Obsternte : Sanddorn mindert Ernteausfall

Frank Fetkenheuer bei der Sanddorn-Ernte. Aus der vitaminreichen Frucht wird Most.
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Frank Fetkenheuer bei der Sanddorn-Ernte. Aus der vitaminreichen Frucht wird Most.

Frank Fetkenheuers Bio-Garten und Lohnmosterei muss mit schlechtester Ernte seit Gründung des Betriebes zurechtkommen.

svz.de von
27. September 2017, 05:00 Uhr

Frank Fetkenheuer ist 53 Jahre alt und mit seinem Güstrower Bio-Garten und seiner Lohnmosterei 24 Jahre auf dem Markt. Aber solch eine schlechte, ja katastrophale Ernte wie in diesem Jahr hat er noch nicht erlebt. „Ich habe insgesamt einen Ernteausfall von 90 Prozent, bei Kirschen sind es sogar 100 Prozent“, bilanziert Fetkenheuer das ungeheuerliche Ergebnis.

Die Ursachen waren zwei Frostnächte im April, der fehlende Bienenflug und dann kam noch die Gespinstmotte dazu. Die Folgen sind, dass er drei Viertel der Äpfel für den Verkauf und den Most im Hofladen – das sind 15 Tonnen – für teures Geld dazukaufen muss.

Regelrecht eingebrochen ist auch die Lohnmosterei. „Ich habe im Schnitt jedes Jahr 1300 Kunden, meist Kleingärtner, die je 50 Kilogramm Äpfel anliefern. Wenn ich dieses Jahr auf 300 Kleingärtner komme, dann wird das viel sein“, vervollständigt er die Schreckensbilanz. Die hätte Frank Fetkenheuer an den Rand der Existenz bringen können, wenn er mit seinem Unternehmen nicht Reserven aus dem vergangenen Jahr gehabt hätte. „Ein zweites Jahr dieser Art darf aber nicht kommen“, betont der erfahrene Obstbauer. Aber es ist nicht Frank Fetkenheuers Art, lange über etwas zu sinnieren, was man nicht mehr ändern kann. Deshalb hat er nach Lösungen gesucht, um den Ernteausfall wenigstens etwas mit dem zu kompensieren, was gewachsen ist.


90 Prozent der Obstblüten verfroren


„Das ist Sanddorn. Der ist als einzige Frucht vom Frost verschont geblieben und nicht erfroren. Vor fünf Jahren habe ich ihn auf einem Hektar angebaut. In diesem Jahr trägt er das erste Mal so richtig“, erzählt Fetkenheuer. Er hat dabei eine Schere in der Hand, mit der er und zwei Saisonkräfte dem Vitaminspender, der den vier- bis sechsfachen Vitamin-C-Gehalt der Zitrone hat, zu Leibe rücken. Fetkenheurer: „Seit einer Woche und bestimmt noch die nächsten zwei, drei Wochen pressen wir den Sanddorn und machen aus einer Tonne reinen Saft sowie Mischsäfte mit Möhren oder Maracuja.“ Daraus werden 3000 Flaschen, die im Hofladen angeboten werden.

Auch Holunderbeersaft wird gepresst. Einige 100 Flaschen werden im Laden angeboten. Es sei zwar auch nicht viel, aber er müsse dieses Jahr alles nutzen, betont Frank Fetkenheuer. Deshalb hat er auch wieder Tomatensaft hergestellt, mit dem er vergangenes Jahr großen Erfolg hatte. 3000 Flaschen gehen als Zubrot über den Ladentisch.

Eines treibt Frank Fetkenheuer aber noch um. „Ich habe die Hoffnung, obwohl sie sehr vage ist, dass die Obstbauern für den überdimensionalen Ernteausfall eine Unterstützung vom Land erhalten. Das Ministerium prüft das“, sagt er und schaut auf die Apfelbäume, die leer sind. Aber nicht, weil sie gepflückt wurden, sondern weil gar keine dran waren.

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