Vorgestellt : „Schnute auf dem richtigem Fleck“

SVZ stellt in den Gemeinden neu gewählte Bürgermeister vor / Heute: Grit Goldbach, Glasewitz

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21. Juli 2014, 06:00 Uhr

Eher selten war die Konstellation zur Bürgermeisterwahl in Glasewitz: Alt-Bürgermeister Harald Berndt kandidierte nicht mehr für dieses Ehrenamt, die Wählergemeinschaft „Gemeinde Glasewitz“, der Berndt selbst angehört, wandte sich an Grit Goldberg. „Das lag ja nahe“, sagt Ehemann Maik (44), „denn so bekommt die Sache auch einen Namen.“

„Die Sache“ – das bezeichnet jahrelanges Kümmern um Probleme von Leuten aus dem Dorf, das Grit Goldbach ohnehin eigen ist. „Ich bin im Ort aufgewachsen und war schon lange ein Anlaufpunkt für Sorgenkinder. Vor allem die Älteren kennen mich ja alle von klein auf. Da ist das so gewachsen“, bestätigt die geborene Güstrowerin.

Grit Goldbach, die sich bei der Wahl gegen Einzelbewerber Tim Otte (133:31 Wählerstimmen) deutlich durchgesetzt hatte, kommt völlig „unbeleckt“ in ihr neues Amt. Nicht mal Sitzungen der Gemeindevertretungen habe sie vorher besucht, bekennt sie. Und meint, zumindest Betriebsblindheit könne ihr also erst mal nicht anhaften. Außerdem: „Ich musste mich immer in alles reinfinden, das werde ich auch jetzt. Und es gibt ja eine tolle Gemeindevertretung.“ Andreas Schnee und Gert-Michael Kayatz sind da ihre Stellvertreter, auch Alt-Bürgermeister Harald Berndt wirkt weiter in der Wählergemeinschaft und der Gemeindevertretung mit. Goldberg: „Da hab ich also keine Bange.“

Ganz wichtig sei ihr die finanzielle Situation der Gemeinde. Die sei gut aufgestellt, habe keinen Druck. „Das wusste ich im Vorfeld. Wenn ich das Amt ausübe, möchte ich auch entscheiden und gestalten können. Dass das auch in Zukunft so bleibt, werde ich im Auge behalten“, verspricht das neue Gemeindeoberhaupt. Speziell wolle sie auf sinnvolle Verwendung des Gewinns aus den Windrädern achten. Nächstes Vorhaben der Gemeinde: die neue Dorfstraße im Ortsteil Dehmen; Baubeginn in den nächsten Tagen. Ein weiteres wäre die Neugestaltung der Bushaltestelle, zusammen mit den Kindern. „Der Zusammenhalt der ,alten’ und der ,neuen’ Glasewitzer ist mir besonders wichtig“, erklärt Grit Goldbach. Zusammenführen, was sich in den letzten Jahren nach ihrer Beobachtung etwas voneinander „abgeseilt“ habe.


„Arbeitstier“ mit Gehör für jedermann


Sich selbst und ihren Mann bezeichnet die 45-Jährige als „Arbeitstiere“. Mal eine Woche Urlaub in den letzten Jahren habe reichen müssen für die Unternehmerin. Selbstständig war sie nicht immer. Ausgebildet als Spirituosenfacharbeiterin, arbeitete sie 20 Jahre bei Winkelhausen, zuletzt als Produktionsleiterin. Vor acht Jahren traf sie die Entscheidung, sich selbstständig zu machen in einem völlig anderen Metier: Güterkraftverkehr und Lagerung betreibt Grit Goldbach mit ihrem Unternehmen „Trans-Go-Logistik“. Direkt am Ort, das passte, als sie vor drei Jahren das Gelände an der Durchgangsstraße übernehmen konnte, weil „Teckentrup“ seinen Standort Glasewitz schloss. 14 Angestellte beschäftigt sie heute hier im Fuhrpark und ist stolz darauf, dass auch Sohn David (23) dazu gehört. Ehemann Maik arbeitet als eigenständiger Unternehmer der Firma zu, „Hand in Hand“ wie sie es nennen.

Das Firmenbüro, in dem Grit Goldbach meistens anzutreffen ist, wird vermutlich weiterhin erster Anlaufpunkt sein. „Das ist jetzt praktisch das Gemeindebüro“, sagt die Bürgermeisterin. Hier habe bisher jeder Gehör gefunden. Durch die Kinder, Tochter Gina ist zwölf, stecke sie auch in den jüngeren Generationen der Gemeinde mit drin, wie sie es ausdrückt. Goldbachs Maxime: „Die Leute wollen ihre Probleme geklärt haben, ohne dass ellenlang debattiert wird.“ Und wenn es doch mal drauf ankomme, baut sie darauf, dass sie „die Schnute auf dem richtigen Fleck“ habe, wie sie sagt. Maik Goldbach, wer wüsste das besser, über seine Frau und Bürgermeisterin: „Leute mobilisieren, das kann sie.“


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