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Güstrower Anzeiger

18. August 2017 | 07:08 Uhr

Güstrow : Schwan in Not – keine Hilfe

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Ein Schwan saß Sonnabend von der Kälte entkräftet auf den Eis des Pfaffenteichs Güstrow. Bürger wollten helfen, fanden aber bei Polizei, Feuerwehr, Leitstelle und Bürgermeister keine Unterstützung. Grund: Das Eis war nicht dick genug und ein Schwan ist ein Wildtier.

Ein Schwan war Sonnabend in Güstrow auf dem Pfaffenteich in Not – aber keiner half ihm. „Einer der Jungschwäne saß nach einer eiskalten Nacht völlig geschwächt auf dem Eis und bewegte sich kein Stück. Spaziergänger sammelten sich an der Stelle und überlegten, wie sie dem Tier helfen könnten“, schreiben unserer Redaktion Franziska Schmidt und Claus-Peter Goldmann aus Güstrow. Verständlicherweise habe keiner den Mut aufgebracht, auf das Eis zu gehen. So begann ein einziger Marathon durch die kommunalen Instanzen. Wiederholt sei die Feuerwehr angerufen worden, schreiben beide. Doch dort sei sich darauf berufen worden, dass ein Schwan ein Wildtier und somit eine Rettung ausgeschlossen sei. Ein Schwan ein Wildtier? Franziska Schmidt: „Es ist ein Tier, das mittlerweile zu unserem Stadtbild gehört. Tagtäglich erfreuen sich viele, viele Menschen an den Schwänen auf dem Pfaffenbruch und dem Pfaffenteich. Für viele Güstrower – ob Groß oder Klein – und Gäste sind sie ein Inbegriff und Ziel der allsonntäglichen Spaziergänge. Und kaum sind sie in Not, sind sie Wildtiere, denen Hilfe in einer Notsituation versagt wird? Wer hat so ein Gesetz fabriziert?“

Doch die Odyssee sei weiter gegangen, schreiben unsere Leser. Die Polizei sei mehrmals verständigt worden. Doch die habe sich auch nicht blicken lassen. „Nun ging’s zum Bürgermeister. Doch der war genauso wenig zu sprechen. Man hatte anderweitig zu tun: Auto ausräumen und Holz sägen ist halt wichtiger...“, heißt es in dem Leserbrief weiter.

Bürgermeister Arne Schuldt sagte dazu gestern gegenüber unserer Zeitung: „Nachdem ich die Information erhalten hatte, wurde sofort der Bereitschaftsdienst des Stadtbauhofes informiert. Bei einer Nachkontrolle am Sonntag war der Schwan aus eigener Kraft verschwunden.“

Auch in einem anderen Fall am Pfaffenteich seien die Instanzen angerufen worden und keiner habe geholfen. Beide Leser schreiben, dass sich damals beim Schwanenvater ein Angelhaken in den Schnabel gebohrt hatte. Unsere Leser fragen: „Wo bleibt die Tierliebe bei den kommunalen Instanzen?“ Und sie schlussfolgern: „Da tun sich administrative und menschliche Lücken auf.“

Landkreis-Dezernent Lutz da Cunha erklärte gestern auf Nachfrage, dass nach seiner Kenntnis der kommunale Ordnungs- und Sicherheitsdienst Güstrow und der Notdienst des Bauhofs sowie Leitstelle und Feuerwehr über das Problem informiert waren. Eine Hilfe sei nicht erfolgt, weil das Eis noch nicht dick genug war und der Schwan noch nicht über einen längeren Zeitraum in Gefahr gewesen sei. Außerdem seien diese Wildtiere nicht besonders geschützt und daher sei tatsächlich keiner für sie „zuständig“. Nur in Ausnahmefällen würde man handeln. Am Sonnabend sei das nicht der Fall gewesen, weil man einen Retter, z.B. einen Feuerwehrmann, in Gefahr gebracht hätte.

Polizeisprecher Gert Frahm informierte, dass die zuständige Leitstelle informiert worden sei. Frahm: „Für die Tierrettung ist der Landkreis zuständig. Mehr war da für die Polizei nicht zu tun.“




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erstellt am 27.Jan.2014 | 18:00 Uhr

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