Landrat im SVZ-Interview : „Schnell ein Dach über dem Kopf“

Landrat Sebastian Constien geht in diesem Jahr von 2700 Flüchtlingen für den Landkreis aus.
Landrat Sebastian Constien geht in diesem Jahr von 2700 Flüchtlingen für den Landkreis aus.

SVZ-Interview mit Landrat Sebastian Constien (SPD) zur aktuellen Flüchtlingssituation im Landkreis Rostock

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11. September 2015, 06:00 Uhr

Die Flüchtlingsproblematik stellt den Landkreis Rostock vor große Herausforderungen und bewegt gleichzeitig viele Menschen. Aktuell leben hier 1600 Asylsuchende und täglich werden es mehr. Die Prognosen müssen ständig nach oben korrigiert werden – so wie die Kosten. Landrat Sebastian Constien (SPD) war am Mittwoch beim Krisengipfel bei Innenminister Lorenz Caffier (CDU). SVZ-Redakteur Jens Griesbach sprach mit Constien.

Hat das Land dem Landkreis konkrete Hilfen, auch finanzielle, bei der Unterbringung und Betreuung der Flüchtlinge zugesagt?

Constien: Das Land übernimmt alle Kosten für Unterbringung, Bewachung etc. für die Flüchtlinge. MV ist übrigens das einzige Land, dass diese Unterstützung an die Kreise weiter gibt. Damit ist uns eine große finanzielle Last genommen. Bei der steigenden Zahl der Flüchtlinge, wird das Land künftig noch mehr Geld geben müssen. Wir haben die Zusage bekommen, dass das Land die Erstaufnahmekapazitäten erweitert. Auch das entlastet uns. Zudem gab es die Zusicherung, dass wir weiter Personal einstellen können, um unsere Aufgaben zur Unterbringung der Flüchtlinge bewältigen zu können.

Der Landkreis stößt bei der Unterbringung an seine Grenzen, erste Notunterkünfte wurden eingerichtet. Bekommt der Kreis kurzfristig vom Land noch mehr Flüchtlinge zugewiesen? Ist überhaupt ein Ende abzusehen?

Nein, eine Aussage, dass kurzfristig mit sprunghaft steigenden Zahlen und außerplanmäßigen Zuweisungen von Flüchtlingen zu rechnen ist, gab es nicht. Wir bekommen nach einem festgelegten Verteilungsschlüssel Flüchtlinge zugewiesen. Aber gingen wir Anfang des Jahres noch von 800 Asylsuchenden aus, liegt unsere interne Prognose mittlerweile bei 2700. Es ist nicht auszuschließen, dass noch mehr kommen.

Will das Land auch landeseigene Liegenschaften im Landkreis für Asylsuchende zur Verfügung stellen?

Das spielt für den Landkreis momentan keine Rolle. Landeseigene Liegenschaften stehen zurzeit nicht zur Verfügung. Es ist nicht geplant, sie für die Unterbringung von Flüchtlingen heranzuziehen.

Müssen jetzt weitere Notunterkünfte (Container, Zeltdörfer, Turnhallen) eingerichtet werden oder plant der Kreis gar den Neubau zentraler Asylbewerberheime?

Ein Neubau ist nicht geplant. Es sind aber auch keine Container- oder Zeltdörfer geplant. Eine Notunterkunft existiert bereits in Bad Doberan. Wir werden jetzt in der ehemaligen Berufsschule in Jördenstorf eine weitere Notunterkunft für circa 100 Personen einrichten, die bald bezugsfertig ist. Wann hier die ersten Flüchtlinge einziehen ist noch nicht klar. Es ist eine Notunterkunft, weil hier keine dauerhafte Unterbringung möglich ist. Wichtig ist, dass die Leute schnell ein Dach über dem Kopf haben.

Es gibt viel ehrenamtliches Engagement für Flüchtlinge im Landkreis. Aber es gibt auch Kundgebungen gegen Flüchtlinge, sogar Übergriffe. Muss das Sicherheitspersonal an den zentralen Unterkünften verstärkt werden?

Das Wachpersonal an zentralen Gemeinschaftsunterkünften wird bereits verstärkt. Das hat der Innenminister so angeordnet. Diese Sicherheitsstandards sollen zukünftig auch für Unterkünfte gelten, die so ähnlich wie Gemeinschaftsunterkünfte sind, wie z.B. der Wohnblock in der Werner-Seelenbinder-Straße in Güstrow. Ich verurteile jegliche Übergriffe auf Flüchtlinge oder auf Personen, die sich für Flüchtlinge engagieren. In der jetzigen Situation mit Gewalt zu reagieren ist verächtlich. Ansonsten bin ich dankbar für das große Netzwerk der Flüchtlingshilfe in unserem Landkreis. Und diese Hilfe nimmt stark zu. Das ist ein schönes Zeichen.

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