Lohmen : Schafschurfest: Schäferin für einen Tag

Besucherin Julia Baudisch nutzt die Gelegenheit selbst einmal ein Schaf zu scheren.
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Besucherin Julia Baudisch nutzt die Gelegenheit selbst einmal ein Schaf zu scheren. Fotos: Caroline Weissert

Julia Baudisch darf beim neunten Schafschurfest in Lohmen selbst Hand anlegen und eines der 442 Schafe scheren.

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02. Mai 2017, 05:00 Uhr

Eher durch Zufall kam Julia Baudisch am Freitagvormittag auf das nunmehr neunte Schafschurfest nach Lohmen. Die Kühlungsbornerin macht mit ihrem Mann Urlaub in der Region und entdeckte die Hinweisschilder am Straßenrand. „Wir sind zum ersten Mal hier und uns gefällt es gut“, sagt Julia Baudisch. Schafe seien ihre Lieblingstiere, erklärt sie, während sie Schäfermeister Rico Nöller und seinen drei Schafscherern über die Schultern schaut.

Bei ihrem Schwager habe sie schon einmal beim Scheren geholfen, erklärt sie und auch hier in Lohmen wolle sie es einfach noch mal versuchen. Für Schäfer Rico Nöller kein Problem. Kurzerhand sucht der Herr über 442 schwarzköpfige Fleischschafe ein passendes Exemplar aus der Herde heraus und bittet Julia Baudisch an den Scherstand. Während die Scherer das Tier festhalten, setzt die Schafliebhaberin die ratternde Schermaschine an. Vorsichtig zieht sie das Schneidwerkzeug über den Rücken des trächtigen Mutterschafs und die dicke Wolle gleitet zu Boden. „3 bis 3,5 Kilogramm Wolle hat jedes Schaf“, erklärt Schäfer Rico Nöller. Zug um Zug wächst der Wollberg auch bei Julia Baudischs Schafdame. „Das ist super“, sagt sie begeistert und fügt hinzu:

„Das Schaf fühlt sich ganz weich an – einfach schön.“ Auch, dass sie ihren Lieblingstieren hier in Lohmen so nah kommen kann, begeistert die Nachwuchs-Schafschererin. „Sie hat einen guten Job gemacht“, lobt auch Experte Rico Nöller. Er freue sich über das große Interesse an diesem Traditionshandwerk. Ihm selbst sei der Beruf in die Wiege gelegt worden. Schon sein Vater sei Schäfer gewesen und auch die beiden Brüder sind in dessen Fußstapfen getreten. „Er hat uns den Weg dafür geebnet“, sagt Nöller in Erinnerung an seinen Vater, der, wie er sagt, viel zu früh verstorben sei. „Es ist gut, dass wir unseren Beruf hier so zeigen können. So sehen die Leute, wo die Produkte ihren Ursprung haben“, sagt Nöller.

„Früher haben unsere Schäfer die Schur immer irgendwo im Verborgenen gemacht – das wollten wir ändern. So ist die Idee zu unserem Schafschurfest entstanden“, erklärt Bürgermeister Bernd Dikau den Hintergrund für das traditionelle Fest, dass in jedem Jahr um den 1. Mai herum im Herzen seiner Gemeinde stattfindet. Auch in diesem Jahr sei das Schafschurfest eine rundum gelungene Sache, resümiert er. „Dazu tragen natürlich auch die vielen helfenden Hände bei. Die Schule Zehna kümmert sich zum Beispiel um Kaffee und Kuchen und die vielen Stände rund ums Schaf laden zum Stöbern ein“, sagt Bernd Dikau weiter.

Brigitte Poppe ist nur eine der vielen Händler auf dem Festgelände. Mit ihrem Spinnrad fasziniert sie Groß und Klein in der Lohmener Festscheune. „Ich mache das seit ungefähr zehn Jahren“, erklärt die Goldbergerin, während sie die Wolle von Rico Nöllers Schafen zu einem Faden spinnt. „Es macht mir Freude und ich möchte damit dieses traditionelle Handwerk erhalten“, sagt Brigitte Poppe, die das Spinnen von ihrer Mutter gelernt hat und aus dem gewonnen Garn Strümpfe, Mützen und vieles mehr herstellt und auf den Märkten in der Region anbietet. „Zum Schafschurfest komme ich gerne und was wäre schon solch ein fest ohne Spinnerin“, sagt sie mit einem Lächeln auf den Lippen.

Und Julia Baudisch? Die blickt auf ein unvergessliches Erlebnis zurück und wird vielleicht selbst irgendwann einmal Schafe halten. Das Scheren ist dank der Hilfe von Rico Nöller dann sicher kein Problem.

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