Güstrower Frauenschutzhaus : Schutzhaus für Frauen in Not

Kerzen für Frauen, die im vergangenen Jahr im Landkreis Opfer häuslicher Gewalt wurden und Hilfe fanden
Kerzen für Frauen, die im vergangenen Jahr im Landkreis Opfer häuslicher Gewalt wurden und Hilfe fanden

Finanzielle Mittel zum Betrieb des Frauenschutzhauses reichen nicht aus: 61 000 Euro Defizit.

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15. Januar 2018, 05:00 Uhr

609 Frauen im Landkreis Rostock wurden im vergangenen Jahr Opfer häuslicher Gewalt, die Zahl stammt von Ende November. 32 von ihnen mussten im Güstrower Frauenschutzhaus Zuflucht nehmen. Mit ihnen gingen 47 Kinder in die Obhut des Vereins Arche, dem Träger der Einrichtung. „Unser Haus ist weit überfüllt, wir mussten 30 Frauen an andere Einrichtungen verweisen“, berichtet Karin Wien, die das Frauenschutzhaus seit vielen Jahren leitet. Und jetzt gerät das Frauenschutzhaus selbst in Not. Die Finanzierung reiche hinten und vorne nicht.

Dabei sei sie stolz darauf, von allen Frauenschutzhäusern in Mecklenburg-Vorpommern „das von den Wohnbedingungen her schönste“ zu haben. Der Stadt Güstrow, die einen Zuschuss in Höhe der Miete gibt, sei sie dankbar dafür, betont Karin Wien. Drei Mitarbeiterinnen sicherten die Angebote des Hauses ab, dafür gibt das Land, neben 14 000 Euro für Sachkosten, einen Festbetrag von je 25 350 Euro. Der Landkreis beteiligt sich an Personal- und Sachkosten. Hinzu kommen pauschal 1000 Euro von der Stadt Teterow und 500 Euro aus Bützow, da aus diesen Städten ebenfalls Frauen Zuflucht in Güstrow finden können. Durch Nutzungsentgelte erwirtschaftet der Verein einen Eigenanteil.

„Die Summe der Geldgeber reicht im Haushalt des Frauenschutzhauses nicht aus“, sagt Karin Wien. Mit 61  000 Euro beziffert sie das Defizit, das aktuell jährlich auf dem Verein laste. Zur Linderung der Sorgen könnte vielleicht ein Träger der Wohlfahrtspflege beitragen – eine vage Hoffnung des Vereins. Verschärft wird die Situation durch die Lage des Vereins selbst. Dessen Mitglieder und Mitstreiter werden älter, und so falle es zunehmend schwer, die „Kraft aufzubringen, dieser verantwortungsvollen Aufgabe voll gerecht zu werden“, so Wien.

Da kommt es zur Unzeit, dass Wiens Arbeitsverhältnis am Jahresende endet. Denn, das habe sie in verschiedenen Gesprächen deutlich herausgehört: Für das bisher gezahlte Gehalt für diese harte, anstrengende, hochqualifizierte Arbeit, bei der es manchmal für die betroffene Frau und ihre Kinder auf Leben und Tod gehe, „fangen Jüngere gar nicht erst an“. Karin Wien gibt zu, dass auch sie sich erst jetzt, da sie vor dem Ruhestand steht, traue, dies offen anzusprechen. Entlohnt werden würden die Mitarbeiterinnen nach BAT Ost (Bundesangestelltentarif) – eingefroren auf den Stand 2004.

Um auf die seit Jahren angespannte finanzielle Ausstattung der Frauenschutzhäuser aufmerksam zu machen, gab es 2014 eine Demonstration vor dem Schweriner Landtag. Das Anliegen sei „im Sande verlaufen“, so Wien, ein Schreiben an die Landtagsabgeordneten vor zwei Jahren habe nichts gebracht, und auf eine Antwort von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig auf einen Brief im vergangenen Jahr warte man auch noch.

Frauenschutzhaus Güstrow

Das Güstrower Frauenschutzhaus ist nach Auskunft des Trägervereins als eines von neun in MV die einzige Einrichtung im Landkreis, die Frauen bei häuslicher Gewalt Unterstützung anbietet. Es hat 20 Plätze in sieben Wohnungen. Die wichtigsten Aufgaben des Vereins Arche, der das Güstrower Frauenschutzhaus betreibt:

- stationäre Hilfe (zeitweilige Unterkunft für von Gewalt bedrohten Frauen und ihre Kinder)

- ambulante Beratung (wenn die häuslichen Bedingungen noch so sind, dass stationäre Aufnahme noch nicht notwendig ist oder von der betroffenen Frau nicht gewünscht wird)

- Nach-Beratung (ambulante Betreuung nach Entlassung)

- Präventionsarbeit

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