Glocken in Güstrow : Schmerzliche Kriegswunde schließt sich

Zuerst wurde die Marienglocke, begrüßt von zahlreichen Güstrowern, vom Transporter gehoben.  Fotos: Christian Menzel (3)
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Zuerst wurde die Marienglocke, begrüßt von zahlreichen Güstrowern, vom Transporter gehoben. Fotos: Christian Menzel (3)

Zahlreiche Güstrower feierten mit Pastor Ortmann und der Kirchgemeinde Ankunft der neuen Glocken für die Pfarrkirche St. Marien.

svz.de von
06. März 2016, 20:45 Uhr

Mit einer Andacht begrüßten Pastor Matthias Ortmann und viele Güstrower, es mögen an die 200 gewesen sein, am Sonnabend zur Mittagszeit die drei neuen Glocken der Pfarrkirche. „Es berührt das Herz, wenn wir bedenken, dass hier auch eine schmerzliche Wunde geschlossen wird, die der Krieg 1942 geschlagen hat“, sagte Ortmann. Damals waren die Bronzeglocken für Kriegszwecke eingeschmolzen und 1951 durch Stahlglocken ersetzt worden.

Am frühen Morgen war die mit einem Tieflader aus der Glockengießerei Lauchhammer transportierte Fracht in Lalendorf umgeladen worden. Kurz vor 9 Uhr fuhr das Spezialfahrzeug auf das Gelände der Friedhofsgärtnerei, der ersten Station in Güstrow. Mitglieder der Pfarrgemeinde schmückten die Glocken mit Kränzen, Girlanden und Bändern. Mit Polizeieskorte passierte der Zug kurz vor 11 Uhr die Hageböcker Straße. Vor der Pfarrkirche hatten sich zu diesem Zeitpunkt bereits zahlreiche Menschen versammelt. Der Posaunenchor spielte, alle Glocken der Stadt läuteten zur Begrüßung. Fotoapparate, Handys und Videokameras liefen auf Hochtouren, als die kleinste Glocke – die Marienglocke – vom Kranarm gehalten vor das Kirchenportal schwebte. Immer mehr Menschen füllten den Vorplatz, Autos hatten längst keine Chance mehr, zu passieren. Unter die Zuschauer hatte sich auch Mitchell Grell gemischt, der „Amerikaner“, der im September die Nachfolge von Matthias Ortmann antreten wird. „Ein solches Jahrhundertereignis darf man sich nicht entgehen lassen. Und dann können wir sogar drei Glocken begrüßen, phantastisch“, schwärmte er. Jörg Rexin freute sich, dass der vom Kirchgemeinderat vor Jahren gefasste Beschluss der Glockenerneuerung nun endlich umgesetzt ist. Die vergangenen Jahre hatte sich das Gremium, dem Rexin als 2. Vorsitzender angehört, intensiv mit der Planung für das Vorhaben befasst.

Derweil brachte Matthias Ortmann jede Glocke mit einem kräftigen Hammerschlag zum Klingen. „Qualitätskontrolle?“, mutmaßte ein Kiebitz. „Nein“, erklärte Glockenspezialist Udo Griwahn, „die Qualitätskontrolle hat der Glockensachverständige Claus Peter schon in der Gießerei vorgenommen. Er bestätigte, dass die Glocken genau so klingen wie es vorher abgesprochen war.“ Und schmunzelnd fügte er an: „Das ist gut und schlecht für die Kirchgemeinde. Gut, dass alles in Ordnung ist, weniger gut, dass nun die Rechnung fällig wird.“

Der Grimmener Glockenbauer war für den Transport in die Kirche verantwortlich. Für die Montage wird er erneut anreisen. „Der allerletzte Arbeitsgang wird sein, die richtige Intonation des Geläuts einzustellen“, blickte er voraus. Zum Konfirmations-Gottesdienst am Pfingstsonntag sollen die Glocken zum ersten Mal erklingen. Jetzt bleiben sie aber für etwa sechs Wochen im Eingangsbereich der Kirche stehen. „Jeder kann kommen, sie ansehen, anfassen und bestaunen“, lautete die Einladung von Pastor Ortmann am Ende der kleinen Andacht.




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