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Güstrower Anzeiger

17. November 2017 | 20:44 Uhr

Schlammlawine wälzt sich durchs Dorf

vom

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erstellt am 30.Aug.2012 | 06:06 Uhr

Glasewitz | Das haben die Glasewitzer noch nicht erlebt: Als gestern früh das schwere Gewitter übers Dorf zog, lösten die Regengüsse Erde vom Acker, die sich aus der kleinen Straße Am Sportplatz als Schlammlawine in die Lindenstraße ergoss und diese durch weite Teile des Dorfes überflutete. Von Meterhöhe sprechen erschrockene Bewohner, als die Flut sich schnell wieder verzogen hatte. Sicherlich übertrieben, doch Kniehöhe hat der Schlamm schon, als ein Radlader der Agrargenossenschaft Spoitgendorf die Masse auf einen Hänger lädt. Fünfmal muss der Trecker vorfahren, ehe alles Grobe von der Straße ist.

Der Acker, von dem die Schlammmassen stammen, wird von dem Landwirtschaftsunternehmen bewirtschaftet. Das Problem, die weitläufige Hanglage direkt am Dorfrand, ist seit langem bekannt: Immer wieder mal kommt bei starkem Regen etwas herunter, wenn, wie jetzt, der Acker frisch gepflügt ist. "Das ließ sich bisher immer mit der Schaufel bewältigen", sagt Bürgermeister Harald Berndt. Der Agrarbetrieb jedenfalls zeige immer Verantwortung, wenn mal Not am Mann sei. Was da gestern passierte, sei aus seiner Sicht nicht voraussehbar. Berndt: "Von Klein auf lebe ich in Glasewitz. Aber so etwas habe ich noch nicht erlebt."

Um 9.16 Uhr musste die Güstrower Feuerwehr nach Glasewitz ausrücken, kaum später war Ordnungsamtsleiter Harald Teichmann vor Ort. Zweiter Schwerpunkt neben der überfluteten Einmündung war der Wohnblock für sechs Mietparteien, dessen Keller komplett geflutet war. Einen halben Meter hoch stand hier das Wasser, berichtet Einsatzleiter Hannes Möller. Die Kameraden stellten sicherheitshalber den Strom ab, pumpten das Wasser aus. Dennoch blieb den Bewohnern mit Schaufel und Besen noch reichlich Arbeit.

"So schlimm war es noch nicht. Ich habe Glück gehabt: Das Wasser kam genau bis zur Kellerluke. Aus dem Vorgarten hat es sich dann schnell verzogen", berichtet Franz Wendorf, der seit über 60 Jahren in Glasewitz lebt. 45 Liter pro Quadratmeter, hat er gemessen, wären bei dem Regenguss gestern früh heruntergekommen. An der Straße vor seinem Grundstück sieht der Rasen aus wie von einer harten Bürste gekämmt, faustgroße Steine liegen am Rand, mitgerissen von der Kraft des Wassers.

Auch das Gewitter hinterließ Schäden. So standen die Pumpen des Vorspeicherbeckens im Dorf für die Kläranlage still - der Blitz hatte wohl in den Schaltschrank eingeschlagen, vermuten Techniker von Eurawasser.

Harald Berndt, der gestern Vormittag nicht persönlich nach Glasewitz habe kommen können, hatte Ordnungsamt, Wohnungsverwaltung und Feuerwehr alarmiert. Schon ohne Augenschein meint der Bürgermeister: Für die Wohnhäuser im Dorf müsse man nach Lösungen suchen, um solche oder gar stärkere Überflutungen zu vermeiden. Sofort habe aber auch er erst mal keine parat.

Die Feuerwehrleute waren indes auch anderenorts im Einsatz. In Güstrow mussten sie das Ärztehaus im Pfahlweg auspumpen. Und der Blitz schlug ein, setzte z.B. in der John-Brinckman-Straße eine Elektroanlage außer Betrieb, u.a. auch das Telefon der Volkshochschule. Auch bei der Feuerwehr selbst gab es einen Blackout, der aber mit eigenen Kräften wieder schnell repariert war, berichtet Hannes Möller.

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