Schockierende Fotos und Berichte

Schilderten ihre Erlebnisse und Emotionen: Kontaktbeamter René Kulow, Moderatorin Anke Wedlich, Polizeiseelsorger Stephan Handy, Notarzt Gernot Rücker und Angehöriger Ottmar Saffan (v.l.).
Schilderten ihre Erlebnisse und Emotionen: Kontaktbeamter René Kulow, Moderatorin Anke Wedlich, Polizeiseelsorger Stephan Handy, Notarzt Gernot Rücker und Angehöriger Ottmar Saffan (v.l.).

„CrashKurs MV“ soll junge Menschen für verantwortungsvolle Teilnahme am Straßenverkehr sensibilisieren

svz.de von
05. November 2014, 23:00 Uhr

Zu einer Veranstaltung der Reihe „CrashKurs MV“ hatte die Polizei gestern in die Aula der Beruflichen Schule Güstrow eingeladen. Vor 170 Berufsschülern zitierte Moderatorin Anke Wedlich von der Polizeiinspektion Schwerin zunächst die Statistik: 80 Menschen verloren 2013 auf den Straßen Mecklenburg-Vorpommerns ihr Leben, darunter 16 im Alter der Berufsschüler. 16 unbesetzte Stühle, auf denen weiße Kreuze lagen, erinnerten daran. „Ich selbst bin Mutter von zwei heute 22 und 24 Jahre alten Söhnen. Es gab so viele Nächte, in denen ich erst ruhig wurde, als die Kinder von der Disco oder einer Feier wohlbehalten zurück waren“, erzählte sie. Aber manche Eltern warteten vergebens auf den Sohn oder die Tochter. Stattdessen stand die Polizei oder ein Seelsorger in der Tür und überbrachten die traurige Nachricht, die oft das Leben ganzer Familien grundlegend veränderte.

Das Projekt, das die Jugendlichen für eine verantwortungsvolle Teilnahme am Straßenverkehr sensibilisieren soll, sparte nicht mit schockierenden Fotos. Da lag ein am Unfallort Verstorbener unter einem weißen Tuch, nur ein Arm sah hervor, ein Schuh lag daneben. Dazu schilderten Beteiligte an der Rettungskette ihre Erlebnisse vor Ort. Renè Kulow, Kontaktbeamter aus Rostock, berichtete von seinen Aufgaben bei der Aufnahme eines Unfalls. Nie werde er den Tag vergessen, als er zu einem schweren Unfall gerufen wurde. Dass es keine Schreie der Beteiligten gab, hatte einen Grund: Alle vier Berufsschüler aus dem Unfallauto waren sofort tot. „Sie waren zu spät dran, und sie waren zu schnell“, erzählte Kulow. Lange hätten ihn die Bilder dieses Unfalls nicht losgelassen.

Dr. Gernot Rücker, Notarzt auf einem Rettungshubschrauber, schilderte den Unfall der 21-jährigen Niki, bei deren Rettung es auf jede Minute angekommen sei. Die junge Frau sei eine Sekunde unaufmerksam gewesen und mit 130 km/h gegen einen Baum gefahren. Lang war die Liste der Brüche, Organquetschungen und Hämatome, die die Verunglückte erlitten habe. „Im Schockraum des Krankenhauses kämpften 20 Menschen um das Leben von Niki“, berichtete Rücker. Es habe zig Operationen bedurft, um ihr Leben zu retten. Nach Monaten habe sie ein sieben Zentimeter kürzeres Bein und viele Narben davongetragen. „Ihr Leben hat sich in dieser einen Sekunde völlig verändert“, sagte der Mediziner.

Während der angekündigte Feuerwehrmann vermutlich wegen eines Einsatzes fehlte, schilderten ein Polizeiseelsorger und ein Angehöriger eines tödlich Verunglückten ihre Empfindungen. Für zwei junge Frauen aus dem Publikum waren die Darstellungen zu hart. Nach Schwächeanfällen mussten sie den Raum verlassen. „Wir wollen nicht mit erhobenem Zeigefinger warnen, sondern die harte Realität schildern. Vielleicht erreichen wir so die jungen Zuhörer“, brachte Moderatorin Wedlich das Anliegen des Projektes auf den Punkt.



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