Güstrow : Ruderboot auf Nebel und Warnow

Nicht einfach aber ein tolles Erlebnis ist das Rudern auf der verkrauteten, fast dschungelartigen Nebel.  Fotos: Marian-Bernd Pries (2)
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Nicht einfach aber ein tolles Erlebnis ist das Rudern auf der verkrauteten, fast dschungelartigen Nebel. Fotos: Marian-Bernd Pries (2)

Ein halbes Jahrhundert später: Senioren „wandern“ auf legendären Spuren.

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24. Juni 2020, 05:00 Uhr

In der vergangenen Woche mag manch zufällig eine Güstrower oder Bützower Nebelbrücke Passierender nicht schlecht gestaunt haben, als er ein Ruderboot auf dem Flüsschen wahrnahm. Sind schon Kanus und Kajaks auf dieser „Wasserstraße“ selten, so dürfte der Einer mit Steuermann zu den absoluten Raritäten zählen.

Immerhin – so weiß Detlef Pries, der gemeinsam mit Ehefrau Marianne unterwegs war, zu berichten – war es auf jeden Fall keine Premiere. Schon vor über 50 Jahren unternahmen fünf Güstrower Jungs von der AG Rudern der Erweiterten Oberschule (EOS), dem heutigen Brinckmangymnasium, eine ähnliche Tour. In den 50er-Jahren hatte die Schule am Inselsee ein Bootshaus errichtet, und so einige Generationen von Schülern konnten dort das sportliche Rudern erlernen und ihrem Hobby nachgehen.

Doch 1966 wurde den 17/18-Jährigen der Inselsee zu klein und sie wollten auf „große Fahrt“ gehen. Der inzwischen 71-Jährige Detlef Pries erinnert sich, dass in Ermangelung eines Bootswagens dafür ein Fahrrad helfen musste. An der „Mili“, damals Badeanstalt, heute Fischaufzuchtanlage, wurde der „Vierer mit“ wieder zu Wasser gelassen.

An vier Tagen fuhr man auf Nebel und Warnow nach Rostock und zurück. Ein Abstecher in Richtung Warnowdurchbruchstal war natürlich ebenfalls dabei. Dort mussten die wackeren Güstrower aber notgedrungen mit ihrem Gefährt umdrehen.

Detlef Pries ist sein ganzes Leben lang dem Rudersport und insbesondere dem Wanderrudern treu geblieben. Möglich wurde das auch, weil er in seiner Marianne eine Frau fand, die keinesfalls weniger „ruderverrückt“ ist. Und in Berlin, wohin es den Güstrower nach dem Studium verschlug, haben die beiden ja auch beste Voraussetzungen für ihren Sport. Doch nicht nur in der Hauptstadt und auf den zahlreichen Flüssen, Kanälen und Seen im umliegenden Brandenburg sind sie anzutreffen. Wie Marianne Pries erzählt, sind sie schon auf Elbe, Rhein und Donau gerudert, haben unter anderem einige der tausend Seen Finnlands erkundet, waren am großen Bootskorso in Venedig beteiligt und haben so schon große Teile Europas vom Wasser aus gesehen.

Da ist es kein Wunder, dass Pries in diesem Jahr den Goldenen Äquatorpreis des Deutschen Ruderverbandes anstrebt, der nach der dritten Umruderung des Äquators, also nach 120 000 Kilometern verliehen wird. Den Silbernen Äquatorpreis – die 80 000-Kilometer-Marke – hat Marianne Pries im Visier.
Einen großen Traum wollte sich das Paar aber noch erfüllen: noch einmal die Nebel bezwingen und auf der Warnow bis Rostock rudern. Dabei sollte der Weg noch etwas länger sein als damals mit der legendären Schülercrew. Schon in Klueß wurde das Boot vom Hänger geladen, denn ab der Brücke dort ist die Nebel für Sportboote freigegeben und so sollte es natürlich auch der ganze mögliche Nebelabschnitt sein.

„Auf diesem ersten Teil – es geht ja auch durch den Wildpark – kam man sich teilweise vor, wie im Dschungel“, berichtet Marianne Pries. „Leider blieb uns das Kraut, das die Fahrt doch sehr beschwerlich machte, bis hin zur Warnow treu. Hätten wir – wie ursprünglich geplant, aus bekannten Gründen aber zwangsläufig verschoben – schon im April starten können, wäre das ganz bestimmt nicht so ein großes Problem gewesen. Zum Glück lässt sich der „Einer mit“ auch in einen „Zweier ohne Steuermann“ umbauen. So konnten wir auf dem geraden Kanalabschnitt hinter Güstrow mit vereinten Kräften rudern.“

„Anders als in den 60er-Jahren, da die Schleusen noch intakt und mit Wärtern besetzt waren, mussten wir nicht nur in Güstrow am Wehr am Philippsweg das Holzboot umtragen sondern auch an den jetzigen Wehren in Zepelin und Wolken“, ergänzt ihr Ehemann und Co-Kapitän. Nach drei Rudertagen und weiteren 102 Kilometern im Fahrtenbuch ging die Fahrt diesmal in Bützow zu Ende. Auf die Rückfahrt im Regen auf der krautigen Nebel verzichteten die Rudersenioren dann doch.

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