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Babybedenkzeit : Schüler werden zu Eltern auf Probe

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Pro Familia und Awo-Familienbildung machen Jugendliche „Fit für Familie“ – Babybauch- und Säuglings-Simulator inklusive.

von
erstellt am 16.Mär.2017 | 05:00 Uhr

„Uff, ganz schön schwer so ein Babybauch“, stellt Schülerin Anna Lena Revens fest, als ihr Jacqueline Garske von Pro Familia eine acht Kilogramm schwere Weste anlegt, die den Bauch einer Schwangeren im neunten Monat simulieren soll. Auch der 14-jährige Fabian Budde wagt den Selbstversuch. Als sich der Schüler aus der Waagerechten wieder aufrichten soll, hat er sichtlich zu tun. „Das ist ja die Hölle“, gibt er unumwunden zu. „Da kann man mal sehen wie schwer eine Schwangere zu tragen hat“, macht Jacqueline Garske mit einem Lächeln auf den Lippen deutlich. Der Babybauch-Simulator, den die Schüler gestern Nachmittag tragen dürfen, ist Teil des gemeinsamen Projektes „Fit für Familie“ von Pro Familia und der Awo-Familienbildung.

„An zunächst vier Projekttagen lernen die Schüler viel über die Themen Familie, Sexualität, Liebe, Verhütung und Schwangerschaft. Am Ende – und das ist immer der Höhepunkt – steht das Elternpraktikum“, erklärt Ilona Hänsel, Leiterin der Awo-Familienbildung in Güstrow. „48 Stunden lang beaufsichtigen die Schüler dann einen Baby-Simulator, der den Umgang der Jugendlichen mit dem Kind aufzeichnet“, ergänzt die Diplomsozialpädagogin.

Seit 2009 führt die Awo dieses Projekt mit wechselnden Schulen durch – diesmal mit dem Landesförderzentrum für den Förderschwerpunkt „Hören“. „Pro Familia ist seit drei Jahren dabei. Wir ergänzen uns toll“, schwärmt Ilona Hänsel. Mit Jacqueline Garske verbinde sie eine gemeinsame Linie. Besonders der lockere Umgang mit dem Thema sei wichtig. „Die Schüler sollen sich trauen alles zu fragen, was ihnen unter den Nägeln brennt“, sagt Ilona Hänsel. Zwar schallt hier und da mal ein Lachen durch die Räume, aber die Schüler sind neugierig und stellen kluge Fragen – auch beim gestrigen Besuch in der gynäkologischen Praxis von Susan Thoß in der Hansenstraße. Hier stand das Thema Verhütung auf der Agenda. „Sogar die Jungs sind bei der Sache – das ist nicht immer so“, lobt Ilona Hänsel. Dass das Projekt nicht in der Schule stattfindet, sei dabei ein wesentlicher Aspekt.

„Als Schule ist uns der Lebensbezug wichtig. Das Projekt unterstützt einerseits die Unterrichtsinhalte und gibt Impulse für die Planung des eigenen Lebenswegs“, erklärt Schulsozialarbeiterin Corina Schafstädt und formuliert damit auch ein erklärtes Ziel von „Fit für Familie“. „Es geht nicht darum Angst zu machen, sondern aufzuklären und Anlaufstellen bekannt zu machen“, ergänzt Ilona Hänsel.

Berührungsängste kannten die Jungen und Mädchen gestern jedenfalls nicht. Am Ende wollte sich jeder von ihnen mit dem Babybauch-Simulator einen Augenblick lang schwanger fühlen und zum Ende des Monats warten zwei aufregende Tage mit dem Baby-Simulator auf die Eltern auf Probe.

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