Flüchtlingskinder : Schulen haben Integration im Griff

Unter den Neuankömmlingen sind viele schulpflichtige Kinder, die noch kein Wort Deutsch verstehen. Doch die Integration an den Güstrower Schulen gelingt dank vieler ehrenamtlicher Helfer gut.
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Unter den Neuankömmlingen sind viele schulpflichtige Kinder, die noch kein Wort Deutsch verstehen. Doch die Integration an den Güstrower Schulen gelingt dank vieler ehrenamtlicher Helfer gut.

72 Flüchtlingskinder werden derzeit in Güstrow unterrichtet.

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18. Juni 2016, 05:00 Uhr

Nach der Flüchtlingswelle im vergangenen Jahr und den damit verbundenen Herausforderungen für Schulen und Kindereinrichtungen, hat sich in MV die Zahl der Kinder und Jugendlichen aus Flüchtlingsfamilien in den letzten Monaten auf einem nahezu gleichbleibenden Niveau eingepegelt, wie jüngst das Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur bekannt gab. Derzeit werden rund 5500 Flüchtlingskinder im Land beschult – in Güstrow sind es mit Stand April 72. „In der Barlachstadt ist ebenfalls kein Anstieg der Schülerzahlen durch Kinder aus Flüchtlings- und Asylbewerberfamilien zu verzeichnen“, bestätigt auch Stadtsprecherin Karin Bartock.

„In den vergangenen Monaten sind weniger Familien mit schulpflichtigen Kindern aus den Krisengebieten der Welt nach Mecklenburg-Vorpommern gekommen“, erklärt Bildungsminister Mathias Brodkorb die aktuelle Entwicklung. Diese Situation sorge für eine gewisse Entspannung, auch wenn die Integration den Lehrern und Schülern viel abverlange, sagt Brodkorb weiter. Das bestätigt auch Gisela Karmann, Leiterin des Schulverwaltungs- und Sozialamts der Barlachstadt. „Die Integration von Flüchtlingen in Güstrow gelingt dank vieler Akteure und ehrenamtlicher Helfer. Sie muss aber von beiden Seiten gepflegt und vertieft werden. Wünschenswert sind mehr Toleranz und Verständnis von allen Seiten“, gibt die Amtsleiterin zu bedenken.

Ein erster Schritt der Integration ist das Erlernen der deutschen Sprache. Schüler, die sich nicht elementar verständigen können, besuchen zunächst einen Deutsch-Intensivkurs. In Güstrow werden derartige Sprachkurse an zwei Standorten angeboten: in der Schule am Inselsee sowie der Regionalen Schule Thomas Müntzer zusammen mit der Fritz-Reuter-Grundschule. „Alles in allem haben die Schulen die Integration von Kindern und Jugendlichen aus Flüchtlingsfamilien gut gemeistert“, lobt Mathias Brodkorb. Schüler und Lehrer tragen ihrerseits dazu bei, dass sich die Flüchtlinge in MV willkommen fühlen, fügt der Bildungsminister hinzu.

Für die Flüchtlingskinder werden zusätzliche Mittel für den Unterricht bereitgestellt. Für den zusätzlichen Raumbedarf werden Horträume genutzt. Dadurch entstehen hierfür keine weiteren Kosten für die Barlachstadt. Für den Gemeindeanteil an den Betreuungskosten der Kinder aus Flüchtlings- und Asylbewerberfamilien wurden im Jahr 2015 rund 180 000 Euro bereitgestellt, resümierte Gisela Karmann während der Diskussionen zum Haushaltsplan 2016/17. Zusätzlich stellte das Land mit Beginn des laufenden Schuljahrs 100 Stellen für den Unterricht im Fach „Deutsch als Zweitsprache“ – weitere 60 Stellen kamen im Laufe des Schuljahres hinzu. Es seien insgesamt 95 Lehrkräfte und 27 Erzieher eingestellt worden, ist aus dem Bildungsministerium zu erfahren. „Wir haben im laufenden Schuljahr bewusst deutlich mehr Stellen zur Verfügung gestellt, als wir tatsächlich benötigt haben“, erläutert Brodkorb und fügt hinzu: „Nicht alle Stellen sind daher besetzt. Dies ist aber kein Nachteil, sondern führt dazu, dass wir immer handlungsfähig sind. Bei steigenden Flüchtlingszahlen können wir weitere Lehrer beschäftigen“, gibt der Bildungsminister einen Ausblick.

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