Berufungsverfahren : Schläger muss ins Gefängnis

Gerichtsreport: Schwere Folgen einer Schlägerei im Rosengarten

Ricardo N. (21) war am 17. November 2014 vom Amtsgericht Güstrow wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Jugendstrafe von einem Jahr und fünf Monaten verurteilt worden. Er hatte in der Nacht des 20. Juli 2014 im Rosengarten in Güstrow nach einer zunächst verbalen Auseinandersetzung seinen Kontrahenten Tino S. mit einer Bierflasche ins Gesicht geschlagen und ihn dabei erheblich verletzt.

Da das Gericht die Strafe nicht zur Bewährung aussetzte, legte Ricardo N. Berufung ein. Aber auch die Rostocker Staatsanwaltschaft ging in Berufung. Ihr war das Urteil angesichts der bleibenden schweren Schäden des Opfers nicht hoch genug. Denn Ricardo N. hatte Tino S. weiter attackiert, nachdem die Bierflasche schon zerbrochen war. Das Opfer erlitt tiefe Gesichtsnarben. Besonders wurden seine Augen in Mitleidenschaft gezogen, so dass das Gesichtsfeld für immer eingeschränkt bleibt. Die Vertreterin der Anklage beantragte eine um fünf Monate höhere Strafe, natürlich auch ohne Bewährung.

In der gestrigen Berufungsverhandlung vor dem Rostocker Landgericht wurde Klartext gesprochen. Der Richter informierte über sechs Urteile des Angeklagten, die in das Güstrower Urteil vom November mit einbezogen worden waren. Darunter Sachbeschädigung, mehrere gemeinschaftlich begangene gefährliche Körperverletzungen, wobei eines der Opfer zwei Zähne aus dem Oberkiefer verlor, Diebstahl und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte. Außerdem teilte er mit, dass im September vor dem Amtsgericht Güstrow ein neuer Prozess gegen den 21-Jährigen, wieder wegen gemeinschaftlicher schwerer Körperverletzung beginnt.

Trotzdem sah die Verteidigerin positive Entwicklungselemente bei ihrem Schützling. „Er hat sich geändert“, sagte sie und zählte auf: „Ricardo hat jetzt eine eigene Wohnung, nimmt seit Januar erfolgreich an einer Vorbereitungsveranstaltung für den Hauptschulabschluss teil...“ Da unterbrach der Richter ihren Redefluss: „Frau Verteidigerin, ich kann ihnen nicht folgen. Vor unserer Kammer hätte ihr Mandant bei den Straftaten nicht unter dreieinhalb Jahren Haft bekommen.“ Und dann verlas er das Schreiben des Schulleiters über die„erfolgreiche“ Arbeit des Angeklagten. Die Teilnahme an den Seminaren zur Vorbereitung des Hauptschulabschlusses sei mangelhaft, heißt es darin. Allein für den April mussten 13 Fehltage registriert werden. Von den zahlreichen Krankschreibungen nicht zu reden.

Nach einer kleinen Verhandlungspause erklärte die Verteidigung: „Wir nehmen die Berufung zurück.“ Die Staatsanwaltschaft zog ihren Antrag ebenfalls zurück, allerdings nur unter der Bedingung, dass die Beschwerde des Angeklagten gegen den Widerruf einer einjährigen Bewährungsstrafe, ebenfalls wegen Körperverletzung zurück genommen wird. So geschah es. Ricardo N. muss nun mindestens für zweieinhalb Jahre ins Gefängnis. 


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