesem Krieg, so Probst. Deshalb werde er im Raum 5 der Ausstellung, in der es um das wiedervereinigte Deutschland geht, an zentraler Stelle hängen, als Mahn- und Friedensmal für die Zukunft.

Bleibt die Meinung der Kritiker, dass der „Schwebende“ wegen seiner Geschichte diesen Ort nicht verlassen dürfte. Der Güstrower Gerhard Jacob, Barlach-Freund und -Kenner, meint, dass bei der Vielzahl bedeutender Arbeiten von Barlach es nicht zwingend der „Schwebende“ hätte sein müssen. Seine Begründung: „Er ist nur für einen bestimmten Ort gedacht, den Güstrower Dom.“

Das ist auch für Probst und Höser sowie die Barlachstadt, die in die Überlegungen einbezogen ist, der Punkt, wie man diese „Leerstelle zu einer „Lehrstelle“ (Christoph Höser) machen könne. Anett Zimmermann, Vorsitzende des Tourismus-Vereins Güstrow: „Wir werden dem Güstrow-Besucher erklären, warum der ,Schwebende’ in London ist.“ Das ist für Christian Dobslaw, Vorsitzender des Vereins der Freunde der Barlach-Museen, aber auch notwendig. „Denn wegen des ,Schwebenden’ kommen viele Besucher extra nach Güstrow“, weiß er.

Am 29. September wird der „Schwebende“ abgenommen und verpackt. Probst: „Es werden alle Sicherheits- und konservatorischen Standards eingehalten. Ein Metallrestaurator und eine Spezialfirma werden dafür sogen. Bis nach London gibt es eine Kurierbegleitung.“


 

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