zur Navigation springen

Stolpersteine : Schüler putzen gegen das Vergessen

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Stolpersteine in der Güstrower Innenstadt gestern wieder sichtbarer gemacht.

Geschichtsunterricht auf der Straße erlebten gestern Schüler der Freien Schule Güstrow. Ausgestattet mit Putzlappen und Reinigungsmittel säuberten sie 17 Stolpersteine. In Güstrow erinnern diese Steine an Juden, die in der Hansenstraße, im Krönchenhagen, in der Domstraße und in der Baustraße lebten. Am 11. Juli 1942 waren die letzten Güstrower Juden deportiert, die meisten von ihnen später in Konzentrationslagern umgebracht worden. Zwei Stolpersteine sollen für Max und Margarete Marcus in der Domstraße 14 noch hinzu kommen. Die Güstrower Stadtvertretung wird heute Abend dazu beschließen.

17 Schüler der 9./10. Klasse hatte Peggy Tetzlaff diesmal mitgebracht. „Ich möchte, dass jeder Schüler in seiner Schulzeit einmal Stolpersteine putzt“, erklärt die Lehrerin an der Freien Schule Güstrow. Die Mädchen und Jungen der Freien Schule solle wissen, was Stolpersteine sind, fügt sie hinzu. Seit vier Jahren organisiert die Lehrerin Putzaktionen im Mai und wenige Tage vor dem 9. November, der Reichspogromnacht. Und so trafen sich auch gestern die Schüler im Krönchenhagen an der Stelle, wo am 9. November 1938 die Synagoge brannte. Sarah Kerstan, Gemeindepädagogin der Domgemeinde, berichtete den Schülern kurz über das Leben der jüdischen Gemeinde in Güstrow, über Drangsalierungen und Deportation und mahnte, dass Geschichte sich nicht wiederholen dürfe. In schwierigen gesellschaftlichen Situationen neige der Mensch dazu, schnell einen Schuldigen auszumachen.

„Ich sehe es als eine Art Geste gegenüber den Opfern“, sagt Jean-Claude Mittelstädt aus Techentin, der wie Niklas John gestern schon zum zweiten Mal Stolpersteine putzte. „Es darf nicht vergessen werden, welches Leid den Juden angetan wurde“, fügt Niklas John hinzu.

zur Startseite

von
erstellt am 20.Okt.2016 | 05:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen