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Historische Gerichtsprozesse in Güstrow : Schatzsucher auf Schöninsel

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Die Suche nach den Münzen: Um 1720 war Schöninsel verpachtet worden. Der Pächter verschuldete sich und geriet schnell in Verruf. In dieser ausweglosen Situation versuchte er es mit der Schatzgräberei.

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erstellt am 05.Apr.2013 | 04:49 Uhr

Güstrow | Um 1720 war Schöninsel mit dem ruinösen Sommerpalais vom letzten Güstrower Herzog, Gustav Adolph (letzte Reste noch sichtbar), der Gärtnerei, den landwirtschaftlichen Flächen und einer Obstbaumallee an einen Herrn Klentze verpachtet worden. Landwirtschaft, Obstbau und Gärtnerei überforderten den Pächter, er verschuldete sich und geriet schnell in Verruf. In dieser ausweglosen Situation versuchte es der Pächter mit der Schatzgräberei. Auslöser war ein so genanntes Geldfeuer (Wandersage im deutschsprachigen Raum, nach der an bestimmten Orten geisterhafte Lichter, Flammen oder brennende Münzen gesehen werden). Klentze nahm über den Güstrower Henker Kontakt zu vier Stadtbürgern auf, die Liebhaber der Schatzgräberei waren. Vier Nächte blieb man zusammen, beschwor mit Kräuterrauch alle möglichen Geisterformeln. Das anschließende Schatzgraben blieb jedoch erfolglos.

So schnell gab Klentze jedoch nicht auf. Er nahm Kontakt zu einem bekannten Schatzgräber aus Hamburg auf (Friedrich Behrens) auf, der angeblich ohne zu graben, Reichtümer in die Stube zaubern könne. Schnell hatte er auch "Erfolg" und ortete an vier Stellen versteckte Töpfe und Kannen mit Schätzen. An einem alten Birnbaum am Seeufer sollte zudem ein großer Kessel mit Geld vergraben sein.

Der Knecht Jürgen Rave - im Rechtsstreit mit Klentze, weil gekündigt - erstattete jetzt Anzeige gegen den Schatzgräber. Sofort wurde durch Hofrat Knövenagel eine strenge Untersuchung wegen Aberglaubens eingeleitet - nach damals noch geltendem Inquisitionsrecht. Zwei Soldaten wurden zur Überwachung auf die Insel beordert. Es erfolgten langwierige Untersuchungen, da ab 1727 die Insel an die rechtmäßige Erbin, Prinzessin Augusta (Schloss Dargun), gefallen war.

Inzwischen war Schatzgräber Behrens, der eigentlich Rostocker war, trotz Bewachung von der Insel geflohen, die damals noch keine Brücke hatte. Erst nach langen Verhandlungen und Verhören gestand Pächter Klentze. Das Urteil fiel auf Grund der Nichtigkeit milde aus: 20 Taler Strafe zu gleichen Teilen für Klentze und seinen Gärtner. Zu dem Urteil kam jedoch eine beträchtliche Rechnung von 124 Talern für Gerichtsgebühren und Bewachungskosten. Klentzes Schulden beliefen sich inzwischen auf 200 Taler, der angeordnete Verkauf seines gesamten Vermögens tilgte davon nur einen kleinen Teil. Letztlich floh auch er von der Insel und überließ nun seiner kranken Frau das anstehende Bankrottverfahren.

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