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Güstrower Anzeiger

19. November 2017 | 06:12 Uhr

Sand im Getriebe der Kreisfusion

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erstellt am 14.Aug.2012 | 07:19 Uhr

Güstrow | Hier wächst nicht zusammen, was zusammen gehört. Das Verhältnis der beiden Altkreise Güstrow und Bad Doberan im neuen Großkreis Rostock ist auch ein Jahr nach der Fusion von kleinen Animositäten bis hin zum offenen Streit gekennzeichnet. Spannungen und Unfrieden reichen bis in die Kreistagsfraktionen hinein. Gedanklich scheint ein Großteil der politisch Verantwortlichen noch in den alten Kreisgrenzen zu verharren, jeweils bedacht auf den eigenen Vorteil. "Es ist Sand im Getriebe des Fusionsprozesses", beklagt Wolfgang Pfannenschmidt. Und das langjährige Kreistagsmitglied (Die Linke) geht noch weiter: "Wenn nicht endlich solidarisch gedacht und gehandelt wird, ist die Fusion zum Scheitern verurteilt."

Pfannenschmidt macht sich Sorgen. Der 73-Jährige will nicht Öl ins Feuer gießen, sondern versöhnen. Er fordert mehr gegenseitiges Verständnis und Solidarität ein. Ebenso wie in seiner Rede vor einem Jahr, als er als Alterspräsident die erste Sitzung des Kreistages im neuen Landkreis Rostock eröffnete. Pfannenschmidts Worte haben Gewicht, kaum einer kennt sich aus wie er. Seit 1990 ist er in der Kommunalpolitik. Zuerst Mitglied des Kreistages Bützow, dann des Kreistages Güstrow und jetzt des Kreistages im Landkreis Rostock. Seine Forderung: "Wir müssen aufhören den Prozess der Einigung durch Feindseligkeiten zu blockieren und stattdessen die Aufgaben gemeinsam lösen."

Hauptstreitpunkt, der die Doberaner und Güstrower aktuell entzweit, ist die Kreisumlage, die auch heute Abend im Kreisausschuss wieder für Kontroversen sorgen wird. Angepeilte Höhe: knapp 47 Prozent. Es geht um 70 Millionen Euro, die die Gemeinden aufbringen müssen. Die bisherige Kreisumlage im Altkreis Bad Doberan lag bei nur 35 Prozent. Darum ist der Aufschrei der dortigen Gemeinden groß. Der immer wieder anklingende Vorwurf lautet, dass die Gemeinden des Altkreises Bad Doberan jetzt nur eine höhere Kreisumlage zahlen müssten, weil der Altkreis Güstrow nicht vernünftig gewirtschaftet und hohe Schulden angehäuft habe. "Das ist nicht korrekt. Hier müssen wir aufklären", sagt Pfannenschmidt.

Die Aufklärung liefert Rainer Boldt, 2. stellvertretender Landrat: "Dieser Vorwurf ist sachlich falsch. Die jetzige Kreisumlage dient ausschließlich dem laufenden Bedarf des Landkreises." Die Kreisumlage diene auch nicht zum Abbau der so genannten Altfehlbeträge des Altkreises Güstrow. Hierbei handelt es sich um 10,2 Millionen Schulden, die ausschließlich von den Gemeinden des Altkreises Güstrow aufgebracht werden müssen, wenn denn die Altfehlbetragsumlage beschlossen wird. Auch darüber wird heute Abend im Kreisausschuss beraten.

Boldt verweist zudem darauf, dass die Umlage von 35 Prozent in Bad Doberan künstlich niedrig gehalten worden sei, weil sieben Millionen Euro aus der Rücklage verwendet worden seien. "Wenn das nicht der Fall gewesen wäre, hätte die Kreisumlage in Bad Doberan bereits vergangenes Jahr 42 bis 43 Prozent betragen", sagt Boldt. Lag die Kreisumlage im Altkreis Güstrow bisher bei knapp 51 Prozent, so habe man also jetzt mit den angepeilten 47 Prozent einen Mittelwert.

Boldt teilt nicht die Meinung, dass das Verständnis füreinander im neuen Großkreis fehle. "Natürlich gibt es immer mal wieder regionale Egoismen, aber dann muss man miteinander reden." Pfannenschmidts Bedenken sind größer: "Das Denken läuft noch in getrennten Bahnen. Natürlich braucht es Zeit, bis sich ein Wir-Gefühl entwickelt, aber es gibt nur den solidarischen Weg."

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