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Güstrower Anzeiger

18. November 2017 | 18:34 Uhr

Neu Kätwin : Schafe als Exportschlager

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Ein Landwirt in Neu Kätwin schwört auf Dorperschafe – robust, leistungsstark und sehr fruchtbar.

von
erstellt am 30.Jun.2017 | 21:00 Uhr

Hitze und Kälte können ihnen nichts anhaben. Regen lieben sie weniger, weiß Frederic Vergin (42) und so nahm er gestern einen Eimer voll Pellets mit auf die Wiese, um die Lämmer, die sich bei Regen lieber ein bisschen unterstellen, fürs Foto aus der Deckung zu locken. Schwarze Köpfe und Hälse sowie eher kurze Beine sind das Markenzeichen der Dorperschafe, die der Bio-Landwirt in Neu Kätwin hält. „Ein Fleischschaf, das sich weltweit auf dem Vormarsch befindet – äußerst wirtschaftlich“, erklärt Vergin sein Interesse an eben dieser hierzulande noch nicht so bekannten Rasse.

2010 war er aus Prangendorf bei Tessin, wo die Familie seit den 1990er-Jahren einen Biohof bewirtschaftet, nach Neu Kätwin gekommen und entschied sich für die Dorperschafe. „Wer sie einmal hat, will keine anderen mehr haben“, sagt Vergin, der in Rostock Landeskultur- und Umweltschutz studierte und sich heute als Landwirt sieht. Schäfer sei er nicht, dazu fehle ihm die Ausbildung. Es seien die eigenen Erfahrungen, auf denen er aufbaut. Und zum Glück gebe er zwei weitere Dorperschaf-Züchter in Mecklenburg. Man pflege gute Kontakte zueinander.

Die Rasse stammt aus Südafrika und war als Embryonentransport in den 1990er-Jahren nach Deutschland und auch in die Schweiz gekommen. Dorperschafe sind äußerst leistungsfähige Tiere. Diese Wirtschaftlichkeit stehe in keinem Widerspruch zu „Bio“. „Sie ergibt sich aus der genetischen Züchtung, nicht aus den Haltungsbedingungen“, erklärt Vergin. Das Schaf ist mittelgroß, sehr robust, frisst alles und wählt nicht aus, hat ausgeprägte Muskelpartien, ist äußerst fruchtbar. Die Geburten sind unproblematisch, weil die Lämmer recht klein sind. Wolle spielt überhaupt keine Rolle. Ein Schafscherer wird nicht benötigt. Ein Mischwollvlies wird von den meisten Tieren selbstständig abgeworfen.

Frederic Vergin hat immer rund 300 Schafe auf dem Hof. Die 150 Muttertiere lammen alle acht Monate und das zu jeder Jahreszeit. Auch das unterscheidet sie vom üblichen Schaf. Nur drei Monaten bleiben die Lämmer bei der Mutter. Das Fleisch vermarktet der Kätwiner Landwirt über Biopark. Zu einem entscheidenden Wirtschaftsfaktor habe sich aber auch der Verkauf weiblicher Zuchtschafe entwickelt. Bei umfangreichen Bestimmungen (MaediVirus frei, Scropie (BSE) resistent) sei der Export nicht einfach, aber in Zusammenarbeit mit anderen Züchtern inzwischen machbar. Vergin verweist auf Exporte nach Rumänien, Tschechien, in die Ukraine sowie nach Spanien und Portugal. „Gerade im Osten ist man ziemlich interessiert“, schätzt der 45-Jährige ein.


An regenfreien Tagen Winterfutter sichern


Dorperschafe würden nicht mehr oder weniger Arbeit machen als andere Pfennigsucher. Im Sommer gelte es an regenfreien Tagen das Winterfutter von den Weiden zu bergen und zu schauen, ob es den Tieren gut ergeht. Sie ziehen von einer Koppel zur anderen. Schutzhunde und Elektrozaun sorgen für Sicherheit Den Wolf sieht Vergin nicht als Problem. „Wir müssen unsere Tiere vor dem Wolf schützen“, betont der Landwirt. Wolle man den Wolf integrieren, müsste für den Fall der Fälle ein akzeptables Entschädigungssystem entwickelt werden, denkt Vergin. Sorge bereitet ihm eher, dass sich nur noch wenige Tierärzte mit Schafen beschäftigen. Außerdem nennt er der Umgang mit BVVG-Flächen als beängstigend. In unmittelbarer Nähe würden die Pächter öfter wechseln, die Flächen aber kaum bewirtschaften. Ein Ergebnis sei das Jakobskreutzkraut – giftig –, das sich dort ansiedelt.

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