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Damwild in Mistorf : „Ruuuudolph“ heißt der Leithirsch

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Erika und Joachim Hinrichs halten seit zehn Jahren in Mistorf eine Damwild-Herde. Das Fleisch wird in in Lüchow und im Dorfladen vermarktet.

„Ruuuudolph!“ Joachim Hinrichs (74) ruft den Namen mehrmals. In der Hand trägt er einen Eimer mit Rüben. Er schüttet sie in einen Trog und hebt wieder an: „Ruuuudolph!“ Damit lockt er den Leithirsch der Damwild-Herde, die von Joachim Hinrichs und seiner Frau Erika (72) seit zehn Jahren am Mistorfer See gehalten wird. Bei den ersten Überlegungen ging es ihnen darum, die zwei Hektar große Wiese für Tiere zu nutzen. Erika Hinrichs: „Aber sie sollten pflegeleicht sein. Da kam uns der Gedanke, Damwild zu halten.“


Attraktion im Ferienlandhof


Dann wurde es doch mehr und das Hobby wurde mit ihrer Arbeit verknüpft. Erika Hinrichs: „Jetzt sind wir ja Rentner, aber damals führten unser Sohn Frank und ich mit einer GbR in Lüchow das Waldhotel ,Sängerslust‘. Jetzt ist Frank der Inhaber und ich bin stiller Gesellschafter. Da merkten wir schnell, wie gern Hirschgerichte aus eigener Zucht gegessen werden, weil sie schmecken und das Fleisch gesund ist.“ Und es kam noch etwas dazu: Tochter Kathrin Ponath bewirtschaftete seit 1997 das Familien-Grundstück in Mistorf. Das wurde 2006 erweitert, um es touristisch zu nutzen. Die GbR vergrößerte sich um das Tochterunternehmen Kinderferienlandhof Mistorf. Der alte Dreiseitenhof eignete sich dafür sehr gut. Kathrin Ponath und ihr Mann Maik boten bis 2011 Ferienlager auf dem Lande für Kinder an. Aber der Aufwand sei letztlich zu groß gewesen, erläutert Erika Hinrichs. Seit zwei Jahren firmiert das Areal daher als Ferienlandhof und Radlerherberge. Erika Hinrichs: „Wir bieten Familien-Ferien auf dem Lande, auf dem Bauernhof. Wir haben Pferde, Hühner, Kaninchen, Enten, Ziegen – und die Damhirsche als Alleinstellungsmerkmal.“ Was die Tiere hergeben, wird im Hofladen vermarktet, den Kathrin Ponath im Nebenerwerb führt, besonders auch das Hirsch-Fleisch.

Mit fünf Damhirschen fingen die Hinrichs an. Aktuell zählt die Herde 25 Tiere, um die sich Erika und Joachim Hinrichs jetzt noch mehr kümmern können, denn in Lüchow haben sie ihre Zelte 2013 abgebrochen. Seit 2014 sind sie wieder zu Hause, genießen ein aktives Rentnerleben. Erika Hinrichs ist Mistorferin, ihr Mann stammt aus Neumühle. 1966 zogen sie aus beruflichen Gründen nach Berlin und nahmen 1987 in Lüchow in ihrem späteren Hotel eine Arbeit in dem damaligen Betriebsferienheim auf. Das, was sie begonnen haben, sehen sie nun bei ihren Kindern und Schwiegerkindern in guten Händen. Ihre Hilfe ist trotzdem noch gefragt. Dem Damwild, ihrer Idee, gilt dabei die besondere Aufmerksamkeit. Einmal am Tag bekommen die Tiere Futter: Rüben, Kartoffeln, Schrot und im Winter Heu. Im Sommer genießen die Damhirsche das Gras in ihrem Gatter. Das hat die für die Haltung der Herde nötige Größe. Bei den Urlaubsgästen seien die Damhirsche beliebt, erzählen die Hinrichs. Besonders umlagert wird die Behausung jedoch im Juni und Juli. Erika Hinrichs: „Dann sind die Jungtiere geboren und sehr possierlich anzuschauen.“


Heute schießt ein Jäger mehrere Tiere


Die letzten Tage des Jahres werden für Erika und Joachim Hinrichs noch ziemlich turbulent. Heute kommt ein Jäger und wird vier oder fünf anderthalb Jahre alte Hirsche erlegen. Das sei von der Kreisjagdbehörde genehmigt, so Joachim Hinrichs. „Leider hat es aber nicht mehr vor Weihnachten mit dem Jäger geklappt. Jetzt kommen Braten, Filet, Rippen oder Hirschgulasch erst zur Jahreswende auf den Tisch“, bedauert Erika Hinrichs. Ein Fleischer zerlegt das Fleisch grob, Erika Hinrichs portioniert es in der eigenen Küche. Dann funktioniert es wie früher: Ein Teil landet in Lüchen, der andere wird im Hofladen verkauft. Danach geht alles weiter wie gehabt. Joachim Hinrichs wird mit dem Rüben-Eimer zum Gatter gehen und rufen: „Ruuuudolph!“




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