Brinckman-Brunnen : Schönheitskur für Fuchs und Igel

Ortstermin am Alex: Steinmetz Thomas Borgwardt besah sich zusammen mit Behrend Böckmann und Dieter Kölpien (v. r.) den Schaden am Brinckman-Brunnen „Voß un Swinegel“.
Ortstermin am Alex: Steinmetz Thomas Borgwardt besah sich zusammen mit Behrend Böckmann und Dieter Kölpien (v. r.) den Schaden am Brinckman-Brunnen „Voß un Swinegel“.

Brinckman-Brunnen am Güstrower Alex soll saniert werden / Plattsnacker aus Güstrow warben erneut erfolgreich für Spenden ein

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21. März 2015, 06:00 Uhr

Wenn am 3. Mai das Brunnenfest in der Barlachstadt gefeiert wird, soll dieses Mal auch der Brinckman-Brunnen „Voß un Swinegel“ mit einbezogen werden. Die in der John-Brinckman-Gesellschaft organisierten Güstrower Plattsnacker, die schon im vergangenen Jahr eine Sammlung für die Grabstätte des niederdeutschen Dichters und Güstrower Ehrenbürgers John Brinckman initiiert hatten, schlossen ein neues Projekt an. Nun lautete das Ziel, Geld für die Sanierung des Brunnens zu sammeln. „Die Aktion ist beendet, wir haben dank zweier Großspenden und zahlreicher Gaben der Güstrower die Mittel zusammen“, erklärte Dieter Kölpien.

Steinmetz Thomas Borgwardt, dessen Firma die Arbeiten an der Grabanlage ausgeführt hatte, besah sich bei einem Vororttermin die Schäden an dem vor mehr als 100 Jahren von dem Bildhauer Prof. Wilhelm Wandschneider geschaffenen Denkmal. „Schadstellen befinden sich an der Stele und am Kapitell. Außerdem muss die Brunneneinfassung neu verfugt werden“, benannte er einige Aufgaben. Allerdings dürfen die Plattsnacker den Reparaturauftrag nicht einfach auslösen. „Der Brunnen ist Eigentum der Stadt. Also muss zunächst die Stadtvertretung entscheiden, ob sie die zweckgebundene Spende annimmt. Danach kann der Auftrag ohne Ausschreibung ausgelöst werden“, erklärte Robert Meyer von der Bauverwaltung. Die Annahme der Spende ist inzwischen ein Tagesordnungspunkt auf der nächsten Sitzung der Stadtvertreter am 26. März.

Im Laufe der Jahre haben Fuchs und Igel schon so manches erlebt. Gestiftet hatte das Denkmal Max Brinckman, der älteste Sohn des Dichters. Die feierliche Enthüllung wurde am 3. Juli 1908, dem 94. Geburtstag Brinckmans, vorgenommen. Als Motiv diente eine Szene aus der Erzählung „Voß un Swinegel orer dat Brüden geiht üm“, die 1854 bei Opitz & Co in Güstrow gedruckt worden war. Als in den 1960er-Jahren die Straßenführung am „kleinen Alex“ geändert wurde, musste das Denkmal um einige Meter versetzt werden. Eine Linde, die gefällt wurde, fiel damals auf die Stele, so dass sie umkippte. In der Ausgabe der SVZ vom 11. April 1967 wurde mit einem Foto davon berichtet. In der Nacht zum 4. Februar 2002 wurde der Igel das Opfer von Vandalen. Diese brachen die kleine Bronzefigur aus der Grundplatte und entwendeten sie. Die Empörung der Güstrower artikulierte sich in der „Schweriner Volkszeitung“. Ein entsprechender Aufruf sprach offenbar das Gewissen des oder der unbekannten Täter an, denn nur zwei Tage später entdeckte eine Polizeistreife das am Brunnen abgelegte Diebesgut.

Heute wie damals ist der Brunnen ein Anziehungsplatz für Kinder. Besonders gern „reiten“ sie auf dem Swinegel. Daran erinnert sich auch die 91-jährige Ursula Pahl. Ein Jahr nach ihrer Geburt war sie mit ihrer Familie vis-a-vis in das Haus Neue Wallstraße 2, damals Hindenburgwall 2, gezogen. „Wir Kinder haben gern am Brunnen gespielt. Das war eine schöne Zeit“, erinnert sie sich. Ursula Pahl, die schon für Brinckmans Grabanlage gespendet hatte, wollte auch etwas zur Brunnensanierung beisteuern. Dieter Kölpien konnte ihr das nicht ausreden, sie bestand darauf.  

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