Crash Kurs MV : Schockierende Fotos und Berichte von Unfällen

Der Notarzt Dr. Gernot Rücker erzählte im Güstrower Bürgerhaus die Geschichte der 21-jährigen Nicki, deren Leben nach einem Unfall am seidenen Faden hing.
Der Notarzt Dr. Gernot Rücker erzählte im Güstrower Bürgerhaus die Geschichte der 21-jährigen Nicki, deren Leben nach einem Unfall am seidenen Faden hing.

Verkehrssicherheit: Rettungskräfte berichten im Güstrower Bürgerhaus von ihren Einsätzen

svz.de von
11. September 2015, 06:00 Uhr

Musik spielt, als der Projektor furchtbare Bilder auf die Leinwand wirft: tote oder schwer verwundete Menschen, zerstörte Fahrzeuge, um das Leben von Verunglückten kämpfende Ärzte, Sanitäter und Feuerwehrleute. Das landesweite Verkehrssicherheitsprojekt „Crash Kurs MV“ setzt auf Emotionalität und Nachhaltigkeit, auch auf Schockierendes. Vor 140 Schülern und Auszubildenden der Beruflichen Schule am KMG-Klinikum Güstrow fand im Bürgerhaus jetzt die dritte Veranstaltung in diesem Jahr im Bereich des Polizeipräsidiums Rostock statt.

Kernstück des Präventionsprogramms für junge Laute sind die Berichte von Rettungskräften sowie die Schilderungen eines Hinterbliebenen. Da erzählte zunächst die junge Polizistin Nicol Engel, wie sie selbst einen Unfall er- und überlebte. Der Schweriner Berufsfeuerwehrmann Markus Eichwitz verbrachte einen schönen Sommerabend im Kreise der Familie, als er zu einem schweren Unfall gerufen wurde. Fünf junge Menschen waren mit ihrem Fahrzeug gegen einen Baum gekracht. Zwei waren sofort tot, den Fahrer musste die Feuerwehr mit Rettungsschere und Spreizer aus dem Wrack schneiden. Der Greifswalder Notarzt Dr. Gernot Rücker erzählte die ergreifende Geschichte der 21-jährigen Niki, die mit 130 Km/h gegen einen Baum gefahren war und zig Operationen über sich ergehen lassen musste. Nach Monaten im Krankenhaus musste sie mit einem sieben Zentimeter kürzeren Bein und vielen Narben leben. „Eine Zehntelsekunde Unaufmerksamkeit und viel zu hohe Geschwindigkeit hat ihr Leben total verändert“, so der Arzt.


Nachricht vom Unfalltod überbracht


Der Polizeiseelsorger Stephan Handy schilderte, wie er einer befreundeten Familie die Nachricht vom Unfalltod ihrer Tochter überbringen musste. „Daran ist diese Familie zerbrochen“, schloss er. Und schließlich der erschütternde Bericht eines Vaters, der gegen Mitternacht die Gewissheit erhielt, dass sein Sohn ohne eigene Schuld mit dem Motorrad tödlich verunglückt ist.

Atemlose Stille herrschte im Bürgerhaus, als die Projektteilnehmer ihre Geschichten erzählten. Und immer schlossen die Redner mit der Mahnung: „Fahrt nicht zu schnell, setzt euch nicht unter dem Einfluss von Alkohol oder Drogen ans Steuer! Übernehmt Verantwortung für euer und anderer Leben!“

Christiane Langner, Leiterin der Beruflichen Schule, hatte keine Sekunde gezögert, als ihr die Polizei das Projekt anbot. „Wir haben an unserer Schule viele Auszubildende, die täglich am Straßenverkehr teilnehmen. Und man hört immer wieder von nicht angeschnallten oder durch das Handy abgelenkten Fahrern“, sagt sie und hofft, dass die Veranstaltung möglichst lange in den Köpfen der jungen Leute bleibt. Nach der ungewöhnlichen Unterrichtsstunde bilden sich Gruppen vor dem Bürgerhaus, sprechen die Azubis über das Erlebte. „Ich kannte die Leute aus einem hier geschilderten Unfall. Da ist es besonders schlimm“, sagt Laura Krackow, die in Bützow lebt. Die 21-Jährige ist angehende Gesundheits- und Krankenpflegerin.  




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