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Güstrower Dom : Schwebenden reisefertig gemacht

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Kunstwerk verlässt Güstrower Dom Montag Richtung London / Auch Holzskulptur des Apostels Thomas geht demnächst auf Reisen

von
erstellt am 25.Sep.2014 | 06:00 Uhr

Jetzt geht es los: Schon nächsten Montag verlässt der Schwebende von Ernst Barlach den Güstrower Dom. Dann geht es auf die lange Reise nach England. Im British Museum in London, das zu den wichtigsten Museen der Welt gehört, wird der Schwebende als eine der beeindruckendsten Skulpturen des 20. Jahrhunderts den abschließenden Höhepunkt der Ausstellung „Germany. Memories of a Nation“ bilden. Vom 16. Oktober bis 25. Januar 2015 ist das von Barlach für den Güstrower Dom als Denkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges geschaffene Kunstwerk in der englischen Metropole zu sehen. Gestern wurde der Schwebende auf seine erste große Reise vorbereitet.

„Es ist bedeutsam an so einem großen Kunstwerk arbeiten zu dürfen. Da hat man schon Ehrfurcht“, sagt Wolfgang Hofmann, während er auf einem Gerüst steht und den Schwebenden behutsam mit einem Staubsauger reinigt. Der Metallrestaurator dokumentierte gestern im Dom den Zustand der Skulptur. „Wie sieht er jetzt aus und wie sieht sieht er aus, wenn wir ihn wiederbekommen“, erklärt Hofmann den Sinn seiner Arbeit. Montag wird der Schwebende von einer Speziallogistikfirma abgeholt, um dann mit dem Zug unter dem Ärmelkanal nach London zu gelangen. Nach dem Ende der Ausstellung wird das Kunstwerk im Februar 2015 im Dom zurückerwartet.

Bis dahin bleibt der angestammte Platz des Schwebenden in Güstrows ältestem Gotteshaus leer. „Wir wollen uns die Leerstelle zur Lehrstelle werden lassen“, sagt Pastor Christian Höser. „Im konstruktiv, irritierenden Sinn“, ergänzt er. Die Güstrower und die Kirchgemeinde sollten sich darüber Gedanken machen, was ihnen dieses Mahn- und Ehrenmal bedeutet und was ihnen ohne den Schwebenden fehlt.

Dass der Schwebende den Dom verlässt ist kein Verlust für Höser, „denn das würde ja bedeuten, dass er nicht mehr zurückkommt.“ Die Ausstellung der Skulptur in London ist für den Pastor Versöhnungsarbeit, gerade auch zum 100-jährigen Jubiläum des Beginns des Ersten Weltkrieges. „Konzept und Inhalt der Ausstellung drehen sich um das Thema Versöhnung. Das hat den Kirchgemeinderat letztendlich auch dazu bewogen, den Schwebenden auszuleihen“, sagt Christian Höser. Er wird sich die Schau in London auch selbst anschauen.

Doch der Schwebende ist nicht das einzige Kunstwerk, das den Güstrower Dom verlässt. Ende Oktober wird die Holzskulptur des Apostels Thomas, von Claus Berg um 1530 geschaffen, an das Städelmuseum in Frankfurt am Main ausgeliehen. „Dafür machen wir gerade die Verträge fertig“, sagt Höser. Vom 5. November bis 8. Februar 2015 ist das Kunstwerk aus der Reformationszeit in der Ausstellung „Fantastische Welten“ in Frankfurt zu sehen. „Claus Berg zählt zu den bemerkenswertesten Künstlern des Nordens und ist mit den Großen des Südens, wie z. B. Riemenschneider, durchaus vergleichbar“, erläutert der Pastor. Elf Skulpturen von Claus Berg befinden sich im Dom, er schuf sie Anfang des 16. Jahrhunderts in Güstrow extra für dieses Gotteshaus. Neben dem Schwebenden sind es diese „Apostel des Nordens“, für die der Dom kunsthistorisch überregional bekannt ist.

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